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	<title>BEATPUNK WEBZINE</title>
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		<title>Another Club Is Possible</title>
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		<pubDate>Tue, 28 May 2013 08:33:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janette</dc:creator>
				<category><![CDATA[Notizen]]></category>
		<category><![CDATA[Club]]></category>
		<category><![CDATA[Institut für Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Leipzig]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der unterstützenswerten Crowdfunding-Kampagne unter dem Motto »Another Sound is possible« bittet das Leipziger Institut für Zukunft (IfZ) um eine Anschubfinanzierung.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Am letzten Freitag startete die <a href="http://www.startnext.de/anothersoundispossible">Crowdfunding-Kampagne <em>&raquo;Another Sound is possible&laquo;</em></a>, des Leipziger <a href="http://ifz.me/">Institut f&uuml;r Zukunft (IfZ)</a>, die der Stadt einen neuen Club mit guter Anlage und gut kuratiertem Programm bescheren soll. Hinter der Initiative stecken Menschen aus diversen lokalen Partycrews, die ihr K&ouml;nnen in Parks und L&auml;den der Stadt bereits unter Beweis gestellt haben. In ihrem eigenen Club wollen sie neben Techno, House und Bass auch Vortr&auml;ge, Workshops, Werkst&auml;tten und Ausstellungen beherbergen. </p>
<p>F&uuml;r die Umsetzung des Vorhabens wird auf eine <em>&raquo;Startnext&laquo;</em>-Crowdfunding-Kampagne zur&uuml;ckgegriffen; hier k&ouml;nnen die G&auml;ste der Zukunft Listenpl&auml;tze kaufen, Merchandise abgreifen oder rare Platten, Tapes oder Compilations erstehen. K&uuml;nstler wie Sleeparchive, Dadub Anno Stamm aka Anstam und Kassem Mosse z&auml;hlen zu den vielen Unterst&uuml;tzern.</p>
<p>Kommen die 30.000 Euro in der Kampagne zusammen, so wird der Betrag in den Kauf einer Kirsch Audio Anlage flie&szlig;en, denn die soll das Herz des Projektes werden. Alles andere wollen die Crews aus eigner Kraft stemmen. </p>
 <p><a href="http://www.beatpunk.org/?flattrss_redirect&amp;id=4528&amp;md5=2397abc15f779d88b53a100cbb2f67f4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.beatpunk.org/wp-content/themes/btpnkbyaaki09/images/flattr.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Work Song</title>
		<link>http://www.beatpunk.org/stories/hoelle-arbeit-gastro/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 May 2013 10:09:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kristof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stories]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Hölle Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Restaurant]]></category>

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		<description><![CDATA[Die »Hölle Arbeit« geht weiter. In unserer Artikelserie widmet sich Kristof einem Archetypus der links- und subkulturell eingefärbten Arbeitswelt: er hatte in einem vegan-vergetarischen Restaurantbetrieb zu tun.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es gibt viele Jobs die das Trinken f&ouml;rdern, oder erfordern&#160;&#8211; erlauben tun es nat&uuml;rlich nur wenige. Manche dagegen erzwingen es geradezu, im besten Falle von oben verordnet.</strong></p>
<p>Wenn Chef mit <em>Heute m&uuml;ssen wir saufen!</em> gr&uuml;&szlig;t, dann ist das eine Weisung. Jeder, der einmal in der Gastronomie gearbeitet hat wei&szlig;, dass der Schrecken nicht im Stress oder der Masse an Arbeit liegt, sondern im Detail. Insbesondere in einem auf besondere Essgewohnheiten spezialisierten Laden. Da h&uuml;lfe auch kein Betriebsrat.</p>
