Von Dennis
Beim renommierten Bostoner Label Bridge 9 ist das Palehorse-Debüt »Amongst The Flock« erschienen. Die Band aus Connecticut hat sich bei den gelungensten Platten der letzten 15 Jahre aus dem Bereich metallischer Hardcore bedient und einen heftigen Batzen Unzufriedenheit ausgekotzt.
Ringworm ist eine der Kapellen, die mir auf Grund ähnlicher intensiver Rohheit als vergleichbar einfallen, aber besonders die Referenzen auf Clevelands Integrity sind zu eindeutig, um verschwiegen zu werden. Rückbetrachtet waren die sicher eine der reaktionärsten Bands aus dem Hardcore-Sektor, auch wenn der musikalische Einfluss Integritys auf zahlreiche Gruppen nicht zu leugnen ist.
Folglich spielen auch Palehorse moshzerfressene, wütende Lieder, die eher selten durch ihr gelungenes Songwriting auffallen, dafür aber musikalisch unnachgiebig in die gleiche destruktive Kerbe hauen und keine Sekunde für Kopfarbeit lassen. Das ist gewollt und resultiert nicht aus Fahrlässigkeit oder Unbeholfenheit, sondern ist vielmehr dem Versuch anzulasten, den kruden Lyrics eine theatralische Plattform zu zimmern. Das Düstere und Apokalyptische, das die Texte zum Großteil ausmacht, liest sich interessant, stellt sich aber ganz anders dar, betrachtet man einmal das ideologische Repertoire der Band. Unter der geradezu vortrefflichen Überschrift »Verschwörungsagenda und Politik« haben sie auf ihrer Homepage einige zweifelhafte Links versammelt, die von den Traditionen des Freimaurertums berichten, vor dem Feminismus als die neue Weltordnung warnen und natürlich die »ganze« Wahrheit über 9/11 parat haben. In diesem Licht, verblendet selbst der positivste Ansatz und die tobenden Lyrics lesen sich als ein seltsames Krisenbewusstsein, dessen beworbene personalisierte Hinterhältigkeit eine ganz ernst gemeinte ist. Die Texte sind folglich nicht die stärksten Elemente auf »Amongst The Flock«, deshalb bleibt nur die Musik übrig. Und die ist allgemein hin Geschmackssache.
Die Mannen um Palehorse haben eine fette Platte abgeliefert, sind allerdings nicht ernst zu nehmen. Oder anders gesagt: Palehorse sind die Attac des Hardcore, deren Gebrüll zwar gesellschaftlich legitimiert ist, sich aber irgendwie immer in einer Verschwörung der anderen niederschlägt und deshalb eigentlich doch nicht gehört werden sollte.
XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Keine Kommentare
Zum Kommentar - Formular | Kommentare als RSS-Feed [?] | trackback uri [?]