Navigation

Herman the German

Von Chris

Man kennt die alte Leier, die immer wieder dann aufgezogen wird, wenn die Landsleute, v.a. jene aus der Tätergeneration, versuchen auch nur einen Funken Positivität aus der Nazi-Vergangenheit zu schlagen, um sich vor sich selbst und dem Rest der Welt zu entschulden und der kollektiven Psychose etwas vermeintliche Rehabilitation zu verschaffen: dann werden die Autobahnen angeführt oder die Abschaffung von Arbeitslosigkeit.

Und überhaupt: so schlecht stand es auch nicht um die Erziehung, bei der wenigstens auf Dinge wert gelegt wurde, die ein jeder auch heute noch in seinen ganz persönlichen Habitus aufzunehmen hätte. Unter den Teppich kehrt man damit wissentlich, dass es eben diese Dinge waren, derer die Einrichtung und das Funktionieren der Konzentrations‑ und Vernichtungslager bedurfte. Die Tugenden und Sekundärtugenden wie Anstand, Ordnung, Disziplin und Ehre hielten den barbarischen Laden in Betrieb.

Nun hat es eine erwischt, die wohl stellvertretend für die unheimliche Melange Deutschlands den Kopf hinhalten muss. Der Fernsehmoderatorin , die kürzlich mit ihrem selbsternannten Kreuzzug gegen Frauenemanzipation und Lotterleben und für ein Herdplattendasein und ordnungsgemäßes Frauchentum für Furore sorgte, ist von ihrem bisherigen Arbeitgeber NDR gekündigt worden. Der Grund waren allzu markige Worte über die NS-Zeit, die streng nach dem eingangs beschriebenen Muster in die gleiche Kerbe schlugen, wie es die des Ottonormalvergasers mit fortgeschrittenem Alter oder gewisser lokaler Anbindung bisweilen häufiger tun.

»Es durfte nichts mehr stehen bleiben«, wird Herman im Bezug auf die im NS-Faschismus in der Bild am Sonntag zitiert – gerade so, als ob ein allzu trauriger Unterton den Worten beigefügt wäre. Sicher: »Es war eine grausame Zeit« weiß auch Herman, die damit zum großen »aber« überleitet: »aber es ist damals auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft.« Für positive Errungenschaften des hält die Ex-Moderatorin also das Hilfswerk Mutter und Kind, die NS-Frauenschaft und ihr , die Gebärmaschinen für den Führer und die ganze bunte Volksgemeinschaft. So muss sie verstanden werden und das bedeutet es auch, wenn sie die Wertschätzung für die arische Mutter und die arische Familie hervorhebt. Die 68er hätten diese Wertschätzung abgeschafft und somit für »gesellschaftlichen Salat« gesorgt, zitiert sie der Spiegel.

Doch damit kein Ende der Herman. Letztens wurde sie von und bei Johannes B. rausgeschmissen, weil sie kein Stück von ihren Positionen abgewichen ist. Abgesehen davon, dass weder Studiogäste, noch eine gute Figur in der Diskussion mit abgaben, zeugt das Weisen der Tür zumindest von einem Hauch Restvernunft. Wenngleich die Frage erlaubt sei, warum man ihr selbige mit einer Einladung in die TV-Sendung für ihren Müll überhaupt aufschloss.

Herman wiederum konterte den kalkulierten Fernsehskandal im öffentlich-rechtlichen Programm nach altbewährtem Muster: Schuld sei der Gastgeber (will heißen ). So, wie eben in verschwörunspathologischem Kurzblick immer schon die anderen Schuld waren, wenn es um das Thema und dessen »Aufarbeitung« geht. Erst waren es die Alliierten der Entente, die Deutschland 1918 viel zu hohe Reparationszahlungen aufbürdeten und damit die Nazis begünstigten. Dann war es Hitler, der alte Verführer und immer schon waren es die Juden, die sowieso Schuld an allem Übel waren und sind, das über Deutschland hereinbrach. Letzteres halluziniert man sich lieber hinter vorgehaltener Hand.

aber spricht gerne aus, was viele nur denken. Verwundern kann das nicht: wer so lange während der Tagesschau immer nur vom Blatt ablesen musste, was einem von anderen vorgesetzt wird, kann schon einmal in Gefilde abrutschen, die auf ihre unheimliche Art und Weise zeigen, wie die Uhr nunmal tickt. So wurde also zur freiwilligen Volksempfängersprecherin. Nicht nur um sich in der Diskussion zu halten, sondern nebenbei die schwammigen Wölkchen der eigenen Ideologie am Himmel aufziehen zu lassen, damit doch noch ein Funken Positivität aus der nationalsozialistischen Massenvernichtung geschlagen werden kann.


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken

Technorati Del.icio.us Digg Yigg Mr.Wong Webnews Netselektor Blogmarks Linkarena Newsvine 

  1. Mansarde 72 19.10.2007 / 7:22 pm

    Fünf Absätze voller Hass…

    Wisst Ihr, was für einen Hessen die schwerste Beleidigung ist? Das: Wenn man ihn „Hasse“ ruft. Das Wort „Hasse“ ist ein Konglomerat aus Hase, Hesse und Hass und wurde zuerst im 16. Jahrhundert gehört. Als Wortschöpfer gibt die ältere Litera…

  2. besserscheitern 21.10.2007 / 9:32 am

    Bei Texten zur Hermann kommt bei mir immer eine Abgegessenheit auf. Nicht weil ich Beatpunk nicht schätze, sondern weil die Hermann so unsäglich ist, war also die Vorfreude beim Anklicken nicht besonders groß. Über die gibt es und das macht der Beitrag ja auch gut deutlich nicht viel skandalöses zu schreiben.

    Sie ist unter aller Kritik, aber sie bleibt dennoch ein Gegenstand der Kritik. Interessierter war ich da am Trackbacklink und wenn man sich noch zweimal weiterklickt kommt man hier raus:

    http://eva.opponent.de/

  3. blitz the fritz! 22.10.2007 / 3:29 pm

    so wirklich abgegessen ist die herman wohl nicht. das zeigt etwa die aktuelle ausgabe des stern, der mit ihr unter der headline »die nazifalle« titelt. interessant und leider in dem artkel von chris unberücksichtigt blieb die in dem heft abgedruckte forsa-umfrage zu deutschen befindlichkeiten, deren befragung hier ja eigentlich angekündigt war. jeder vierte deutsche – so der stern – finde am NS positive aspekte. shocking.

  4. Chris 22.10.2007 / 4:19 pm

    dann danke ich blitz the fritz! mal für den hinweis im bezug auf die forsa-umfrage.

  5. Sara 27.10.2007 / 9:27 pm

    ist es nicht fad in die selbe kerbe zu schlagen wie alle anderen ohne sich um die fakten zu kümmern?

    so kritisierenswert und unmöglich ich hermans einstellung finde…hast du die fernsehsendung gesehen?
    wie die anderen zitierst auch du sie falsch (wie gesagt – halte gar nichts von ihrer einstellung aber sie hat NICHT den Nationalsozialismus verherrlicht (zumindest nicht im zusammenhang mit den sätzen die du zitierst!) und was in dieser sendung abgeht finde ich noch um einiges abscheulicher als hermans ansichten selbst)

    hier der link zum ersten teil (von sechs) der sendung (ist echt sehenswert was da abgeht – unglaublich…)
    http://www.youtube.com/watch?v=iWhCEdzN-_Q

    und hier ein guter und (meiner meinung nach) treffender kommentar dazu:
    bei Nichtidentisches

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Communique1
  • Kittkritik
  • Found Magazine