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The Lost Patrol »Songs About Running Away«

Von Sebastian

Heute kredenzen wir ein vorzügliches Album. Auch wenn das die Dramaturgie zu Nichte macht und jeden Spannungsbogen schon vor dem Lüften des Bühnenvorhangs zur Linie korrigiert, muss das bereits jetzt gesagt werden. Die zwölf »Songs about Running away« sind super. Nicht wirklich eine Überraschung, wenn man sich vor Augen führt, dass hier seines Zeichens Mastermind von Refused und The (International) Noise Conspiracy Solofade beschreitet, um das Warten aufs neue TINC Album bis zum Sommer nächsten Jahres nicht allzu lang werden zu lassen.

Die Lost Patrol Platte erweist sich allerdings nicht als Platzhalter mit abgeschmackten B-Seiten, die es bisher noch auf keins von Lyxens Alben geschafft haben, sondern als ein weiterer großer Wurf eines Musikers, bei dessen Vielseitigkeit wohl auch die Veröffentlichung einer Symphonie wenig Verwunderung hervorgerufen hätte. Das Singer/Songwriter‑ Album, das mal durchweg die Finger von Gitarreneffekten und Verzerrern lässt, setzt sich auch textlich von Lyxens restlichen Scheiben ab. So passt es mit den durchweg persönlichen Lyrics nicht wirklich in die »Fahne hoch«-Plattensammlung, in die sich Refused und TINC mühelos einordnen. Kein revolutionärer Pathos, keine geballten Fäuste, »no new manifestos« wie der Opener verspricht. Das bereits 1999 erschiene erste Album von Lost Patrol sah da ein wenig anders aus: auf der »Sparta–Warzaw«, die hierzulande gar nicht vertrieben wurde, ging es in gewohnter Manier Ernst Busch‑ mäßig zur Sache. Diesmal keine großspurigen, wenngleich sympathischen Klassenkämpfe in C-Dur, sondern zwölf Songs von zerbrochener Liebe, dem Alleinsein und den Scheiß Momenten zwischen den guten − Themen also, für die sich allemal eine Platte zu machen lohnt. Dazu handgemachte Gitarrenmusik, die sich zur Unterstützung freimütig im Orchestergraben bedient, um schließlich ein Klavier, ’ne Klarinette, Saxophon, Flöte, Percussions und glücklicherweise keine Streicher in die Arrangements zu integrieren. Die Absage an Geige und Co. ist von daher erfreulich, weil für viele Bands zu emotionalen Songs auch immer mindestens zweiundvierzig Violinen gehören, damit dem Hörer ja nicht entgeht, dass hier traurige Lieder am Starten sind. Einzig „Alright“ fliegt aus dem melancholischen Reigen ein wenig raus. Das Duett mit Lisa Miskovsky wird wohl der einzige Song sein, der einem außerhalb seines Wohnzimmers in irgendeinem liebenswerten Indieclub mal begegnen wird − ist er zumindest das Stück bei dem man nur tanzen möchte.

Aber Schluß mit reden: »No manifestos, no explanations cause everybody understand.«


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