<p>Stammtisch &ndash; die wenigen Assoziationen reichen aus f&uuml;r fischfeuchte Finger und einen starken Migr&auml;nepochimpuls hinterm rechten Auge. Wodka. Chef gie&szlig;t ein. Er hat nat&uuml;rlich schon vorgelegt, es gab schlie&szlig;lich schon eine Fr&uuml;hschicht, Vorbereitungen f&uuml;r den angek&uuml;ndigten Spezialistenbesuch, f&uuml;r&#8217;s gesamte Wochenendmen&uuml;. Mit der zweiten K&ouml;chin unl&auml;ngst verkracht, macht er heute &ndash; wie fast alle Wochenenden to come &ndash; Doppelschicht. Schnippeln, Hacken, Vorkochen, D&uuml;nsten, Einlegen, die Rote Beete grummelt im Backofen langsam vor sich hin, matt gl&auml;nzende Alu-Schalen sind mit schmatziger Burgermasse und lachenden Kartoffelecken vollgestopft, es riecht nach angebratenen Fr&uuml;hlingszwiebeln und Koriander. &Uuml;berall dunkle Kleckse von klebrigem Agavendicksaft. Die Absolut-Flasche war gestern Abend mindestens vier Finger breiter gef&uuml;llt. Fr&uuml;hschicht. Vorbereitung. </p>
<p><em>Ist da &uuml;berall Zwiebel drin?</em> Worst case. <em>Es ist &uuml;berall Zwiebel drin</em>, Zwiebel, deren Strunk zerteilt wurde mit einer eiskalten, herzlosen, glatten Klinge, sch&auml;rfer als jene, die die akkurat rasierten Schl&auml;fen entlang gefahren ist, sch&auml;rfer als der manische Blick des Fruganers. Der Fruganer ist immer der Erste. Der Fruganer goutiert nur, was vom Baum gefallen ist, oder schon abgestorben war. Den Apfelsaft mag er nur naturtr&uuml;b, Bier entf&auml;llt, Hopfen und Malz k&ouml;nnen ja schlecht runtergeplumpst sein. Leitungswasser, dazu Nichts. <em>Es ist &uuml;berall Zwiebel drin</em>. Der Fruganer zieht einen Katzenarsch-Mund, Chef gie&szlig;t ein. Bei kl&auml;glichen f&uuml;nf Euro Stundenlohn reicht oft auch die Sympathie f&uuml;r <em>das Projekt</em> nicht aus, um mit allem <em>D&#8217;accord zu gehen</em>. Aber Chef wei&szlig; das, daher ist die Erh&ouml;hung mittels hochprozentiger Zulagen ein unausgesprochenes Dankesch&ouml;n, das aus tiefstem Herzen kommt. Beim ersten Stammtisch war damals nach veganer Musik verlangt worden. Diese Grenz&uuml;berschreitung konnte noch einged&auml;mmt werden. Heute d&uuml;delt aus den h&auml;sslichen wei&szlig;en Plastikboxen dezent ein Soundtrack zum Briefmarkensammeln. Scherz. Der Stammtisch fragt, ob die Lautsprecher auf ihrer Seite des Raumes runtergedreht werden k&ouml;nnen. K&ouml;nnen sie.</p>
<p>Das Schlimmste ist der &Uuml;bergang, der &Uuml;bertreten von der warm-wohligen Chef-Schnaps-Welt in die grelle, laut zeternde Welt des Bestellungen-Aufnehmens, des nackten, den hungrig-gierig-unschl&uuml;ssigen Stammtischlern und der eigenen &uuml;bermannenden Intoleranz Ausgeliefertseins. <em>Dreimal Spie&szlig;e einmal ohne Zwiebeln es ist aber &uuml;berall Zwiebel drin oh dann nur zwei oder doch drei ich kann das ja beiseite legen ja Schatz des esse ich dann und willst du noch einen Mangosaft ja danke und noch eine Karaffe Leitungswasser und gibt es eigentlich noch Kuchen ja aber nur noch zwei St&uuml;cke oh dann stellt mir doch bitte eines zur Seite oh toll</em>. </p>
<p>Schlimmer sind nur Dates im Caf&eacute;, vor allem wenn es so leer ist, dass man von hinter der Bar jedes einzelne Wort mith&ouml;ren kann. Wer sich in auf spezielle Essgewohnheiten spezialisierten Lokalen datet, der redet gern &uuml;ber spezielle Essgewohnheiten. Wenn das Date gut l&auml;uft, reden beide gern &uuml;ber spezielle Essgewohnheiten, und Tiere. Chef gie&szlig;t ein. </p>
