Navigation

Black Strobe live

Von Helge

+ Räuberhöhle, Toxic Lipstick und MT Dancefloor (Saalschutz)//28.04.2006//NBI Berlin

sind aus Paris, sind heiß, machen so Techno mit düsterem Gesang, ein bisschen EBM aber ohne diese langen, schwarzen Ledermäntel und mehr auf die zwölf. sollten am gleichen Tag wie Räuberhöhle im Club 103 in der heftig gentrifizierten Gegend um das Schlesische Tor in Kreuzberg spielen.

Schon eine Woche vorher war klar, dass ich da hin muss, noch klarer war, dass ich mir die heftig gentrifizierte Gegend nicht leisten können würde, also verabredete ich mit meinem Kontaktmann in der schwulen Cosa Nostra Gästelistenplätze. Alles schien so verheißungsvoll, der Abend versprach gute Musik und Distinktionsgewinn durch Vorbeilaufen an der Warteschlange, mit irgendeinem Trug muss man sich ja von den anderen Warenmonaden abheben und wenn es nur ein lausig erschnorrter Eintritt ist.
Weil das Geld nicht reichte um sich vorher mit dem Kontaktmann in einer Kneipe warm zu trinken, schlug ich den entgegen gesetzten Weg nach Prenzlauer Berg zur Räuberhöhle ins nbi ein und das Unheil nahm seinen Lauf. Eigentlich wollte ich nur mal kurz reinschneien, Hallo sagen, jedem meine stolzgeschwollene Gästelistenplatzbrust präsentieren, ein Bandbier schnorren und dann in den Club 103 gehen. Vier dieser fünf Vorhaben realisierten sich schnell. Unter tätiger Mithilfe eines leicht genervten Teilzeitbärs gewährte mir der Einlass Preisnachlass. Aus dem Hallo sagen wurde ein unverhofftes Wiedersehen mit einer in Göttingen gelandeten Ex-Mitbewohnerin. Der Wodka kam gratis vom DJ und das nbi hat die Angewohnheit, Bier mit Pfand an ein Publikum zu verkaufen, das die Flaschen einfach stehen lässt, woraus das chronisch unterfinanzierte Feierschwein billige Trunkenheit zu generieren weiß.

So gegen eins fing die Vorband aus Köln an, deren Namen ich vergessen habe, nennen wir sie einfach Rosenstolz. Belanglose Texte und ein grauenvolles Keyboard sprachen dem Turbostaat-Shirt der Sängerin Hohn. In der Umbaupause setzte Nervosität ein. Der Kontaktmann rief nicht an. Toxic Lipstick fingen mit ihrem bleepigen Grrlnoise an, die beiden Aussies konnten trotz massivsten Körpereinsatzes das Publikum nicht überzeugen, das mit verschränkten Armen regunglos im Halbkreis um die pogenden, schreienden und grunzenden Mädchen mit den rot-weiß gepunkteten Kleidern herumstand. Gefühlte 90 Prozent Emohaarschnitt bei den Besuchern, we don´t jump at shows, kennt man ja. Ich konnte die doch sehr sehenswerte Show auch nicht genießen, weil ich in Gedanken schon bei den Dreitagebärten mit den teuren Shirts in Kreuzberg war. Aber der Kontaktmann rief nicht an. Ich rief den Kontaktmann an. Wie sieht´s aus? »Ach, das mit den Gästelistenplätzen hat jetzt doch nicht so geklappt, es gab nur zwei und wir waren mehrere, fangen in einer Stunde an, der Eintritt kostet dich zehn Euro und übrigens bin ich schon drin.«

Tausend Jahre Hass. »Na dann viel Spaß, du Arsch« fiel meinem neidgrünen Es als Antwort ein, aber das Über-Ich ließ mich nur ein völlig unwahrscheinliches »Na dann, ich komme vielleicht nach« ins Handy murmeln bevor ich in ein tiefes, schwarzes Loch fiel, ein Schlund, nein, vielmehr ein Malström aus Enttäuschung, Erniedrigung, Scham und nicht wichtig genug bzw. nicht schwul genug sein um mit VIP-Bändchen und Freigetränkebons wedeln zu können. Ich überlegte kurz, auf die Toilette zu gehen und dort ein bisschen zu weinen oder mir mit einem scharfen Gegenstand Wunden zuzufügen, entschied mich dann aber doch für die Bar, um jedem, der es hören wollte oder nicht, mein Leid zu klagen. Rolf ging so weit, mir Geld leihen zu wollen, aber auf diesen hinterhältigen Trick des Saalschützers fiel ich nicht rein, man kennt die Schweizer ja, denen steckt das Bankierswesen praktisch im Blut und der Wucherzins ist Prüfungsthema in der Grundschule. Stattdessen ließ ich mir Wodka spendieren und tanzte zu MT Dancefloors bretthartem Technoset, sammelte Pfand, kaufte Bier, tanzte wiederum und wurde irgendwann besoffen genug um das Elend zu verdrängen, was ein guter Zeitpunkt war um nach Hause zu gehen.
Ach so, die Räuberhöhle war ja zwischendurch auch noch. Die hat gerockt, wie immer. Die kann gar nicht anders als rocken.


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken

Technorati Del.icio.us Digg Yigg Mr.Wong Webnews Netselektor Blogmarks Linkarena Newsvine 

Es wurde noch kein Kommentar abgegeben.

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Communique1
  • Kittkritik
  • Found Magazine