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Mogwai »Happy songs for happy people«

Von Toralf

Platten auf ihre Soundtrackverwendbarkeit in Alltagssituationen zu testen, ist eine interessante Geschichte. Stiftung Warentest Musik gewissermaßen, auch wenn es mir schwer fällt diese Musik als Ware zu bezeichnen. Nun ja, man muss der Realität ins Auge sehen…

Also: das neue -Album rein in den Discman und ab in den Supermarkt. Schon auf dem Weg dorthin passieren sonderbare Dinge mit der Wahrnehmung. Auf eine unbestimmte Art und Weise scheint diese Musik alles zu vergrößern und bedeutender zu machen. Die Wolken, die über den Himmel ziehen, die Schatten, die von den Bäumen auf die Straße geworfen werden, alles scheint einen neuen Sinn zu gewinnen. Und dann der Supermarkt: die Banalität von meterlangen Konservendosen‑ und Wurstregalen im Kontrast zur fast symphonischen Musik, die aus meinen Kopfhörern strömt. Hier kommt mir so langsam eine Ahnung, warum die Platte „Happy songs for happy people“ heißt. Denn die Diskrepanz zwischen so erhabener Musik und schnöder Alltäglichkeit im Penny-Markt ist einfach zu groß, als dass mir kein Lächeln übers Gesicht huschen würde.

Alltäglich ist die Musik nicht und auch nicht gerade ein Kandidat für die neue Ballermann-Fetenhits-Compilation, doch was der Titel des Albums bei aller Ironie vielleicht sagen will, ist, dass positive Empfindungen oder Gedanken (vielleicht sogar Glücksgefühle?) geweckt werden können bei einem Hörer, der sich darauf einlässt. Das Backcover ziert der Ausspruch „Happy songs or happy people“, welcher dann auch andere Interpretationsmöglichkeiten eröffnet.

Die Songs verzichten (bis auf einen) auf Texte, was einen viel unmittelbareren weil nicht direkt in Sprache übersetzbaren Zugang zur Musik vermittelt. Der Gedankenfluss kann sich also ohne Flurbereinigungsmaßnahmen seinen Lauf bahnen und mündet im verzweigten Delta der Musik.

Auch wenn Songtitel wie „Kids will be skeletons“, „Killing all the flies“ oder „Ratts of the capital“ (mein Favorit übrigens), die Assoziationsmaschine wieder ankurbeln. Diese Titel lassen erahnen, dass das Glücksversprechen des Titels vielleicht doch nicht so ernst gemeint sein soll.

haben ein ausgezeichnetes Gespür für Melodien und ihre besondere Leistung liegt darin, dass sie diese recht eingängigen Melodien in den Entschleuniger packen und durch häufige Wiederholungen sowie dynamische Entwicklungen und Steigerungen doch etwas mehr Einsatz vom Hörer abverlangen, um sich die Musik anzueignen, als wenn die manchmal wirklich ohrwurmverdächtigen Harmonien und Melodien in massenkompatibler Form angeboten werden würden. Und die Grundannahme dabei? Mehr Arbeit beim Musikaneignungsprozess = mehr Musikgenuss? Vielleicht. Jedenfalls ist keine Band, die nach dem zehnten Anhören eines Albums in der hintersten Ecke des Plattenregals verschwindet
Nun, der Test steht noch aus, wie die Musik in Alltagssituationen wirkt, die etwas unangenehmer sind, als an einem sonnigen Samstagnachmittag seine Frühstückseinkäufe zu erledigen.


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