<p>Dutzende bepackter Platten, hei&szlig;er Schalen und &uuml;berdimensionierte Teller wandern um die Ecke, &uuml;ber die Weltengrenze, und wieder zur&uuml;ck. Schwer atmende M&uuml;nder schmatzen, kauen, wischen sich gegenseitig ab, atmen wieder schwer. Zwei Teller davon sind ein Monatslohn in Vietnam, aha. Die Lautsprecher werden unmerklich lauter. </p>
<p>Chef kann nicht mehr, Chef hat f&uuml;r kein Geld seit Wochen durchgeackert, sich seit acht Wochen nicht mehr gek&auml;mmt, letzte Nacht auf dem Sofa vor der Theke &uuml;bernachtet, bis ihn Fr&uuml;hg&auml;ste geweckt haben. Die vorbestellten Teller sind alle raus, die wenigen Nicht-Stammtischler werden mit Burgermasse in nachgekauften nun-nicht-mehr-bio Burgerbr&ouml;tchen abgespeist. <em>Habt ihr die Musik bei uns wieder lauter gemacht? Und ach, kann ich hier Flyer hinlegen? Da hinten gehen die so unter zwischen den anderen&#8230;</em></p>
<p>Nachgie&szlig;en, Nachgie&szlig;en, Nachgie&szlig;en. Die kernig-schleimige Burgermasse t&uuml;rmt sich aus der viel zu winzigen Sch&uuml;ssel wie ein Tofu-Zwiebel-Golem. Erhebe dich, Tofu-Golem, erhebe dich und l&ouml;se das Welthungerproblem, erhebe dich und zerstampfe die Foodchains, erhebe dich und zermalme die Gen-Sojabohne, erhebe dich und sorge daf&uuml;r, dass jedes Caf&eacute; mit einem EC-Leseger&auml;t ausgestattet ist!</p>
<p>Chef ist inzwischen so weit, dass er auf seinem krepierenden Mac einen Bravo-Fotoroman aus dem Netz gefischt hat, der auf einer Tierrechtsdemo spielt, und beginnt, die Sprechblasen auf die jetzige Situation angepasst mit <em>Nein, nichts mit Zwiebeln, Leitungswasser wird aber nicht gefiltert!</em> und <em>Oh, ich mag deine Frisur!</em> zu versehen. Nach nur f&uuml;nf Minuten liegt der sofort mit Schnapsglas-Abdr&uuml;cken bestempelte Ausdruck hinterm Tresen, und wird mit verteilten Rollen vorgelesen. Einzig die baulichen Vorz&uuml;ge der R&auml;umlichkeit verhindern eine direkte Konfrontation des Wodka-schwangeren Theaters hinter der Bar mit den gesch&auml;ftigen aber n&uuml;chternen Rittern der Tafelrunde um die Ecke. Der Leitungswassergral muss noch einmal aufgef&uuml;llt werden, dann darf die Rechnung kommen. Alle einzeln. Aus den Boxen dr&ouml;hnt Cannonball Adderleys <em>Work Song</em>, der &uuml;ppige Wodkalohn wird daf&uuml;r sorgen, dass der Bl&auml;sersatz f&uuml;r mindestens den Rest der Nacht hinter der Stirn kleben bleibt.</p>
<p>Selbstausbeutung kann vieles mit einem machen&#160;&#8211; in die Schei&szlig;e reiten, zum Alkoholismus anstiften, in Sinnkrisen st&uuml;rzen. Im Idealfall kann sie sogar Spa&szlig; machen, zumindest Aspekte davon. Sie f&ouml;rdert ganz sicher einen resignierten Zynismus, den man eigentlich gern ablegen m&ouml;chte, sofern man nicht irgendwann als komplettes Arschloch aufwachen m&ouml;chte. Chef hat ca. ein Jahr sp&auml;ter Privatinsolvenz angemeldet. Der Stammtisch zieht weiter. Manchmal wird es einem zu leicht gemacht, Dinge zu tun, f&uuml;r die man sich schlecht f&uuml;hlt. </p>
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		<title>Blank Pages &#187;Blank Pages&#171;</title>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 17:10:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp Wulf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Platten]]></category>
		<category><![CDATA[Blank Pages]]></category>
		<category><![CDATA[Dramamine]]></category>
