Von Chris
Müsste man Saddest Landscape mit emotionalen Attributen versehen, um den Sound der relativ jungen Band aus Massachusets, USA zu beschreiben – ich wäre angesichts der Dichte dieser unglaublich atmosphärischen Platte sprachlos. Was hier geboten wird, sind pure Emotionen, persönliche Ausbrüche depressiver Wut und seit langem mit das beste, was ich in der momentan viel zitierten Sparte des Screamo/Post-Hardcore-Hypes gehört habe. Diese Platte vereint auf einer 10“ alles, was diesen Sound so ausmacht: Wut, Trauer, Liebe, Schreie, Depressionen und manische Authentizität. Hier ist nichts mit eingängiger Songstruktur, nichts mit positiver Grundstimmung, das ist Negation und Verzweiflung in gestalt monströser Gitarrenwände, rauchig-kehligem Gesang und sperrigem Drumset-Sound, auch wenn im Vergleich zum vorherigen Longplayer etwas mehr Wert auf Struktur gelegt wird.
Doch was bewegt jemanden dazu, solch einen Sound zu machen? Ist diese Musik das Ventil für den immer wieder kehrenden kapitalistischen Alltag, der – bei allen bekannten Vorzügen – nicht viel anderes als Hoffnungslosigkeit und Alleingelassenheit übrig lässt? Sind The Saddest Landscape aus der tiefen Depression der (klein‑)bürgerlichen Gesellschaft entsprungen und versuchen der Anonymität der kapitalistischen Produktionssphäre einen musikalischen Hilfeschrei entgegenzusetzen? Ich weiß es nicht, man könnte es aber ob der manischen Atmosphäre, die durchaus von kapitalistischer Vergesellschaftung geprägt zu sein scheint gut und gerne meinen. Der Spannungsbogen dieser Band, die zwischen purer, verzweifelter Gewalt und fast schon zerbrechlichen, emotionalen Passagen agiert, ist so großer Sport, dass ich nur allen empfehlen kann, sich diese Platte zuzulegen und sich mit in den Bann dieses quasi-Meilensteins ziehen zu lassen.
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