Navigation

Matula »Kuddel«

Von Sebastian

, der ewige Mittfuffziger, der seit 1981 in Lederjacke und mit blonder Mähne Übeltäter für die Advocard-Kundschaft seines Arbeitgebers dingfest macht, hat schneid. Milieusicher, aber nicht unsympathisch, wenn notwendig ruppig aber nie gewaltgeil präsentiert sich der von Claus Theo Gärtner verkörperte Privatdetektiv seit über einem Vierteljahrhundert auf ZDF. Nur folgerichtig, dass so jemand auch popkulturelle Tatorte befördert. Als öffentlich-rechtliches Abziehvorbild haben ihm Superpunk mit » hau mich raus« längst eine großartige musikalische Lobpreisung ins Holster gestopft.

Bei der gleichnamigen Neu-Hamburger Band und ihrem Debüt-Album »Kuddel« geht es indes um gar nichts zwischen Mord und Unschuldsvermutung, Knast und Kriminalistik. Die noch recht jungen Musiker verlegen sich auf Betrachtungen des Privaten und kommen dabei auf allerlei schöne Zeilen, wie beispielsweise diese: »neuer tophit/die angst feat. das leben/und keiner kauft es/aber wir kriegen es geschenkt« aus »Agenda S.C.H.« oder »hier auf dem marktplatz der gefühle/ist der umsatz heute groß/ich nehm dann mal die große tüte/auch wenn die schlange da am längsten ist/und was nimmst du?« aus »Das Paar warme Handschuhe«.

Ihren Stücken ist eine Innerlichkeit und ein Schwermut derart eingehaucht, dass man sie als verkitscht und pathosschwanger denunzieren mag, ihnen aber zugestehen sollte, wenigstens (noch) keine abgeklärte Gleichgültigkeit für das eigene, unschöne Leben mit seinen biografischen Falten und den bedrückenden Wendungen auszutragen. Es scheint den Musikern nicht egal, was mit ihnen geschieht. Sie gehen mit der ungleichen Peergroup aus Zweifel, Scheitern, Unglück, Trauer und Rest-Hoffnung, während leider immer wer fehlt: Wut, die gern alles kurz und klein haut.

wirken bisweilen wie am Katzentisch der Eltern, denen sie ein melancholisches Raunen, einen versöhnlichen Seufzer allgemeinen Weltschmerzes zugedenken, anstatt auch mal beherzt auf das Deckchen zu rotzen, wie es ihr Namensgeber sicher getan hätte. Aber kann man ihnen das wirklich zum Vorwurf machen? Gewiss, Matulas Texte klingen deswegen hier und da nach hemdsärmlicher Lebenshilfe. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass ihre Zeilen mit starken Methaphern, die sich nicht in krummen Reimen verkanten, überzeugend geschrieben sind.

Ummantelt werden die Zeilen von meist unverzerrten, hin und wieder gänzlich verstummten Gitarren und einer tighten bis scheppernden Rhythmusgruppe. Die dazugehörigen Melodien, über denen der Gesang zwischen gesprochenen Parts und Chor-Gegröhle kreist, sind weder weinerlich, noch abgestrahlt und glatt ausgefallen. Wer dabei , oder Oma Hans hinzu addiert, liegt natürlich nicht verkehrt aber auch nicht völlig richtig. haben zwar viel von den Benannten, sie lassen jedoch für meinen Geschmack die Nöligkeit und die Spleenigkeit von Jens Rachuts Großmutter vermissen, die allerdings auch und abgeht. In deren Liga fabrizieren 27 solide Minuten – für die man sich bei Interesse schon allein wegen der großartigen Verpackung die Finger waschen sollte.


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken

Technorati Del.icio.us Digg Yigg Mr.Wong Webnews Netselektor Blogmarks Linkarena Newsvine 

Es wurde noch kein Kommentar abgegeben.

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Faites Votre Jeu!
  • Communique1
  • Kittkritik