Rentokill »Back To Convenience«

Von Dennis

Das Erste was mir beim Hören von »Back To Convenience« in den Sinn kommt, ist der Fat Wreck Sound der späten Neunziger, inklusive den dazugehörigen Bands, meist einfach als »Ami-Punk« abgeohrfeigt. Grade an Genreanführer und Aushängeschild NOFX erinnern mich RENTOKILL des Öfteren.

Doch aus mindestens zwei Gründen gehören sie nicht in diese Ecke: Erstens, sind die Lieder uneinheitlicher und nicht nur auf Rattenfängermelodien reduziert, und zweitens hat die Band aus Wien einen weitaus kritischeren Blick auf die Zustände als Fat Mike und Belegschaft – die sich als ausgewiesene Punks, mit ihrer punkvoter-Kampagne inklusive dem demokratischen (Wahl‑)Kampf für eine bessere US-Regierung gerade selbst dekonstruieren.

Neben vielen intelligenten und selbstständigen Songs gibt es auf »Back To Convenience« auch viele schlaue Texte, in denen mitunter das kritische Auge tief in die offene Wunde Gesellschaft gebohrt wird, ohne dass man sich außerhalb derselben versteht, aber auch ehrlicherweise der eigene Mist durchsucht wird. Man hat einigen Abstand zu Politparolen und selbstgefälligem Fingerzeig bewahrt und braucht sich deshalb auch nicht vor Kritik zu scheuen.

Das schicke Plattenartwork hat das Zeug rote Herzen zu erobern, den Rancid-Coversong »Olympia W.A.« hingegen finde ich ein bisschen überflüssig. Vielleicht hätte man auf ein, zwei Lieder verzichten sollen. Auf »Go & Get It Right« zum Beispiel, der für mich den einzigen inhaltlichen Ausfall darstellt: Die immer größer werdende Lücke zwischen arm und reich in der Welt mit der Feststellung »profit is safe. exploitation backed up by the wto«, lediglich den anscheinend dazu gehörenden »neo-colonials« in die Schuhe zu schieben, zeugt ein wenig von Uneinsichtigkeit gegenüber ’Globalisierung’ als dem internationalisierten Breitmachen des Kapitalverhältnisses und bleibt kurz vor der Wahrheit liegen. Empfiehlt es sich nicht eher, die Aufhebung des Kapitalismus anzuvisieren, als die Ungerechtigkeit des Weltmarktes (der ja eigentlich gerecht ist) dem politischen Personal von Staat oder WTO anzuhängen? Spätestens bei »I recognize the smell of oil in the air where they put their flag into the sand« höre ich dann aber doch den antiamerikanischen Zeitgeist durch die Zeilen husten.

Nun gut. ’Nase putzen und weiterspielen!’ hat Muttern immer gesagt. Wer Punkrock nicht braucht, braucht auch »Back To Convenience« nicht. Wer aber gerade in dieser Sparte nach einer Band sucht, die mehr hergibt als Spaß und Parolen, könnte sie mit RENTOKILL gefunden haben.


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken
Support:

Technorati Facebook Twitter Myspace Del.icio.us Digg Last.fm 

Es wurde noch kein Kommentar abgegeben.

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Opak
  • Respektive
  • N+1 Magazine