Von Caro
Heute ist Samstag Abend und meine Verabredung geht lieber zu irgend einem Rockabilly-Konzert, als mit mir gepflegt ein paar Bier zu leeren. Anstatt sie vor die Entscheidung »ich oder die blöden Würfelmänner« zu stellen, trinke ich – in der Angst den kürzeren zu ziehen – mein Bier allein und widme mich dem »Beatpunk-Wichtig«- Stapel, der gleich neben dem »Was-ist-den-das-für-ein-Dreck«-Regal liegt. Im Losverfahren gewinnt »Das Pop«, aber mir ist heut‹ nicht nach Pop und deshalb werden schnell die Karten noch mal neu gemischt. Sorry für die Belgier, aber das Glücksrad steht nicht still, und irgendwann werden auch dir ein paar Zeilen gewidmet.
Für heute steht der Gewinner fest und der läuft und läuft in meinem CD-Player und die Puste geht ihm fast nie aus. Es ist der neue (naja, liegt halt schon ›ne Weile im »Wichtig«-Stapel) Kill Rock Stars-Sampler »Tracks & Fields«.
Das Label Kill Rock Stars wurde Anfang der 90er Jahre in Olympia, Washington State gegründet und sorgte dafür, dass unter anderem Bikini Kill, Sleater-Kinney oder Elliot Smith ihre Platten veröffentlichen konnten. In diesem Umfeld entstand so auch die Riot Grrrl Bewegung, die Jahre später auch nach Europa schwappte.
Der Sampler »Tracks & Fields« stellt die Fortsetzung der 2002 erschienenen Compilation »Fields and Streams« dar und vereinigt auf 2h26min13sec 41 Künstler mit bisher unveröffentlichten Songs.
Schwierig ist, den musikalischen Charakter der Platte festzulegen. Sampler haben ja die Angewohnheit immer alles mögliche, was auch nicht unbedingt zusammen passt zu vereinigen. »Tracks & Fields« hingegen ist wie aus einem Guss, auch wenn die Songs stilistisch nicht in die gleiche Schublade gesteckt werden können. Von Punk über Singer-Songwriter-Sachen, Pop und Indierock bis hin zu Elektro-Trash gibt’s fast alles. Das verbindende Element, ist das gleiche wofür sich auch die Labelarbeit von Kill Rock Stars auszeichnet: die Songs sind allesamt nicht überproduziert und glattgestriegelt wie manch andere Scheibe, der Charme entsteht mit dem Mix aus Proberaumatmosphäre und Livemitschnitt.
Für alle, die noch nicht so ganz überzeugt sind, hab ich noch größere Geschütze auf Lager. Ihr könnt auf der Kill Rock Stars Homepage zwei Songs als mp3 probehören: The Legend »I’M NOT LIKE THAT« und Nedelle »BEGINN TO BREATH«. Ich würde euch zwar lieber Gravy Train und The Capricorns vorspielen, die sind mehr meins, nicht so harmonisch wie Nedelle und mehr female als The Legend, aber dafür müsstet ihr schon bei mir zu Haus vorbeikommen. Bringt am besten etwas mehr Zeit mit, dann spiel ich euch, wenn ihr nett seid auch noch Xiu Xiu, The Charades und Superchunk vor.
Sampler sind `ne super Erfindung. Sie sollen einen Teil von etwas vorstellen, der es zulässt Schlüsse auf den Rest zu ziehen. Ich bin Fan von Kill Rock Stars.
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