Von Sebastian
Zurücklehnen. Durchatmen und… Play. Der Referenzscanner wird angeworfen und murmelt schon nach kurzer Zeit was von Radiohead, Coldplay und The Verve. Gitarre, Bass und Schlagzeug untermalen den Gesang, der hier das Heft in der Hand hält und klar macht, wohin die Reise gehen soll. Genau das macht solide Popsongs aus. Eine gute Stimme ist schon die halbe Miete, ein schlechter Sänger das Verderben. Bei Palestar passt alles zusammen. Während Patrick weiß, was er am Mikro zu tun hat, bemühen sich seine Kollegen um den Rest und auch das mit einer angenehmen Versiertheit. Die EP „Coming Up For Airâ€? der Jungs aus Leipzig lässt beim besten Willen nicht vermuten, dass man sich erst zum zweiten Mal in ein Studio begeben hat, um Songs aufzunehmen. Beim Durchhören stellt man sich eher einen Haufen gestandener Musiker vor, die sich freuen ihrer fünfundzwanzigsten Band endlich ein paar angenehme Stücke entlockt zu haben. Palestar hingegen sind zusammen gewachsen, mal abgesehen von einem fliegenden Wechsel am Schlagzeug, für das sich jetzt der Ex-The Caine-Drummer Mark zuständig zeichnet.
Ich hatte noch das Vergnügen Palestar vor gut zwei Jahren in Riesa, damals unter dem Namen „Walking Backwards“ scheiße finden zu dürfen und war reichlich überrascht, mit was für Indie-Perlen sie mittlerweile aufwarten. Fünf Songs zieren die D.I.Y.- Demo CD, völlig ohne Rumgestümper, dafür aber mit viel Ernst und einem treffsicheren Gespür für gute Melodien. Diese Platte ist wie gemacht für Melancholie und Nieselregen, absolut empfehlenswert für die nächsten Wochen und Monate. Ich hoffe, die vorliegende Besprechung wird nicht das letzte Mal sein, dass es sich über Palestar zu schreiben lohnt: ein Album wäre mal ein legitimer Grund, ein Plattenvertrag, ’ne Welttournee oder ähnliches. In jedem Fall haben sie das Zeug zu einer großen Band; eine gute Band sind sie schon jetzt.
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