		<category><![CDATA[Hardware Records]]></category>
		<category><![CDATA[Idle Hands]]></category>
		<category><![CDATA[Modern Pets]]></category>

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		<description><![CDATA[Manche Platten, so scheint es, bem&#252;hen sich nicht sonderlich um die Gunst einer potentiellen H&#246;rerschaft. Zum Beispiel, wenn sie ein Cover ziert, das wohl niemanden wirklich vom Hocker rei&#223;t, geschweige denn zum Reinh&#246;ren...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Platten, so scheint es, bem&uuml;hen sich nicht sonderlich um die Gunst einer potentiellen H&ouml;rerschaft. Zum Beispiel, wenn sie ein Cover ziert, das wohl niemanden wirklich vom Hocker rei&szlig;t, geschweige denn zum Reinh&ouml;ren verleitet. Oder wenn das Label sich um Werbung nicht wirklich schert: wenn niemand Bock hat, einen Promotext zu verfassen, und der Vertrieb haupts&auml;chlich in dunklen Spelunken qua Tausch mit anderen Labels stattfindet. Oder auch wenn es eben kein angesagtes Video auf YouTube gibt, das &uuml;ber die bekannten Kan&auml;le geschickt wird. Nat&uuml;rlich kann diese Zur&uuml;ckhaltung in Zeiten der v&ouml;lligen &Uuml;bers&auml;ttigung mit Musik, von der einem unbekannte M&auml;chte erkl&auml;ren, man m&uuml;sse sie unbedingt mal angeklickt haben, als Strategie begriffen werden. Vielleicht liegt es in dem Fall ja auch gar nicht im Interesse der Herausgeber, andere als die eingeweihten Szeneg&auml;nger zu erreichen. Dass dabei aber einfach tolle Musik auf der Strecke bleiben kann, ist die Kehrseite der Medaille.</p>
<p>All das trifft auf das eponymisch betitelte Deb&uuml;talbum der Berliner Band Blank Pages zu, das j&uuml;ngst auf dem in Osnabr&uuml;ck ans&auml;ssigen Label Hardware Records erschienen ist. Allerdings meint man hier gar kein Deb&uuml;t vor sich zu haben. Nicht nur, weil die Blankies in den letzten zwei Jahren bereits zwei starke Vinylsingles ver&ouml;ffentlicht haben und schon mehrmals durch Europa getourt sind, sondern auch, weil man es hier mit alten Bekannten zu tun hat: S&auml;nger Andreas Robbes war S&auml;nger und Gitarrist der Band Idle Hands und mit seinem Songwriting und seiner einpr&auml;gsamen Stimme ma&szlig;geblich f&uuml;r den Sound der Band verantwortlich. Es wundert also nicht gerade, dass sich die Idle Hands als prim&auml;re Referenz geradezu aufdr&auml;ngen. Der Schlagzeuger Jan Hellmich hingegen ist parallel bei der beliebten Berliner Krawallband Modern Pets engagiert. Sein punktgenaues, arschschnelles Spiel bereichert die Band ungemein. Bassist Marcel Feige wiederum ist zugleich S&auml;nger der aus M&uuml;nster stammenden Band Dramamine, die derzeit pausiert. Anders als beim DC-inspirierten Posthardcore seiner Zweitband geht es hier aber sehr straight und, man ist geneigt zu sagen: poppig zu. Die Songs sind Hits, die Melodien Ohrw&uuml;rmer. Der musikalische Widerpart will aber vor allem Punkrock sein. Bei anderen Bands pervertiert diese Zusammenkunft unter dem Begriff <em>&raquo;Pop-Punk&laquo;</em>. Hier jedoch gemahnt sie eher an Vorbilder wie die Buzzcocks, H&uuml;sker D&uuml; und die Wipers. Gelegentlich meint man in der Melodief&uuml;hrung auch einen jungen Blake Schwarzenbach herauszuh&ouml;ren.</p>
