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Monochrome »Éclat«

Von Sebastian

Ein Eklat ist diese Platte nun wirklich nicht. Und zwar in doppeltem Sinne. Es gibt keine Aufreger, keine Ungeheuerlichkeit, über die in Ansehung der Gesamtspielzeit hinwegzuschauen, schier unmöglich wäre. Ebenso fehlt das musikalisch derart Furchtbare, wie es ja bei manchen Bands der Fall ist, bei denen man als Skandal bezeichnen muss, dass ihnen noch niemand aus selbstlosem Humanismus die Instrumente aus der Hand geschlagen hat. haben so etwas nicht verdient – ihr neues Album weist versierte Instrumentalisten aus, die sich für Melodik zu begeistern wissen, bei der man nicht vor Fremdscham im Boden versinken möchte.

Sie stapeln und verweben ihre Gitarren zu einigermaßen komplexen Schnittmustern und schreiben eine gleichsam simple, aber klarsichtige Gesangsspur darüber. Das macht diese Platte wirklich schön. Im Gegensatz zu anderen Musikern, die ursprünglich aus dem Hardcore kommen, dann aber mal was anderes beim Publikum abrufen wollten, als Fingerpointing und Circle Pit, lassen die großen No-No’s beiseite: an ihren Tonerzeugungsmaschinen klingen sie nicht beleibt und wuchtig, und gesanglich nicht Jammer-emotional. Dass die Vocals gesplittet werden, Marc Calmbach sich mit Kathrin Hahner, Liza von Billerbeck bzw. Kate Complicate die Spur teilt, war schon auf den letzten Veröffentlichungen der Band ein großes Plus. Schade nur, dass die Frauen irgendwie wie additional Beiwerk wirken, das nicht wirklich zu gehört, aber davon auch nicht wegzudenken ist.

Ob ich mir nur einbilde, dass man diesen Umstand auf »Éclat« hört? Ich glaube nicht. Ohne die Packungsbeilage würde man die Sängerinnen kaum auseinander halten können. Die Phrasierungen und Betonungen sind sehr ähnlich, was schon eher darauf hindeutet, dass die Jungs klare Skizzen davon auf dem Studiotisch ausbreiteten, die die Frauen auszupinseln hatten. Die ideelle Gesamt-Gesangsfrau fährt zwar einerseits die Wirkung ein, als hätte man es mit einer Band zu tun, man wünscht sich aber andererseits den Preis der vorgeführten Austauschbarkeit des großartigen weiblichen Gesanges nicht entrichten zu müssen.

Nur ist das ganze Problem wohl weniger beabsichtigt bzw. erwünscht, als vielmehr der regen Besetzungswechsel im Hause geschuldet. Wie dem auch sei, musikalisch schmälert es die Platte kein Stück. Sie ist großartig geworden, ebenso wie die Scheiben zuvor auf Transsolar Records. Wer mit dem Wechsel zu Sticksister vielleicht auch musikalische Veränderungen erwartet hat, lag schlichtweg verkehrt. Mehr noch, gehen da konsequent weiter, wo sie die letzten Jahre eine nachdrückliche Schneise in die Wiese gedrückt haben. Von derlei Kontinuität zeugt etwa die Tatsache, dass die gesamte letzte 7“ »Tréma« (Transsolar .025) auf dem neuen Album Eingang gefunden hat.


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