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Trend »Navigator«

Von Sebastian

Die neue Langspielplatte des südhessischen Quintetts ist schon unlängst bei mir angekommen und ich wollte vor dem Losschreiben, erst einmal vergleichend das letzte Album »Das Produkt« zur Erinnerung probesitzen. Nur konnte ich es nirgendwo finden. Jedenfalls in meinem CD-Regal war es nicht, so dass mich die schreckliche Vermutung beschleicht, es jemandem ausgeliehen und das natürlich gleich wieder vergessen zu haben. Aber zum Glück hab ich mir das Teil damals vorsorglich auf den Rechner gezogen, so dass ich die neue und die alte Platte musikalisch dann doch noch ganz gut nebeneinander halten kann.

Das neue -Album musikalisch einzunorden, fällt jedenfalls bei Kenntnis des Vorgängers nicht allzu schwer. Auch auf »Navigator« – so der Titel des kürzlich bei der unheiligen Allianz aus und erschienenen Platte – wird trockener, steriler Punkrock aufgefüllt, der zumeist im Midtempo gehalten, unterkühlt, mitreißend und minimalistisch daher kommt. Also nichts substantiell Neues zu den vorangegangenen Releases aber doch zumindest kleinere stilistische Hüpfer linsen mit dem Einsatz von Waldhorn und Darbuka (arabische Trommel) in drei Stücken zwischen den Rillen hervor.

Das scheppernde Gebräu der dreizehn Songs, lässt also keinesfalls vergessen, dass Musik machen, wie das Label der Rezensentengemeinde zur Klarstellung mahnend nahelegt. Nur soll eine solche Bemerkung zur Vernachlässigung der textlichen Ebene der Band beitragen, die nicht nur von mir – in der Besprechung des letzten Albums – für die Beteiligten wohl zu arg über den Bogen gespannt wurde. Was nämlich in den Lyrics als kritische Beseeltheit lesbar ist, kann man genauso als Sloganmixer ohne jeglichen Subtext verstehen.

Die lyrische Methode von scheint denkbar simpel. In Bioleks Giftküche würde man für das Ergebnis lediglich unzählige Tagesschau-Keywords (Selbstmordattentat, Standortvorteil, Übergangs‑ regierung, Stabilitätspakt, spaltbares Material, Abu Graibh), mit massenkulturellen Verweisen verrühren (»Deine Probleme möcht ich haben, Alley McBeal«, »Pop Anamur«) und schließlich noch zur Abrundung ein paar Stammtischzoten darunter heben (»da tanzt der Papst im Kettenhemd«, »was soll nur aus Deutschland werden«).

Auf diese Weise wird aus den Texten ein obskurer Selbstbedienungsladen, in dem sich jedeR seiner interpretatorischen Vorlieben gefällig ein Scheibchen mit der Kettensäge absägen und anerkennend herunter schlingen darf. Das hab ich ja auch gemacht.

Was »Navigator« sprachlich ausdrücken will, dazu möchten nach Möglichkeit und bitte, bitte aber nicht (mehr) gefragt werden – wie sie z.B. gegenüber der SPEX 11/05 einräumen. Und dies auch nicht ganz zu Unrecht. Im Gegensatz zu Von Spar etwa, wo ein Verweis auch irgendwo hin verweist, scheint es als sei das mitunter kryptische Zulaufen auf Schlüsselbegriffe bei nur zum bollrigen Reiz-Abrufen gut. Da freut man sich dann schon vorsorglich über alle möglichen »PC-Spinner«, denen das Taschenmesser in der Hose bei »Ich bin bereit, also schreiten wir zur Tat. Ich bin bereit zum Selbstmordattentat.« aufgeht.

Der vorgezeigte Punkerprovo-Pass hat aber wenigstens eine lohnende Erkenntnis eingestempelt. Wenn das Bild von einer Band sich an wenigen Kernbegriffen prägt, beim »Produkt« als reflektiert, schlau, gesellschaftskritisch, usw. durchgingen und nun mit Erscheinen des zweiten Albums einerseits ähnliches, andererseits wegen der gerade zitierten Textzeile konträres kolportiert wird, so hat das mit der Wahrheit alles nicht viel gemein. schreiben gute Musik und Texte, denen sie keine großartige Bedeutung beimessen! Dass letztere aber dennoch über Gebühr beachtet und wahrgenommen werden und sich eben nicht hinter die Musik schieben, hat die Band weder bedacht, noch umgesetzt.


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