Von Markus
Das erste Mal von The Nationale Blue gehört habe ich, oh je, das ist schon eine Weile her, als ich mit einem Freund gemeinsam ein Konzert für sie in Münster veranstaltet habe, in der Baracke, einer Mischung aus einer norwegischen Blockhütte im Wald und einem linken Kulturzentrum, tatsächlich direkt an einem arg vergifteten Innenstadtsee gelegen. Münster gilt ja gemeinhin als kulturelle Hochburg und als ziemlich liberale Oase; daß sich aber unter allem der Mantel übelster katholischer Kleinkrämerei verdeckt hält, zeig(t)en die AnwohnerInnen der Baracke in regelmässigen Abständen – nämlich immer dann, wenn ein Konzert stattfand. Das Telefon griffbereit neben dem Bett, oder dem Fernseher, standen in schöner Regelmässigkeit um 22h15 zwei Streifenpolizisten vor der Barackentür, um uns mit Anzeigen wegen Ruhestörung, oder wie in diesem Falle, mit der Beschlagnahmung gleich des ganzen Equipments zu drohen, falls das Konzert nicht sofort abgebrochen würde. So habe ich vor dieser schicken CD erst drei Songs von The Nationale Blue gehört, die mir aber in sehr guter Erinnerung geblieben sind. Nur relativ selten mit Gesang gespickter, dynamischer Postrock, ziemlich krachig zwar, aber eben deshalb mit viel Wucht und Intensität vorgetragen – aus meiner Sicht eigentlich perfekte Tanzmusik für einen gemütlichen Sonntagabend. Und wenn der Gesang dazu kommt, klingt das Ganze tatsächlich noch etwas besser, diverser.
Mit The European Translation Of verbindet mich eigentlich auch ein nettes Konzerterlebnis, diesmal im idyllischen Tübingen. Die Band hat dort Ende Februar gemeinsam mit Song and Dance aus Münster im Rahmen einer Sonntagsmatinée gespielt, wo sie sich als extrem freundliche und nette Menschen herausgestellt haben, die dazu auch noch tolle Tanzmusik machen. Ich habe ihnen dort erzählt, daß wir sie eingeladen haben, weil ich ihre Split-Cd mit The Nationale Blue zum Rezensieren bekommen habe, und, äh, daß diese Rezension immer noch auf ihre Vollendung wartet. The European Translation Of haben sich ein gutes Review ebenfalls verdient: Zu Beginn fühle ich mich schon arg an eine andere Band aus Nürnberg und Umgebung erinnert: The Robocop Kraus – deren Sänger Thomas Lang auch im ersten Song mitsingt. Tanzbarer No Wave Postpunk, aber ohne diese Unterkühltheit, die die neue Robo-CD so auszeichnet, sondern das ganze baut eigentlich auf treibendem Indierock auf, ist mit Keyboard versetzt und dazu auch noch herrlich erfrischend ungestüm noch vorne preschend. Vielleicht lässt sich der Stil als eine europäische Übersetzung von At The Drive-In lesen? Könnte schon hinkommen, denn von deren technischer Gewandheit, gepaart mit Intensität hat das ganze auch noch was. Sehr schick, was da in der bayrisch-fränkischen Provinz so alles an guten Bands herumschwirrt, und das ja auch nicht erst seit kurzem. Eigentlich ist Millipede Records ein gutes Beispiel dafür, wie ein Label vor allen Dingen lokale Acts veröffentlicht, und trotzdem eine Kontinuität an sehr guten Bands entstehen kann, ich denke da nur an Là Par Force, The Flamingo Massacres oder eben auch The Robocop Kraus.
Ein großes Sonderlob verdient sich übrigens der Layouter der CD, Adam Groves. Nicht nur, daß es sich hier um ein schickes Klapp-Papp-Cover handelt, das allein schon der Erwähnung wert ist, sondern dieses wurde auch noch sehr, sehr schick zusammencollagiert, im Gegensatz zum tatsächlich scheußlich anzuschauenden Dischord-Tribute-Sampler eine Augenweide.
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