Von Chris
Wenn man sich einmal umschaut, wie inflationär Indie-Bands heutzutage auf den Plan treten, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. England scheint – aufgrund der Popgeschichte wohl auch nicht gänzlich zu Unrecht – das Land zu sein, das quantitativ den höchsten Output an Indieklamotten, sowohl musikalisch, als auch im wahrsten Sinne des Wortes, zu bieten hat.
Da aber Quantität und Qualität bekannterweise nicht immer in eins fallen, bleibt durchaus zu konstatieren, dass nicht jede Band (und auch nicht jeder Klamottenhype) derart gut ist, dass man getrost von beider Ästhetik sich angetan fühlen darf. Klar ist: jeder Trend lebt von denen, die ihn initiierten und setzt sich fort durch diejenigen, die ihn immer wieder reproduzieren.
The National sind dabei etwas anders. Nicht nur, weil sie nicht aus dem Mutterland des akzentuierten Indierocks kommen, sondern aus den USA – auch, weil sie sich und ihre Musik in einen anderen Kontext stellen, zumindest alt genug scheinen, um die Strategien des Marktes und ihre Rolle darin erkannt zu haben. Wo wissentlich die Stimmung der immerwährend netten Jungspunde aus der Nachbarschaft beispielsweise bei den Rakes oder den Arctic Monkeys verbreitet wird, setzen The National eher auf Tiefgang und düstere Epik.
Nichts wollen sie zu tun haben mit pubertärem oder post-pubertärem Quatsch, den man auch noch auf Schallplatte presst, wie es so viele Bands der Sparte »Indie« machen. Angelehnt an Joy Division und The Cure setzen die fünf New Yorker allerhand Versatzstücke in ihren Songs ein, deren popkulturelle Zitate neben gerade Erwähntem von düsterem Indiepop, über stellenweise countryesk angehauchte Teile, bis zu Sonic Youth reichen und damit trotz einer gewissen Stringenz abwechslungreich genug sind, um nicht langweilig zu werden.
Angenehm ruhig geht es zur Sache, obgleich man sich die Songs nicht nur in zurückgelehnten Augenblicken vorstellen darf. Dazu sind einige der Tracks zu forsch; forsch, aber sensibel – so, dass die Gratwanderung zwischen Eingängigkeit und nicht allzu süffiger Provenienz wunderbar aufgelöst wird.
So werden Themen, wie Liebe, Einsamkeit und Melancholie in nette Klänge gehüllt, ohne allzu kitschig daherzukommen, aber dem Gegenstand auf angemessene Art und Weise Respekt entgegengebracht wird.
So ein bißchen erinnert mich die Platte an die Zeit, in der man sich ob seines Alters nirgendwo mehr richtig dazugehörig fühlt. Zu jung für am Wochenende zuhause zu bleiben, aber auch zu alt, sich jeder x-beliebigen Party anzuhängen, um sich nachher über die Kids aufzuregen, weil man neidisch ist, nicht noch einmal so unbedarft sein zu dürfen, obwohl man es gerne wäre. Auf dieser melancholischen, fast traurigen Schwelle bewegen sich The National, nicht nur, wenn sie auf einem Vorgänger zu »Boxer« »We look younger than we feel/And older than we are« singen, sondern durchaus auch aus musikalischer Sicht, weil man sich von Platte zu Platte entwickelt hat, ohne den eigenen Vorstellungen aus dem Weg zu gehen. Eine Entwicklung übrigens, die mir, wie auch immer man sie einschätzen mag, sehr gut gefällt, weil sie um einiges erhabener daherkommt, als das, was einem heute so als unglaublich abgezockt verkauft wird.
XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Keine Kommentare
Zum Kommentar - Formular | Kommentare als RSS-Feed [?] | trackback uri [?]