Workers Etiquette Manual »The Haves Vs. The Have-Nots«

Von Oli

»Schöner Bandname – verdächtiger Plattentitel« waren meine ersten Gedanken zu dieser Veröffentlichung. Und Hardcore aus Hamburg hab ich lange nicht mehr gehört. Also her mit der Scheibe!

Ich war recht schnell von der Qualität dieser Band überzeugt, die spielen ziemlich genau den HC, den ich mag, wenn ich mal keinen Punkrock hören möchte. Ein gutes Gefühl für angemessene Songlängen, ’ne fette Gitarrenwand kombiniert mit zackigem und gut synkopiertem Schlagzeugspiel, dazu bohrender Bass und glücklicherweise Geschrei aus 3 Hälsen – der Sänger wäre mit seinen ständig wiederkehrenden Betonungen sonst auf Dauer mit Sicherheit etwas langweilig. Das Ganze erinnert mich an die legendären Erosion – die ja auch da bei Hamburg irgendwoher kamen. Aber statt dieser Referenz vergleicht sich Workers Etiquette Manual lieber mit Helmet, Unsane, Black Flag und Bad Brains und besteht aus ehemaligen Musikern von Rostok Vampires, Bandog und Miozän.

Wenn ich jetzt noch dazu erzähle, dass das Album im Juli 2004 als full-length (31min) Debut erschienen ist, habe ich nahezu alle beigelegten Informationen verarbeitet und außerdem die Frage aufgeworfen, warum denn dieses Review erst so spät erscheint. Ganz klar: diese Platte ist ein Winteralbum. Von guter Laune wird weitgehend abgelenkt. Genau das Richtige im tragbaren Musikabspielgerät wenn man im Dunklen bei Regen nach Arbeitsschluß auf den Bus wartet.

Textlich geht es nämlich auch viel um Arbeiten. Leider auf der verdrängenden und sogar gewalttätigen Blöde-Chefs-Schiene: »the haves will get what they deserve and we destroy what they preserve« »you better watch out the have-nots«. Aber gerade in diesem titelgebenden Song scheint der Texter keine eigenen Ideen gehabt zu haben und hat sich deswegen einfach so ein paar Phrasen zusammengeklau(b)t. Dafür spricht vor allem die Zeile »real eyes realize real lies«, die Machine Head als kompletter Text für einen erstklassigen Song genügt hat.

Wie dem auch sei, ich will hier jetzt nicht noch 10 % Nationalisten in Sachsens Landtag mittels Anti-Bonzen-Kampagne auswalzen. In dem nicht titel‑ sondern namengebenden (oder auch –nehmenden) Song »workers etiquette manual« wird auf jeden Fall klargestellt, dass Lohnarbeit fiese Scheiße ist.

Die anderen Texte sind durchaus freundlicher, d.h. sie handeln eher von Problemen, die eigentlich jeder hat. Und eines steht fest: diese Platte hat was und steht damit versus all dem nichtshabenden Krempel der sonst in diesem Sektor veröffentlicht wird.


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