Von Sebastian
Langsam drehen wir unsere ersten Kreise. Etwa drei Jahre dauert es also – die hauseigene Aufwärmphase nicht mit eingerechnet – bis Bands ein weiteres Mal auf dem kulturindustriellen Schaukel-Karussell begeistert vorbei huschen und aufgeregt winken. Jetzt wird es doppelt interessant. Nicht nur, dass einige MusikerInnen mittlerweile neue Alben vorgelegt haben und wir an ihnen und uns eine gewisse Entwicklung ablesen können – man bekommt zudem das Gefühl, dass die manchmal etwas anstrengende Tätigkeit ein Elektro-Fanzine rauszubringen über durchaus schöne Seiten verfügt. Eine davon besteht aus dem Privileg, Yucca bereits zu kennen. Ich bezweifle, dass das viele Leute von sich behaupten können und ohne Beatpunk wäre es mir nicht anders gegangen.
Aber weil das wegen der runden Veröffentlichung und des bedauernswert grobmaschigen Pop-Kanons ein Jammer ist, wird sich diese Rezension alle Mühe geben, diesem Umstand abzuhelfen. Wenigstens ein bisschen.
Sie sind bisher nicht gerade mit viel Aufmerksamkeit gesegnet. Vielleicht liegt es daran, dass ihnen ein promokräftiges Label im Rücken fehlt oder aber, dass die starken musikalischen Anleihen zu den Robocop Kraus ein Gähnen in den einschlägigen Redaktionsstuben hervorruft. Doch wäre das schon fast sensationell, ist man üblicherweise ja nicht verlegen, noch dem drittklassigsten Ripp-Off, der nach einer angesagten Band klingt, ein temporäres »Ohne-kann-man-nicht«-Hohelied zu dichten. Dass das Leben aber dennoch weitergeht, wie ein Philosoph des Ballsports einmal feststellte, wird wohl nirgends in der Brutalität gleichsam in Abrede gestellt und exerziert, wie in den Amüsierbetrieben der Popmusik. Die Platte des Monats gerät zu einem historischen Ereignis, das sich im Turnus der Veröffentlichungen aufs Neue nur mit ausgewechseltem Objekt aktualisiert. Geschichte wird im Pop immer geschrieben und damit letztlich nie.
Aber ich schweife ab. »Quick, Let’s Beat It« ist kein Album, das ästhetisch an den gängigen Maßstäben sägt, aber eines, das man den Hörgewohnheiten durchaus als Exemplar des Besseren zuführen kann. Bereits bei der Vorgänger-EP »Radio Controlled« durfte man sich über ein tolles Songwriting erstaunt zeigen, auch wenn die Platte hier und da noch ein wenig schwachbrüstig daher kam. Zum Beispiel sah das Cover absolut schrecklich aus, nur musste das wegen der Bedeutungslosigkeit für die Musik nicht weiter interessieren. Wichtiger war da schon der zu offensichtliche Link in die musikalische und geografische Nähe der Robocop Kraus.
In beide Richtungen hat sich einiges getan. Dass die neue, komplett in Eigenregie entstandene CD nunmehr äußerst hübsch drein schaut, kann man an dem oben links stehenden Bildchen unschwer erkennen. Musikalisch fällt besonders der verstärkte Einsatz von Synthezisern auf. Sie zerschneiden gekonnt die Gitarrenläufe und packen die Schippe Eigenständigkeit aufs Rost, die Yucca bislang gefehlt hat. Elektroider und mehr 80er-like als ehedem, lebt ihr Rock-Rave-Shit nach dem Weggang des alten Sängers zudem durch die Neuvergabe der Stimme. Die teilt sich nunmehr gleich auf vier Hälse auf.
Zu wünschen ist Yucca, wonach immer ihnen ist. Vielleicht einen guten und fairen Plattendeal, ein Haufen toller Konzerte und natürlich ein riesengroßes und freundliches Publikum. Verdient haben sie es.
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