<p>&Auml;u&szlig;erst gelungen wird das Ganze von der Produktion unterstrichen. Im Berliner Schaltraum Studio binnen sechs Tagen von Smail Shock, dem S&auml;nger und Gitarristen der Urgesteine The Shocks, auf einer alten Bandmaschine aufgenommen und abgemischt, f&uuml;gt sich der Sound dem Retrocharme, den das Songwriting nahelegt. Doch genau an diesem Punkt, der genau so dazu dienen k&ouml;nnte, die Konsequenz der Band zu loben, wird die Band auch auf Kritik sto&szlig;en: Kaum zeugt die Platte vom Willen nach Innovation. Mit Spielereien und Experimenten lehnt sich die Band nicht aus dem Fenster. Gerade dieses Verfahren wird jedoch im letzten St&uuml;ck des Albums, <em>&raquo;Do Not Resuscitate&laquo;</em>, textlich reflektiert: <em>&raquo;Repeating structures once again/No choices offered to my hands.&laquo;</em> Nur aus dem Vorhandenen kann gesch&ouml;pft werden. An anderer Stelle hei&szlig;t es dann: <em>&raquo;We&#8217;re all searching for this niche of boredom and security.&laquo;</em> Punkrock bleibt also der alternativlose Referenzrahmen trotz der Zerrissenheit im Wissen um die stetige Wiederholung. Die eigene Sozialisation wird zugleich kritisch betrachtet und produktiv genutzt. Auch aus anderen St&uuml;cken spricht eine gewisse Desillusioniertheit und das Eingest&auml;ndnis, dass sicher geglaubte Wahrheiten und der Genuss von hohlem Pathos nicht l&auml;nger greifen k&ouml;nnen. Daher wird hier dankbarerweise nicht der Durchhalteparole <em>&raquo;Young Until I Die&laquo;</em> gehuldigt. Weder die ewige Jugend noch ein diffuses Gemeinschaftsgef&uuml;hl werden beschworen. Vielmehr kommt Robbes zu dem Schluss: <em>&raquo;So I&#8217;d rather keep on running to the beat of my own heart.&laquo;</em> Vor allem geht es um die Musik, die diese vier Menschen umtreibt.</p>
<p>Daf&uuml;r steht ihnen gewisserma&szlig;en ein punkhistorisches Archiv zur Verf&uuml;gung, aus dem sie spielerisch ausw&auml;hlen. Dass sie dabei dennoch in der Lage sind, &uuml;ber den Tellerrand hinauszuschauen, zeigt nicht nur der von einem Black Heart Procession-Song abgeleitete Bandname, sondern auch die ausufernden, instrumentalen Anf&auml;nge von &raquo;Drained&laquo; und dem schon erw&auml;hnten <em>&raquo;Do Not Resuscitate&laquo;</em> oder das Glockenspiel im wahrscheinlich besten St&uuml;ck &raquo;All in Due Time&laquo;, das eine &auml;hnliche W&auml;rme wie mancher H&uuml;sker D&uuml;-Song ausstrahlt. Aber sowieso werden Genrefragen irrelevant, haben einen diese Songs einmal in ihren Bann gezogen. Die eigent&uuml;mliche Melancholie in der Stimme, die kleinen Melodieschwenker, die sich tief einpr&auml;gen, und die treibenden Beats k&ouml;nnen den endlich einkehrenden Fr&uuml;hling wohl kaum besser begleiten.</p>
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		<title>Martin B&#252;sser &#187;Dopplung und Deutung&#171;</title>
		<link>http://www.beatpunk.org/papier/martin-buesser-dopplung-und-deutung/</link>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 17:19:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan-Paul Koopmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Papier]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Büsser]]></category>
		<category><![CDATA[Ventil Verlag]]></category>

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		<description><![CDATA[Kritische Kommentare zur zeitgen&#246;ssischen Kunst Martin B&#252;sser, der im September 2010 im Alter von nur 42 Jahren gestorben ist, war nicht nur eine der kl&#252;gsten Stimmen linker Auseinandersetzung mit Popkultur, sondern auch &#8211;...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kritische Kommentare zur zeitgen&ouml;ssischen Kunst</strong></p>
