Von Antonia
Vielleicht bin ich einfach zu alt für Misery System. Oder zu weiblich, was den Erfahrungshorizont angeht. Oder die Kombination funktioniert nicht – immerhin fühle ich mich bei diesen langsamen, träge-prolligen Gitarrenriffs, bei denen ein Akkord über zwei Takte parallel zum Beat geschrammelt wird, an meine Biohazard-Zeit erinnert (ähem, ich war vierzehn und es waren nur zwei Monate). Oder es liegt am Promo-Flyer, der sie mit »das langersehnte Debut endlich auf CD« bewirbt – die Leute, die sich danach gesehnt haben, kenne ich jedenfalls nicht und möchte sie auch bitte nicht kennen lernen. Oder an dem Gegröle, das rüberkommt, als wollten die Jungs sich den Männerfaktor von System of a Down strebsam verdienen.
»Deceitful Scenery« ist völlig ungebrochen, unhinterfragt, voll mit geraden Melodien und bewährten Rockercodes. Spielerisch ist nichts davon. Angeblich wird in den Texten »oft Sozialkritik an gewissen Szeneabläufen mit der nötigen Portion Sarkasmus geübt« (Promotext). Letzterer hätte der Musik auch nicht geschadet, denn die macht einfach keine Lust hinzuhören.
Die paar Screamo-Shouts lindern den Eindruck auch nicht mehr. Jungs mit Gitarren. Metallica finde ich da unprätentiöser. Diese Boys sollten sich sofort in eine nette Schwulenbar begeben, sich aufreißen lassen, unglücklich verlieben, viele Drogen nehmen, in ihre eigenen Abgründe schauen und es dann noch mal versuchen (sorry, falls Ihr das alles unwahrscheinlicherweise schon getan habt, dann verdrängt es wenigstens nicht mehr). Schnell als Gegengift Edith Frost auflegen.
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