Von Elfenelch
Das Licht brach sich in der zerborstenen Scheibe der alten Standuhr, die ungefähr in der Mitte seines Büros, gerade gegenüber dem Fenster so stand, dass der Kommissar sie aus jeder Richtung sehen konnte. Ihr Tick-Tock brüllte in den Raum. Warum hatte er sie nicht gleich zu Beginn seiner Amtszeit zusammen mit dem ganzen anderen Krempel aus dem Fenster seines Büros geworfen? Dann hätte er jetzt wenigstens Ruhe gehabt, doch die Möbel waren über die Jahre zu einem Teil des Kommissars geworden und Fenster hatte sein Büro auch nicht.
Am nächsten Morgen kam er auch schon in Tel Aviv an. Mürrisch stieg er aus dem Flugzeug und schlug auf dem Weg nach draußen ein paar Sicherheitsleute, die nicht schnell genug flüchten konnten, nieder. Was war geschehen? Warum liefen das Sekretärinnen und der verschrumpelte Rest seines Teams so vorsichtig, sich ständig umschauend, hinter ihm her? Der Tomatensaft im Flugzeug auf den er sich schon so gefreut hatte war nicht frisch gepresst gewesen. Ein paar Stewardessen bezahlten das mit ihrem Leben. Oder wer weiß – man hat ja schon von Leuten gehört, die einen 10000 Meter Sturz überlebt hatten. Sein Schlagzeuger (jedenfalls bis zum nächsten Abenteuer, bei dem sich herausstellt, dass er…) jedenfalls nicht! Er befand den Tetrapack Saft für zureichend und segelte aus der Luke, hinter sich noch das aufgebrachte Schnauben des Kommissars vernehmend, schlug der Arsch auf! Sollte doch der andere Typ, den der Kommissar immer Hans nennt, Schlagzeug spielen…
Der Kommissar ist ein sehr nachtragender Mensch aber als er die für ihn bereitgestellte Luxus-Gelände‑ Limousine, welche vor dem Gebäude auf ihn wartete, erspähte, beruhigt er sich und ließ es sogar zu, dass sein Team mit zur Wohnung fahren durfte! Ja Kinder ihr habt Recht, ein Mann von solcher Größe, Anmut und Viskosität verdient eigentlich ein 6 Sterne Hotel oder sogar etwas Besseres…
Die Wohnung in der schon ein paar israelische Sonderagenten (ungefähr 35 auf 12qm) eingezogen waren gefiel ihm trotzdem sehr gut. Sie war idyllisch an einer Haupteinkaufsstraße gelegen und vom Balkon aus war es ihm möglich, das »Wichtigste« zu observieren.
Nach 20 Minuten Schlafhaltung, die der Kommissar immer wach absolviert, war er wieder topfit. Ja sogar so fit um schon eine erste Stadtbesichtigung zu wagen. Der Rest seines Teams schlief natürlich noch. Da geschah es, als er gerade den ersten Schritt vor die Türe hinaus auf die Straße gesetzt hatte, dass er über einen M16-Gewehrlauf stolperte. Noch im Flug drehte sich unser Held um und verpasste jedem Umstehenden einen Satz blaue Ohren. Wild fluchend stieß er sich vom Boden ab und schnellte wie eine Art modifizierte Skatrakete empor. Hier kürze ich ab, ja es ist in diesem Land normal, wohl aus verständlichen Gründen, das man an jeder Ecke Knarren sieht, große, kleine, große, kleine… Ach lasst euch doch die Situation mal vom Antideutschen eures Vertrauens erklären oder lest mal ein gutes Buch darüber, denn das hat mit dem Fall nichts zu tun…