<p>Martin B&uuml;sser, der im September 2010 im Alter von nur 42 Jahren gestorben ist, war nicht nur eine der kl&uuml;gsten Stimmen linker Auseinandersetzung mit Popkultur, sondern auch &ndash; was bedauerlicherweise selten zusammenf&auml;llt&#160;&#8211; eine der bekanntesten: Als Mitbegr&uuml;nder von Ventil Verlag und Testcard, als Autor diverser Texte und B&uuml;cher zu unterschiedlichsten Str&ouml;mungen subkultureller Selbst(er)findungs&uuml;bungen hat er zun&auml;chst die Szenedebatten ma&szlig;geblich gepr&auml;gt und zunehmend auch dar&uuml;ber hinaus Geh&ouml;r gefunden. Er hat frei von den &uuml;blichen Distinktionsstrategien und Auskennereien &uuml;ber Pop und dessen Mythen geschrieben, Zusammenh&auml;nge aufgezeigt und &auml;sthetisches Urteilsverm&ouml;gen und Aufmerksamkeit bewiesen, die  weit &uuml;ber Szenebefindlichkeiten zum jeweils aktuellen Hype hinausgingen.</p>
<p>Der Sammelband <em>&raquo;Dopplung und Deutung. Kritische Kommentare zur zeitgen&ouml;ssischen Kunst&laquo;</em>, in dem die Kunsthistorikerin Annette Emde diverse Rezensionen relevanter Kunstausstellungen aus Konkret, Intro, Jungle World, Junger Welt  und der Z&uuml;richer Fabrikzeitung zusammengestellt hat, zeichnet nun B&uuml;ssers Auseinandersetzungen mit zahlreichen Ausstellungen moderner Kunst nach. Der Band ist im M&auml;rz letzten Jahres im Ventil Verlag erschienen.</p>
<p>Es wird niemanden &uuml;berraschen, dass diese Rezensionen auf die feierliche Bekanntgabe neuer Rekorde in Sachen Besucherzahlen oder Marktwert der Exponate verzichten. B&uuml;ssers Blick auf Kunst der Moderne, vor allem auf ihre zahlreichen avantgardistischen Selbstaufhebungsversuche, gilt immer den gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Produktion. Kunsthistorische Zusammenh&auml;nge erl&auml;utert er gespiegelt am politischen Gehalt ihrer aktuellen Aufbereitung durch die Kuratoren. So bleibt auch die ahistorische Lieblingsfrage haupt&#8209; und freiberuflicher Kunsterzieher nach der Intention des K&uuml;nstlers, der sich zur Antwort dann meist <em>&raquo;im Grabe umzudrehen&laquo;</em> hat, konsequent ungestellt. B&uuml;ssers Aufmerksamkeit gilt der gegenw&auml;rtigen Gesellschaft und ihrem Kunstbetrieb. Das ist nicht nur materialistisch im besten Sinne des Wortes, sondern nebenbei auch hochgradig lehrreich f&uuml;r alle, die f&uuml;r ein Studium der Kunstgeschichte keine Zeit haben oder nicht ganz zu Unrecht f&uuml;rchten, dort auch keine befriedigenden Antworten zu finden.</p>
<p>Die Ver&ouml;ffentlichung der inzwischen selbst schon etwas &auml;lteren Texte ist vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichtlichkeit nicht ganz unproblematisch. Ihrerzeit mehr oder weniger breit gef&uuml;hrte Debatten wie jene um den esoterische Antipolit-Gestus der Neuen Leipziger Schule oder der angesichts des 11. Septembers vom Direktor des Pariser Picasso Museums angesto&szlig;ene Streit um den Anteil der surrealistischen Avantgarde am Terrorismus sind l&auml;ngst abgek&uuml;hlt. Auch der praktische Nutzen von Rezensionen l&auml;sst nach, wenn die Ausstellungen nicht mehr gezeigt werden und die Kataloge erst antiquarisch zu besorgen w&auml;ren. Dennoch l&auml;sst sich <em>&raquo;Dopplung und Deutung&laquo;</em> auch heute noch &uuml;ber das (an sich schon v&ouml;llig berechtigte) Erinnern an Martin hinaus lesen.</p>
