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Throwdown »Venom And Tears«

Von Dennis

Der Wirkungsbereich des Rezensenten duftet manchmal sehr anstößig. Denn was der Werbenutte zu eigen ist, wird auch vom vermeintlich unabhängigen Rezensionserzeuger erwartet. Nur wenn auch die geforderte, erwartungsgemäß positive Besprechung eintrifft, bestenfalls zum realen Veröffentlichungsdatum, gibt es auch neue Platten zugeschickt. Ist dem zum wiederholten Male nicht der Fall, reagiert der ein oder andere Päckchenverschicker schon mal beleidigt. Solchen Prinzipien haben wir uns noch nie unterworfen, nicht aus fehlender, sonder wegen vorhandener Einsicht in die Mechanismen. Promofirmen haben natürlich einen Job zu erledigen und der hat recht wenig mit Musik zu tun, aber das kann nur am Rande interessieren. Ich kann hier ehrlich behaupten, daß ca. 80 Prozent der eingeschickten Sachen für Beatpunk in nicht dafür vorgesehenen Räumen meiner und anderer Wohnungen liegen bleiben, meist wegen Belanglosigkeit oder Desinteresses. Anderes wiederum landet direkt in unseren persönlichen Charts. Umso bedauerlicher ist es deshalb, wenn guter Kram eingeschickt wird, die Rezensionsexemplare aber für biedere Marktzwecke verunstaltet wurden.

Die Promo-CD nervt richtig, denn alle Nase lang erklingt eine Stimme, die Band‑ und Albumnamen über die Lieder plappert, ständig vom Gespielten ablenkt und ein wirkliches Einlassen auf die Musik verunmöglicht. Das dahinter steckende Prinzip ist mir schon klar, nur bespreche ich eigentlich solch Scheiß nicht. Wenn Plattenfirmen so große Angst davor haben, dass irgendwer die Musik ins Netz stellt oder sonst wie verbreitet, sollen sie keine Promos verteilen. Die CD kann man jedenfalls nicht bedenkenfrei hören, was ausnahmsweise nicht an der Band liegt. Wie soll man sich denn eine Meinung zu einer Platte machen (und schließlich äußern), wenn man sie sich gar nicht richtig anhören darf? Oder geht es am Ende gar nicht darum, was geschrieben wird? Sondern nur um eine wie auch immer geartete Produktplatzierung? Ehrlich, ich wäre geschockt.

Zu dieser Besprechung hab ich mich deshalb hinreissen lassen, weil ich , eine Band die nie frei von Kritik war, früher einmal sehr gut fand und hier eine ganz prima Huldigungsscheibe gelungen ist. Früher hätte ich diese Band ganz sicher abgefeiert aufgrund ihrer fetten Mischung aus Gitarrengemosche und Metal. Sänger Dave hat erstklassig bei Anselmo abgeguckt und das nachgemacht, was schon viele vor ihm versucht haben: schwer angepisstes Wüten auf hohem Niveau – auch wenn dem -Schreihals vermutlich der texanische Whiskey-Drogen-Spleen fehlt. Obwohl dessen Riffs auf »Venom And Tears« nicht selten 1 zu 1 heranzitiert werden, scheitert die Gitarrenfraktion immer wieder an ihrem, vor zwei Jahren auf der Bühne von einem Wahni erschossenen Vorbild Dimebag Darrell, der zu Lebzeiten wohl nicht zu Unrecht als einer der originellsten Gitarristen in heavy music galt und einer Generation von Nachahmern ein unerreichtes Erbe hinterlassen hat. Ansonsten haben aus Orange County aber leider so gar keine eigene Note, die sich positiv hervorheben liesse, abgesehen von dem ein oder anderen ansehnlichen Breakdown. Eigenständig klingt anders. Aber weil mir die Platte einige sehr gute -Songs wieder in Erinnerung gerufen hat und die Band ja überdies auch tot ist, hat »Venom And Tears« irgendwie seine Existenzberechtigung.


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