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»4 Jahre Besetzt« – Fest

Von Brigate

15.04. – 17.04.//,

Die Erfurter Firma Topf und Söhne stellte im Nationalsozialismus Krematorien her und belieferte u. a. auch das Vernichtungslager Auschwitz damit. In welchem Verhältnis dabei reiner Opportunismus, nationalsozialistische Überzeugung und deutsches Pflichtbewusstsein zueinander stehen soll hier nicht geklärt werden, am Ende des Artikels finden sich einige Links zum Thema. Seit der Wendezeit wurde das Gelände nicht mehr genutzt bis es im April 2001 teilweise besetzt wurde. Den BesetzerInnen ging es dabei sowohl darum, sich selbstverwaltete Räume für ihre politischen, sozialen und kulturellen Aktivitäten zu schaffen, als auch darum, die Geschichte des Geländes als Täterort des Nationalsozialismus zu thematisieren. So gibt es neben Konzerten und Partys auch Lesungen und Vorträge. Das Gelände wurde in einem Rundgang historisch erschlossen.

Vom 15. bis zum 17. April fand in ein aus Anlass des vierten Geburtstages des Besetzten Hauses in der Rudolstädter Strasse statt. Bisher habe ich noch jedes Hausfestival besucht und habe da schon einige tolle Konzerte gesehen. Na klar musste ich dieses mal auch wieder hin. Noch mehr als sonst stand dieses mal aber das »Große Wiedersehen« auf dem Programm, was daran lag, dass das diesjährige line up etwas hinter den früheren zurückstand. 2002 beispielsweise habe ich gesehen und letztes Jahr spielte die Räuberhöhle. Diesmal war es vielleicht ein bisschen hardcorelastig (ich bin aber auch sehr mäkelig!) Ich habe mir, um ehrlich zu sein, keine Band länger als 2 Minuten am Stück angesehen. Darüber werde ich also nicht viel schreiben können. Freitag abend bin ich so gegen 11 ins Haus geeiert. Es gab ein paar Konzerte und eine Feuershow. Nachdem ich ein paar Stündchen gequatscht hatte bin ich wieder nach Hause, ich war nämlich ziemlich knülle.

Am Samstag hiess es zeitig aufstehen, denn NPD und freier Widerstand hatten beschlossen, von 11 bis 15 Uhr auf dem Anger mit einer Kundgebung zu nerven. Im Gegensatz zu vergangenen Naziaktionen in der Blumenstadt, bei denen die vor demokratischen Werten nur so strotzende Erfurter BürgerInnenschaft, nicht zuletzt der kundigen Empfehlung ihres Stadtrats folgend, dem »braunen Spuk« noch mit »Ignoranz« (TA-Zitat) begegnete, war die Zivilgesellschaftsquote diesmal deutlich höher anzusiedeln. Sogar die Erfurter Rhönradmäuse rollten vor dem Einkaufszentrum Anger 1 gegen den Nazismus auf und ab, blieben aber zum Glück friedlich. Der polizeiliche »Übereifer« entlud sich an der näher an der Nazikundgebung stehenden Menge, aus deren Mitte engagierte BürgerInnen eine ungeheure Menge Eier u. ä. auf die ca. 60 Nazis warfen. Kurzerhand schickte die Polizei zwei Wasserwerfer auf den Platz und so durften auch diverse Abgeordnete einmal erleben wie einem das engagiert-sein gedankt wird. Naja, der nächste Thüringer Polizeiskandal. Die Nazis hatten jedenfalls keinen Spass, packten ca. 13 : 20 h wieder ein und traten bis auf die Knochen blamiert und mit reichlich Eigelb auf dem spärlich gesäten Haupthaar die lange ersehnte (und für manche unangenehme) Heimreise an.

Überdurchschnittlich gut gelaunt radelte ich am Abend wieder ins Haus. Ich muss gestehen, dass ich mir auch an diesem Abend keine Band ansah. Einmal warf ich einen kurzen Blick, als es Hip Hop gab, ein anderes mal war irgendeine Hardcoreband am Drücker. In dem würfelartigen Vorderhaus spielte auch ein Leipziger Kollege an seinem Laptop herum, allerdings stand mir der Sinn nicht so nach Musik, ich war ja bloss zum quatschen da und so sass ich mit meinem überraschend günstigen Tankstellenkaffee (0,70 €) vor dem Haus mit verschiedenen Bekannten herum und schwätzte über dies und das. (Einmal drang aus dem Vorderhaus auch ein Sample von Didi Halervordens »Punker Maria« zu uns herüber, da konnte ich mir das mitsingen natürlich nicht verkneifen!) Vor dem Haus, das am Samstag etwas schwächer als am Freitag besucht war spielten sich derweil unschöne Szenen um einen besoffenen Heini ab, der sich erst völlig daneben benommen hatte und dann seinen zu recht erfolgten Rausschmiss nicht akzeptieren wollte und fürchterlich herumblökte. Irgendwann kapierte er es zum Glück doch und zischte ab, nicht jedoch, ohne den RausschmeisserInnen noch mal zu sagen was er von ihnen bzw. Antifa im Allgemeinen hielt: »Ey holt euch doch einen runter! Oder befriedigt euch selbst!!« – zja, wer die Wahl hat, hat die Qual… Erinnerte mich auf jeden Fall an meinen derzeitigen Lieblingsspruch »Halt die Fresse du Schnauze!« Dieser ganze Blödsinn war natürlich längst vergessen, als der unsterbliche DJ Zett (hiess der so?) sein Set aus Superhits bestritt. Der konnte so ungefähr jedes Lied mitsingen! Dreams are my reality – ganz grosse Disco!!! Irgendwann gegen 6 bin ich dann schlafen gegangen.

Am Sonntag habe ich mir den Vortrag einer Historikerin über Topf und Söhne angehört. Es wird dazu eine Ausstellung geben, ich glaube zuerst im Jüdischen Museum Berlin, später dann auch anderswo. Der Vortrag war ganz interessant. Abends habe ich dann dem neuen Infoladen einen Besuch abgestattet. Wir haben uns Fussballvideos angesehen, u.a. »football factory« und eine Doku über St. Pauli – Fans, Erdnussflips-Zähne gebastelt und Ärzte gehört. Was die in den 90ern gemacht haben finde ich ja ziemlich doof, aber »Richie Guitar« ist ein guter Film und »Teenagerliebe« ein Superlied! Ein angemessener Ausklang für so ein Wochenende, ich bin schon gespannt auf das nächste Fest, auch wenn ich dann schon wieder älter bin.


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