Troels Abrahamsen »WHT«

Von Chris

In Sachen elektronischer Musik war in letzter Zeit zwar glücklicherweise keine Stagnation zu verzeichnen. Doch die Veröffentlichungen der in den letzten Jahren bekannter gewordenen und allseits beliebten Acts hielten auch nicht immer die Versprechen, die sie selber machten und deren Erfüllung und Einlösung man sich von ihnen erhoffte.

Zum einen ist das sicherlich mit einer subjektiven Erwartungshaltung verbunden, die sich letzten Endes doch nur an Altbewährtem aufhängt und damit eine gewisse konservative Schlagseite offenbart. Man zeigt sich damit nicht offen genug für neues oder gar experimentelles. Zum anderen liegt das aber auch am Material selbst: an nicht wirklich gelungenen Outputs der verschiedenen Interpreten, die entweder versuchten – auf Teufel komm raus – so originell und neu wie möglich zu klingen, oder eben noch nicht einmal den alten, guten Status Quo halten konnten.

Das hört sich nun schlimmer an, als es tatsächlich ist: die aktuelle Platte der Junior Boys beispielsweise ist alles andere als schlecht. An die Vorgänger kommt sie aber keineswegs heran. Zu uninspiriert und unausgegoren war der Eindruck, den »Begone Dull Care« zumindest bei mir hinterließ. Auch Hot Chips neueste Veröffentlichung zeugt von musikalischer Finesse, fällt aber weit hinter die nach dem letzten Album gesteckten Erwartungen zurück, weil man sich zu sehr auf den Dancefloor einließ und mit allerlei Bolloparts aufwartet.

Umso angenehmer tritt da jemand auf den Plan, dessen Name in besagtem Metier noch weniger bekannt zu sein scheint. Der junge Däne mit dem prägnanten Namen Troels Abrahamsen hat es mit seinem Debutalbum geschafft, ein nicht nur kurzweiliges, sondern sehr deepes Album vorzulegen, das neben all der durchgängigen Konstanz und unterschwelligen Melancholie auch Hits vorzuweisen hat, die in den urbanen Clubs durchaus ankommen können.

Glücklicherweise ist Abrahamsens Solowerk im Gegensatz zu manch anderen etablierteren Acts aber eben keine Mischung aus Kurz‑ und dann Langeweile, sondern formt sich nach mehrmaligem Hören zu einer Einheit von eigenständigen Tracks, deren Lyrics von Sensibilität und Consciousness zeugen: mit »Switch it off« ist Abrahamsen eine der schönsten und zugleich traurigsten Liebeserklärungen der letzten Zeit gelungen. Und so bietet »WHT« also eine variable und sympathische Bandbreite, die irgendwo zwischen technoidem Minimalismus, poppigem Electro und bassigem Indietronic liegt, über denen Abrahamsens leicht düsterer Gesang vorzüglich eingesetzt wird – wie man es eben von den üblichen Verdächtigen aus Skandinavien kennt.

Troels Abrahamsen zeigt, dass Erwartungen an altbewährte Bands nicht immer per se positiv projiziert sein müssen. Stattdessen lohnt es manchmal, sich auf Neues einzulassen. Immerhin ist Entdecken und Ausprobieren auch eine ganz schöne Angelegenheit.


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken

Technorati Facebook Twitter Myspace Del.icio.us Digg Last.fm 

  1. IdrawESCAPEplans 15.08.2009 / 12:07 pm

    wirklich ein wunderschönes album

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Do it herself!
  • Pink Rabbit
  • Audioarchiv