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Scott Garth »s/t«

Von Wauz

Stelle dir eine Situation vor, die viel zu kitschig ist, als dass du je zugeben würdest, sie schön zu finden: Du sitzt an einem Strand, trinkst ein kühles Bier und ziehst genüsslich an deiner Zigarette, während die Sonne langsam am Horizont aufgeht. Du beobachtest die Möwen, die ihre Kreise über dem Wasser ziehen, während die Gedanken in deinem Kopf ihre ganz eigenen Kreise drehen. Hinter der nächsten Sanddüne sitzen deine Freunde an einem Lagerfeuer und ab und zu dringt ihr Lachen zu dir herüber. Du bist alleine, weil du es gerade sein möchtest und nicht weil du es sein musst. Dies ist keine Einsamkeit, sondern einfach ein Moment, der nur dir gehört. Die ersten Sonnenstrahlen glitzern auf dem Wasser und tauchen die Welt in eine eigenartige Traurigkeit, die nicht weh tut, sondern schön ist. Und über die Kopfhörer deines Walkmans läuft die Musik von , der mit seiner wunderschönen, zerbrechlichen Stimme nur durch die Kraft seiner Worte Bilder in deinen Gedanken malt. Bilder von Königreichen und Banditen, von den Wirren des Lebens und der seltsamen Würde des Versagens. Ohne zu verletzlich zu wirken, haucht er die älteste Frage über die Liebe immer wieder in deine Ohren: lema sabachthani. Seine unglaubliche Stimme, die nur durch eine unaufdringliche Instrumentierung unterstützt wird, flutet deine Gehörgänge und sucht ihren Weg in dein Herz, um dieses mit Wärme zu füllen. So kannst du also nun hier sitzen und – wenn auch nur für einen kurzen Moment – alles um dich herum vergessen. Ich kenne kein anderes Album, das so etwas vermag.

Diese Review ist überfüllt mit Pathos – es ging nicht anders. Es war mir einfach nicht möglich, die Stimmung, die dieses Album auslöst in Worte zu fassen, also bediente ich mich an diesem hoffnunglos überkitschigem Bild. Ich hoffe nur, ich schrecke niemanden damit ab, denn im Vergleich zu dem von mir Geschriebenem, das ja schon fast an widerliche Rosamunde Pilcher-Romantik heranreicht, ist die Musik von WIRKLICH wunderschön.

Ein paar Fakten noch:

Es war mir unmöglich, etwas über in Erfahrung zu bringen. In Zeiten, wo über jede lausige Bauernband etwas im Netz zu finden ist, spuckt selbst Google über ihn nur ein paar Reviews und ein paar spärliche Vertriebe aus, wo die CD noch zu beziehen ist. Rein musikalisch findet man seinen Namen nur im Zusammenhang mit dem grandiosen Debüt von Bad Astronaut, bei dem er bei dem Song »Anectode« als Gastsänger aufgelistet wird. Eben durch diesen Song habe ich ihn auch entdeckt. Ich hatte mich vom ersten Hören an in seine Stimme verliebt. Herausgebracht wurde dieses Album von Joey Capes nun leider nicht mehr existenten Label , das mit Armchair Martian oder Adventures of Jet noch weitere Perlen im Angebot hatte. Letztere sind weiterhin aktiv und aus Armchair Martian ist die nicht weniger geniale Alternative Country Band Drag the River hervorgegangen. jedoch ist vollständig von der Erdoberfläche verschwunden, was verdammt schade ist, da sein Songwriter-Potential immens ist und ich mich über jeden weiteren Song von ihm freuen würde, wie über einen neuen Teil von Star Wars. Aber gerade dieses nahezu mystische Verschwinden dieses Künstelers macht dieses Album zu etwas ganz Besonderem und zu einem hochgeschätzten Juwel in meiner Plattensammlung. Also: kauft diese CD, es gibt noch ein paar Vertriebe, die sie im Angebot haben. Sollte jemand mehr über in Erfahrung bringen oder gar weitere musikalische Werke von ihm entdecken, wäre ich jedem/jeder zu unendlichem Dank verpflichtet, wenn er oder sie dies mir umgehend mitteilen würde: wauz@beatpunk.org


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