Nach einem achtstündigem Spaziergang kam KX (wollen wir ihn der Einfachheit von nun an so nennen, auch wenn ich weiß, dass mich das meinen Kopf kosten wird) gerade richtig, um in den Hummer zu steigen und zum ersten Tatort zu fahren, wo er sofort die Ermittlungen begann, indem er alles anschrie, was vor seine Nase kam. Das ist oft das erste was er in solchen Situationen tut. Ansonsten nur der übliche Menschenhaufen, für den Mann mit dem Zauberfinger nichts besonderes. (nähere Informationen zu diesem Fall sind dem beigefügten Bildmaterial zu entnehmen – Tel Aviv 26.02)
Am Abend des nächsten Tages wurde der Kommissar völlig unkosher in eine Art Drogenhochburg verschleppt. Er bekam in der Kibuzbar heimlich einen vollen Benzinkanister unsanft auf dem Kopf abgelegt. »Da spiel ich doch mal mit!« dachte er sich und tat so als ob ihn das störte. Uraaaarrrrgggg und Holdrio – der Kommissar fiel, mit einer schauspielerischen Meisterleistung die nicht mal Charles Bronson (bekannt aus Film und Rundfunk, den Kommissar meine ich) überbieten könnte, zu Boden. Mehre Personen, die mehr Gorillas als Menschenaffen glichen, schleppten ihn in die besagte Hütte, wo schon OH-Death auf ihn wartete und den Rest des Teams (das einfach mitgekommen war, weil ihnen langweilig war ohne ihren Meister) in völlige Extasse rauchte! Besonders fiel hierbei das Sekretärin auf, das sich schützend vor seinen Herren warf, um noch mehr von dem geheimnisvollen Rauch abzufangen. KX, der gefesselt auf eine Schraube, das Ganze belustigt mit ansah, wusste schon genau, wie er sich rächen würde. Die Geschichte seiner Befreiung ist zu hart für Personen die nicht so eine hochwertige psychologische Ausbildung wie KX genossen haben.
Meister X sammelte so viele Menschen wie nur möglich um sich und fiel in die Bar von OH-Death ein, der sich noch vom Schrecken der letzten Nacht erholte. Die Meute hat einfach alles aufgegessen, was da war und verzog sich ohne zu bezahlen. Doch das bekam der OH nicht mehr mit. Er lag schon verpackt nach deutschem Reinheitsgebot im Kofferraum seines Wagens. Bis zur Mitte des Sees würde er ungefähr 20 Minuten brauchen, zu Fuß und dem schweren OH vielleicht 21.
In 12 Minuten erreichte er die Mitte und versenkte den unliebsamen Gegner. Da das aber nun gegen internationales Recht verstößt, tat er dies nur ein bisschen – lediglich den Kopf. Auf halbem Rückweg erinnerte sich KX, dass auf diesem besonderen See schon mal wer gelaufen war. Vor Scham liess er sich ins Wasser hinabsinken. Das Sekretärin, im knappen Badeanzug und mit frisch rasiertem Oberlippenbart, schwang sich sofort in die Fluten und zog KX heraus.
Irgendwann darauf stieg KX von seiner Taxischwalbe ab und sah erstaunt die Stadtmauern von Jerusalem. So was Schickes würde er für sein Büro auch in Auftrag geben, sollen die doch sehen woher sie die Gelder nehmen. Wenn sich das bis zu seiner Ankunft nicht geklärt hätte, würden Köpfe rollen.
Der Rest ist Geschichte.
Arbeit ist immer noch die wärmste Jacke, dachte sich der Kommissar, spuckte in die Hände (des Sekretärins) und begab sich zu seinem zweitem Fall im Jellow Submarine, Jerusalem. Die Beteiligung war mehr als lausig! Nur 37 Zeugen hatten sich eingefunden, darunter aber auch eine voll bewaffnete Soldatin. Vielleicht ist auch das der Grund, warum unser sonst so menschenfreundlicher KX, die Bühne äh das Büro diesmal nicht verließ? Wer weiß? Er weiß!!!