<p>Zum einen bleiben B&uuml;ssers Verortungen nicht auf tagesaktuelle Zusammenh&auml;nge beschr&auml;nkt, zum anderen lassen sich auch letztere m&uuml;helos rekonstruieren, da B&uuml;sser die verschiedenen Positionen klar benennt und sich nicht in den Windungen eines undurchsichtigen Kunstdiskurses verstrickt. Fragen wie jene nach dem Zusammenspiel von Abstraktion und Eskapismus sind nach wie vor bedeutsam. Das Angebot avantgardistischer Kunst, sich nach 1945 als K&uuml;nstler und Rezipient gleicherma&szlig;en als Verfolgter f&uuml;hlen und inszenieren zu k&ouml;nnen, bedarf erst der historischen Dimension und widerspricht einem Mainstream, der alles andere als zu verstummen scheint. Einer der interessantesten Texte des Buches besch&auml;ftigt sich mit weiten Teilen der Kunstfotografie, welche die Malerei zunehmend aus den Museen und Ausstellungen verdr&auml;ngen und sich dabei eines methodischen Ensembles bedienen, das entweder bereits in der Malerei der Moderne als &uuml;berholt galt oder sp&auml;testens in den 60er Jahren ausgeschlachtet worden ist.</p>
<p>B&uuml;ssers Perspektive ist bemerkenswert: Fachkundig, kritisch, aber nie &uuml;berheblich oder sich in falscher Distanz herumdr&uuml;ckend. So wird er auch in Momenten sch&auml;rfster Kritik, zum Beispiel an der Belanglosigkeit der sonst eher von der nichtdeutschen Presse verrissenen documenta 12, weder f&uuml;r <em>&raquo;Ist das Kunst oder kann das weg?&laquo;</em> Ignoranz noch f&uuml;r andere Versuche, die Kritik zum System  zu verallgemeinern, instrumentalisierbar. B&uuml;sser zitiert einzelne Gedanken so unterschiedlicher Theoretiker wie Adorno, Foucault oder Debord, ohne sich den jeweiligen Traditionen unterzuordenen oder &uuml;berhaupt sonderlich ins Detail zu gehen &ndash; auch, weil das derzeit vergeblich w&auml;re. Zum gesellschaftlichen Stand der Kritik schreibt B&uuml;sser resigniert, dass man als Linker heute schon froh sein m&uuml;sse, wenn &uuml;ber Kunst gesprochen werde, ohne das K&uuml;nstlersubjekt als Genie in den Mittelpunkt zu stellen. Und tats&auml;chlich wirkt die linke Theoriedebatte immer unangemessener, je st&auml;rker sich das Feuilleton darauf konzentriert, die Warteschlangen vor den Kunsthallen auszumessen.</p>
<p>Insgesamt ist <em>&raquo;Dopplung und Deutung&laquo;</em> trotz und wegen der Verhaftung der Texte an aktuellen Debatten und Ausstellungen ein sehr gelungenes Lesebuch zur Kunst der Moderne und eine gesellschaftskritische Einf&uuml;hrung in die Kunstgeschichte. Obwohl die Texte heute keine Ausgehtipps mehr sind und nicht alle angerissenen Debatten noch akut sind, ist und bleibt bemerkenswert, wenn Vertreter der Neuen Leipziger Schule sich 2006 noch als Marktf&uuml;hrer beleidigt geben, weil eine verschworene diskursive Hegemonialmacht ihnen irgendeine nicht n&auml;her bestimmbare W&uuml;rde abspreche. Wer wie und warum von der Warenform absehen m&ouml;chte und es dann doch nicht kann, ist eine Frage, mit der sich die Poplinke (nicht zuletzt dank Martin B&uuml;ssers Impulsen) immer wieder besch&auml;ftigt hat und die hier auch die vermeintlich hohe Kunst umtreibt. </p>
<p>In beiden Sph&auml;ren finden sich Strategien, der kapitalistischen Wirklichkeit Bedeutung abzuringen und in beiden F&auml;llen ist das Nachdenken &uuml;ber Kunstprodukte auch Reflexion der verkehrten Gesellschaft. Das hat Martin B&uuml;sser in diesen Texten weniger theoretisch erarbeitet, als vielmehr h&ouml;chst lesenswert vorgef&uuml;hrt. <em>&raquo;Dopplung und Deutung&laquo;</em> ist eine Sammlung kluger Beobachtungen und auch, wer keine einzige der besprochenen Ausstellungen besuchen konnte, wird dank Martin B&uuml;ssers Wiedergabe noch etwas daraus lernen.</p>
<p><em>Martin B&uuml;sser: Dopplung und Deutung. Kritische Kommentare zur zeitgen&ouml;ssischen Kunst. Ventil Verlag, Mainz 2012, 256 Seiten</em> </p>
