Beatpunk Webzine

The Blood Brothers

16.05.2004//Club Shocken, Stuttgart

Alleine auf ein Konzert zu gehen bereitet mir immer wieder etwas mulmige Gefühle, angesichts der Tatsache, mich mit einigen Idioten, deren Kritik nicht über die nächste angesagte Platte hinausgeht, alleine herumschlagen zu müssen. Zu viele Gedanken werden da an großkotzige Fashion-Victims der Kulturindustrie verschwendet, die allesamt einen auf cool und unglaublich hart machen, von dem sich-Verweigern gegenüber dem Establishment im Marcuseschen Sinne aber nicht die geringste Spur bemerken lassen. Nun war es aber so, dass ich mich alleine auf den Weg machen musste, um der neuesten Errungenschaft der »Alternative«-Szene lauschen zu können: The Blood Brothers aus Seattle. Eine musikalisch durchaus ansprechende Band, die irgendwo zwischen Refused, At The Drive-In, The Cure und Dillinger Escape Plan ihr Unwesen treibt und mit einer gehörigen Portion Hass und Style nicht nur mich in Entzücken versetzte. Gelohnt hat es sich jedenfalls allemal und warum sollte man sich immer wieder einbilden, dass »die Szene« an sich irgendetwas anderes sein sollte, als der Rest der Gesellschaft, schließlich ist eben diese auch nur ein Teil des Ganzen.

Der Shocken gehört gerade zu den angesagtesten Clubs in Stuttgart, nicht nur ob seiner prächtigen Lage – mitten im Herzen der City – oder etwa wegen seiner beinahe modern anmutenden Architektur – fast komplett aus Glas – sondern vor allem wegen der guten Konzerte in letzter Zeit. Die Blood Brothers sollten dies bestätigen. Schon die untypische Konzertatmosphäre verlieh dem ganzen einen Charme, der nicht zu unterschätzen war. Selbst unschuldige Passanten mussten zwangsläufig das Spektakel verdutzt, aber dennoch erstaunt mitverfolgen, da die vollkommene Glasvitrine des Clubs jegliche Intimität und Abgrenzung gegenüber dem Rest der Gesellschaft ad absurdum führte.

Zwei kreischende, verfreakte Frontmänner haben wohl oder übel für diejenigen, die an dem ganzen nicht in Form von einer Konzertkarte und damit einem privilegierten Platz im Innern teilhaben konnten, einen unglaublichen Eindruck hinterlassen. Zu tief waren die Emotionen der überraschenderweise noch sehr jungen Herren. Beeindruckend, was die zwei Sänger gerannt, gehüpft und was weiß ich noch alles sind, während der Rest in souveräner Art und Weise das für die Band so typische Instrumental-Chaos locker zum Besten gab. Die Hits wurden gespielt, dem Publikum und mir hat es gefallen und Blood Brothers durften nach der Show sogar noch Autogramme auf Schuhe schreiben, die ihnen einige Kids in durchaus ernst zunehmender Absicht vor die Nase hielten. Witzigerweise hatte einer der jungen Herren ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Kill your Idols!« an. Zeiten ändern sich eben. Mir fällt dazu jedenfalls nichts mehr ein.

Ein sympathischer Live-Auftritt war das allemal. Bleibt an dieser Stelle eigentlich nur noch die Frage zu klären, wie es die Brüder denn nun tatsächlich mit Mekka-Cola halten… Antwort folgt in Bälde.

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