Von Sebastian
Der popjournalistische Griff zu Superlativen gehört gewiss zu jenem Handwerkszeug, das man beherrschen muss, um sich nicht mangelnden Enthusiasmus bescheinigen zu lassen. Ein Begeisterungssturm ist schließlich über jeden Zweifel erhaben und macht klar, dass hier mal wieder ein ganz heißes Ding das Trommelfell verwöhnt. Ungefähr im Monatsturnus jagen sich deshalb in den einschlägigen Blättern die Sensationen – Platten von Weltgeltung, Denkmale der Musik, von denen zwei Wochen später schon niemand mehr spricht. Die geschriebene Kaufempfehlung, die sich allemal als Kritik tarnt, es aber in ihrem Dienst an der Kulturindustrie wohl kaum sein kann, zieht sich auf den »Sound« zurück, ohne zu checken, was da ihren Schreibtisch schmückt: nämlich ein Produkt, eine Ware.
Das vorliegende Stück Musik ist in diesem Punkt grundehrlich und tackert sich die Erkenntnis über sein Wesen – vielleicht gerade deshalb – in Bandname und Titel aufs Albumcover. Unter solchen Vorzeichen über eine Platte euphoriegetränkt herzufallen, ist mindestens Selbstverarsche, die aber dann wirklich schlimm wird, wenn der gemeine »Kulturkritiker« auch noch glaubt, was er sagt. »Vergesst den ganzen Retro-Kram, der bis zum Abkotzen gehypt wird. Hier sind TREND und die sind absolut authentisch. (…) Eine Sternstunde der Rockmusik!« So schreibt’s das geschätzte Ox-Fanzine und trampelt mitten rein ins Verderben: gegen den Hype hilft im authentischen Kapitalismus also nur der Trend?!
Aber für solche Ungetüme kann die Band ja nichts. Sie hat vielmehr ein vorzügliches Album vorzuweisen, das klar macht, dass sich Punkrock und Gesellschaftskritik nicht gegenseitig ausschließen müssen bzw. das Level einer Parolen-Jukebox musikalisch überwindbar ist.
Wie auch immer, die Gefahr besteht natürlich, dass der Interpretationsbogen hier heftig überspannt wurde. Es kann ja sein, dass Bandname, Albumtitel und die Texte nichts weiter darstellen, als eine lustige Idee. Vielleicht ging’s auch um den Subversionsmythos Pop, der sich so kuschelig und pflegeleicht an die eigene Band anschmiegt, weil er nicht mehr braucht, als kritischen Gestus. Passiert ja immer wieder, dass sich Musiker sowas eher zulegen, als vernünftige Verstärker. Wenn dem so ist, entschuldigt sich der Autor dieser Zeilen in aller Form für die getätigten Unterstellungen und kommt pflichtbewußt zum Wesentlichen:
Vorliegend handelt es sich um ein sattes Album im CD‑ und LP-Format, das sowohl durch das äußere Erscheinungsbild, als auch der musikalischen Darbietung den Dienst an Wohlgefallen und Reproduktion aufnimmt. Musikalisch in den 80ern anknüpfend, beamen Trend die »Monarchie und Alltag« von den Fehlfarben ins Jetzt. Bei einer Spielzeit von 37 Minuten und 50 Sekunden auf 14 Songs erweisen sich die vier Musiker als engagierte Arbeiter am Instrument. Der geneigte Konsument wird an diesem Tonträger viel Freude haben, nicht zuletzt weil Preis und Leistung in einem marktwirtschaftlich lobenswerten Verhältnis stehen. So ist die CD im Plastic Bomb Shop bereits für 9,90 € erhältlich. Die treffliche Wortgruppe an dieser Stelle kann also nur lauten: kaufen, kaufen, kaufen! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Herzlichst
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