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Im Tod sind alle gleich

Von Chris

Eine notwendige polemische Nachbetrachtung der Einweihung des -Mahnmals in . Von Chris.

»Es lebt sich jetzt leichter in diesem Land«, so zitierte Lea Rosh, eine der Hauptinitiatoren der Bürgerinitiative des Denkmals für die ermordeten Juden Europas, – von Berufswegen eingebildete Jüdin – ihren Mann bei der Einweihung des -Mahnmals durch allerlei betroffene Deutsche. Seit Jahren schielten die Verfechter eines nationalen Denkmals gen USA und Israel, so dass man fast das Gefühl bekommen konnte, sie täten dies aus Neid. Besonders Israel schien es den Verantwortlichen zur Restaurierung der eigenen Geschichte angetan zu haben, war doch deren kollektives Gedenken derMehrheit hierzulande immer schon ein Dorn im Auge. Doch nicht nur die Missgunst über die Möglichkeit des kollektiven Gedenkens in Israel rief die Initiatoren großteils deutscher Herkunft auf den Plan. Es sollte auch um den Ursprung der Erinnerung an das vollzogene Menschheitsverbrechen gehen. Die Erinnerung an den , den sich die Deutschen nur allzu gerne patentieren lassen würden, lässt man sich nicht so gerne nehmen (schon gar nicht von den USA), schließlich ist diese zu aller erst deutsches Eigentum, das auf fremden Boden nichts zu suchen hat. Dabei wird immer wieder gerne vergessen, dass ohne deutsche Vorarbeit die Mahnmäler in Übersee gar nicht erst nötig geworden wären.

Gerade so, als hätten die Deutschen erst benötigt, um wieder eine richtige Nation, ein ganzes Volk zu werden, sprach Bundestagspräsident Thierse vom Schuldbekenntnis eines ganzen Landes bei seiner Eröffnungsrede am 10. Mai 2005 vor allerlei prominenten Gästen aus aller Welt. Vor allem pries er das unbeirrbare, störrische Engagement der Verfechter für das - und verwies damit, ob unwissentlich oder nicht, auf die Koexistenz von guter Absicht und dem Geist des Vernichtungsapparates, der einst genau so unbeirrbar und störrisch im millionenfachen Mord an den europäischen Juden kulminierte und wohl seine Opfer noch überleben wird.

Als großer Triumph, da waren sich alle Organisatoren während der Einweihung zwei Tage nach dem zivilgesellschaftlich begangenen »Tag der Befreiung vom Hitler-Faschismus«, einig, muss dieses Zeichen des guten Willens, dass die Täter nun doch endlich stolz ihren Opfern ein Denkmal gebaut haben, gewertet werden. Die nationale Verantwortung, von der Eberhard Jäckel, einer der anderen Initiatoren des -Mahnmals, schwadronierte, kann nun getrost und endlich übernommen und mit der richtigen Motivation erledigt werden. Lea Rosh, die es schon immer gut mit den Juden meinte und diese damit von vorne herein als Opfergruppe par exellence auserkoren hatte, fuchtelte in gnadenlos moralischer Manier mit einem Backenzahn eines in den Gaskammern von Belzec ermordeten jüdischen Häftlings umher, was an sich schon ein Umstand ist, der die ausgemachte Sensationsgeilheit der Hauptinitiatorin der Bürgerinitiative für das bessere Deutschland auf schreckliche Art und Weise vor Augen führt, während sie immer wieder – dann allerdings ganz ohne Betroffenheit – sich selbst und ihre Mitstreiter über den grünen Klee hinaus lobte. Als Kritik der jüdischen Gemeinde kam, die Lea Rosh völlig zu Recht kulturindustrielle Medienwirksamkeit und Pietätlosigkeit vorwarf, wiegelte sie diese als »unmöglich« ab und empfahl der jüdischen Gemeinde und dem Zentralrats, sich »das nächste mal besser zu informieren«. Nur gut, dass wenigstens Fr. Rosh über jüdisches Leben Bescheid weiß.

Das für die ermordeten Juden Europas befindet sich nun in der Nähe des Brandenburger Tors, dem Wahrzeichen des vereinten Volkes, das jetzt neben selbigem Symbol der deutschen Einheit eine neue nationale Kuschelecke verzeichnen kann. 60 Jahre nach der bewaffneten Niederschlagung Nazi-Deutschlands wird aus der Erinnerung jener, die sich nur widerwillig von den Alliierten befreien ließen, eine kollektive Selbsttherapie, dessen erfolgreicher Versuch, die Juden unter ihre Vormundschaft zu bringen nun vollends geglückt zu sein scheint. Deutschland darf nun wieder geläutert sein, die normale Betriebsamkeit der gesellschaftlichen Einheit, unter Deutschen immer schon gerne Volk genannt, ist auf bestem Wege, wieder zu alter Form aufzulaufen. Die gesellschaftliche Erinnerung an die Shoa, dessen momentaner Ausdruck das - in darstellt, gleicht einer Betroffenheitsgala mit Hang zur Selbstbeweihräucherung, hat es diese doch ermöglicht, sich als geläuterte Nation zu präsentieren, um im gleichen Atemzug daraus resultieren zu lassen, dass es in Deutschland nicht nur Täter, sondern vorwiegend Opfer gab.

Wenigstens Paul Spiegel, der am 10. Mai 2005 zwischen Selbstabfeierung, Betroffenheit und guter Miene all jener Vernichtungsgewinnler als einer der wenigen glücklicherweise die richtigen Worte fand, formulierte es treffend: die Deutschen haben sich selbst ein gebaut. Die Täter und deren Motive kommen nicht vor, stattdessen wurde das Bild der Opferrolle der Juden in Beton gegossen und damit für Jahrhunderte in der Banalität eines Denkmals, das die Monstrosität des Menschheitsverbrechens in keiner Weise angemessen darstellen kann, zementiert. Den Deutschen kann´s recht sein. Nun haben sie ihren anschaulichen Schlussstrich und dürfen der Welt getrost zeigen, dass sie wegen um eine Erfahrung und ein reicher sind. scheint trotz allem doch noch gut für Deutschland ausgegangen zu sein. Selbstbestimmt und selbstbewusst soll die Zukunft gestaltet werden, da kommt einem als Alibi für seine eigenen Worte das - gerade recht.

Und weil der Massenmord, den die Deutschen schon immer lieber Völkermord nannten, bekanntlich nicht nur ein Mord an Massen, sondern durchaus auch einer von Massen war, ist die Intention des -Mahnmals ein neuer Versuch, nun auch in der Erinnerung die Massentauglichkeit zu bewahren. Das »Wir« von damals soll hinübergerettet, der Wunsch nach kollektivem Gedenken erfüllt werden. Lieber ein Land der Täter, als gar keins lautet die Quintessenz der Gesellschaft, wenn sie anfängt von deutscher Schuld zu reden. So wird aus der Erinnerung an die ermordeten Juden eine kollektive Selbsttherapie. Das Verlangen nach einem Denkmal wird zum völkischen Bekenntnis. Tote Juden sorgen für den Kitt des völkischen Plurals, der sich vor noch gar nicht allzu langer Zeit am lebenden Juden austobte. So konserviert man sich die alte Volksgemeinschaft zur Erinnerungsgemeinschaft. Das Deckmäntelchen heißt heute eben Zivilgesellschaft. »Dieses kann man nicht kollektiv begehen« wusste Wolfgang Thierse bei seiner Eröffnungsrede. Die Deutschen werden aber genau dies machen.


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