Von Max
Bayern. Unterfranken. Kleinstadt – oder schlimmer – Dorf. Aus den tiefergelegten Prolo-Karren der Altersgenossen dröhnt laut SCOOTER und wenn’s auf der Fahrt von Bier‑ zu Weinfest mal kracht, muss der Spanienurlaub leider ausfallen, der Traum von der Einbauküche rückt wieder in die Ferne. CSU wählt man schon der Tradition wegen, denn was schon immer so war soll auch bitte so bleiben. Die letzten Überreste von Menschlichkeit und Vernunft versuchen sich dem Wahnsinn zu entziehen, indem sie auf ihre kleinen selbsterschaffenen Inseln flüchten, Jugendhäuser in denen man mit dem Sozialpädagogen um das bisschen Selbstbestimmung ringt, jugendliches Abgrenzungsstreben heißt hier meist Punk bzw Hardcore. Da das kulturelle Angebot gegen Null tendiert, ist Eigeninitiative von Nöten und so wird viel Zeit in Proberäumen verbracht, die Halbwertszeit der Bands beträgt selten mehr als ein paar Jahre, dann zieht jemand weg, man zerstreitet sich, etc. eine Band weniger und gleich zwei Neue mehr, wer hier musiziert, hat eh mehrere Projekte am Start. Tourmäßig schafft man es selten weiter als in die umliegenden Städte/Gemeinden , die dortigen Veranstalter teilen den Musikgeschmack, man kennt sich. Hier liegen auch die Wurzeln von TOTTS und bevor sie sich wieder aufgelöst haben, waren sie im Studio um der Nachwelt eine tolle Platte zu hinterlassen. Verzweifelter Gesang, leicht verzerrt, des öfteren auch Geschrei, mehr wütend als weinerlich, emotional aber nicht Emo. Dazu ein verspieltes Schlagzeug, treibende Bassläufe, Melodien steigern sich und brechen wieder in sich zusammen. Man nehme eine Portion Noiserock, 500g Screamo, 2EL Hardcore, das Ganze auf Midtempo gut durchkochen. So oder so ähnlich klingen TOTTS. Während die A-Seite der Platte zwar ganz gut, aber Nichts davon so richtig hängen bleiben will, gibt’s die Hits auf der B-Seite zu hören. Total eingängig ist das Ganze nicht unbedingt, man sollte sich also Zeit nehmen , dann erschließt sich die Schönheit dieser Scheibe und einige Melodien werden zu Ohrwürmern. Und wo wir grad bei Schönheit sind, die limitierte Vinylversion kommt im schicken Silber-Glitzderdruck daher und schön ist auch, dass sich die Herren eine dicke Studioaufnahme geleistet haben, für eine Eigenproduktion ja nicht unbedingt selbstverständlich. Wer das gute Stück haben will, wird sich schon etwas Mühe machen müssen, bestellen oder den local-Plattendealer deines Vertraunes beschwatzen, es lohnt sich!
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