Trotz allem – die Ermittlungen liefen wie am Schnürchen – der Abend war quasi BOMBE. (nähere Informationen zu diesem Fall sind dem beigefügten Bildmaterial zu entnehmen – Jerusalem 02.03)
KommissarX KommissarX KommissarX KommissarX KommissarX
Haifaaa, Haifaaa…
an diesen lustigen deutschen Schlager der vorzeige Musikgruppe Scooter, musste der Kommissar schon denken, als er in die besagte Stadt zum nun schon dritten Fall fuhr.
Dieser Abend versprach etwas Besonderes zu werden. Nicht nur die SM-Show, die im Nebenraum stattfinden sollte, sorgte für feuchte Lefzen, auch dass KX gleich am Eingang gefragt wurde ob er denn auch einen Hit von Rammstein zum besten geben würde, ließ sein Herz froh jauchzen. Leider brauchte die Spurensicherung an diesem Abend so dermaßen lange, das KX erst sehr spät das Feld betreten konnte. Er wütete und stürmte so über die Bühne, äh das Büro, dass dem Tontechniker die Sache zu heiß wurde und dieser kurzerhand die Mikrofone ausschaltete und erst nach einiger Diskussion wieder frei gab. Um den Abend noch zu retten, stimmte er nun wirklich den Hit Rammstein von der gleichnamigen Band an. Doch nicht einmal das half noch! Die Luft war raus und KX verliess die Bühne/Büro (trotz allem unter tosendem Applaus) um wenigstens noch den Rest der besagten SM-Show zu sehen. Mit einem Blick, wie ihn nur die besten Kriminalisten können, stellte er fest, dass das nichts für ihn ist und er war weiter traurig. Spät nachts peitschte sich KX selbst aus und seine Tränen vermischten sich mit Blut…
Der letzte Fall erforderte eine besondere Tarnung. Also schnell den Schminkkoffer für 7.99 Schekel ausgepackt und ein paar lustige Bildchen auf die Haut gemalt. Da es auch noch warm war reichte ja die Badehose, außerdem konnten die Leute so den prachtvoll gestählten Körper des Kommissars besser bewundern. Es war schwer, das Büro zu erreichen, denn schon als er die Tür öffnete, rollten ihm Menschenmassen entgegen. Der Tatort war übervoll mit Schaulustigen, die noch schnell ein Bild des Kommissars erhaschen wollten, bevor er wieder nach Deutschland zurück fliegt. Da hatten sie sich aber geschnitten. Geschickt wie eine Eule schlängelte sich KX ins Büro und rastete völlig aus. Der Fall war in Rekordzeit gelöst, so schnell, dass er ihn gleich noch mal löste, nur so zum Spaß.
(nähere Informationen zu diesem Fall sind dem beigefügten Bildmaterial zu entnehmen – Tel Aviv 04.03)
Noch bevor KX die Augen auftat, hatte er diesen schwarzen Tag schon komplett vor seinem geistigen Auge ablaufen lassen. Er würde aufstehen, müde auf das Einhorn steigen, das Sekretärin an der Satteltasche fest machen und gen Totes Meer reiten. Sein Team würde ihm (mit respektvollem Abstand natürlich) folgen, bis sie das besagte Meer erreichen würden. KX unternahm wirklich alles, was er bei der Polizeiausbildung in Sachen Notfallmedizin gelernt hatte, doch das Meer blieb stumm…
Er sah sich traurig nach Hause reiten und das Schlagzeugmonster nach oben gehen, wo es mit fiesem Grinsen auf Katzenbabys rumtrampelte bis eins von ihnen tot war.
Doch es kam ganz anders, nämlich genau so, nur dass die Farbe des Hornes vom Einhorn eine andere war. Was erwartet ihr denn? So ein Kommissar ist nur zu sieben Zehnteln mit Weissagekraft ausgestattet. Der Rest sind Muskeln!
Die Heimreise trat der Kommissar fröhlich zu Fuß an. Er machte auch einen Umweg über Spanien, wo er von einer, vor Ehrfurcht zitternden Bäuerin eine Wagenladung frische Tomaten, ihre beiden jüngsten Söhne und einen furchtbar entstellten Esel geschenkt bekam.
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