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		<title>Spotify Playlist 05/2013</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 11:10:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ZK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ihr habt das wahrscheinlich gar nicht mitgeschnitten: uns gibt es jetzt zehn Jahren. Gemessen an der Aktivität dieser Seite müssen wir aber so behäbig wie 92 wirken.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ihr habt das wahrscheinlich gar nicht mitgeschnitten: uns gibt es jetzt zehn Jahren. Gemessen an der Aktivit&auml;t dieser Seite m&uuml;ssen wir aber so beh&auml;big wie 92 wirken. Auch wenn es mehr schleichend und ungewollt passiert ist &ndash; in der Daueraufgeregtheit des Netzes nicht auch noch mit Gesch&auml;ftlichkeit zu gl&auml;nzen, finden wir ganz in Ordnung. Mal schauen wie&rsquo;s mit uns in Zukunft weiter l&auml;uft. Allen Unkenrufen zum Trotz: Beatpunk bleibt.</p>
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		<title>Der Clash mit dem Strand</title>
		<link>http://www.beatpunk.org/interviews/psycho-and-plastic/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Apr 2013 13:53:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marzena</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Psycho & Plastic]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Musik der Berliner Band Psycho &#038; Plastic bewegt sich irgendwo zwischen Electronica, Dance, Krautrock, Postpunk und Hip-Hop und erwächst zu einer wilden Mischform. Marzena traf die die Musiker zu einem Interview.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview mit Psycho &amp; Plastic</strong></p>
<p>Die Musik der Berliner Band Psycho &amp; Plastic bewegt sich irgendwo zwischen Electronica, Dance, Krautrock, Postpunk und Hip-Hop und erw&auml;chst zu einer wilden Mischform. Dabei wird zwar das althergebrachte musikalische Material ungehindert, um es jedoch mittels kompositorischer Verfahrensweisen sogleich von innen aufzubrechen. Marzena traf die Band aka Alexandre Decoupigny und Thomas Tichai in Berlin zu einem Interview.</p>
<p><strong>Marzena (Beatpunk Webzine): Ihr beide ward vorher, jeder f&uuml;r sich, eine One-Man-Band. Wie kam es zur Fusion aus der Psycho and Plastic entstand?</strong><br />
Alex: Es fing alles 2009 an. Zu der Zeit hatten wir beide unsere One-Man-Bands unabh&auml;ngig voneinander entwickelt und gedacht: lass uns mal zusammen eine Tour buchen. Das macht mehr Spa&szlig; und wir haben so ein abendf&uuml;llendes Programm. Auf der Tour hatten wir dann unglaublich viel Freude und gemerkt es funktioniert.<br />
Thomas: Vor allem auch zwischenmenschlich.</p>
<p><strong>Welche Musik habt ihr denn vorher gemacht? </strong><br />
A: Ich habe das Elektro-Folk genannt. Kurz vorher hatte ich mit Rae Spoon zusammen an seinem Album gearbeitet und diese Folk-Einfl&uuml;sse mitgenommen; und daraufhin den Wunsch entwickelt Elektro-Folk zu machen.<br />
T: Laut unserem Poster habe ich Elektro-Kraut-Hop gemacht. Das war so eine krude Mischung aus elektronischen Beats und ein bisschen Sprechgesang, viel Gitarrenarbeit und auch musikalischen Strukturen die grob aus dem Instrumental&#8209; und Avantgarde-Rock-Kontext kamen. Das war schon musikalisch und geschmacklich ein bisschen konfrontativ, jedoch ganz bewusst so.<br />
A: Weswegen ich auch anfangen musste. Weil ich von den Harmonien und Strukturen eher Folk gemacht habe und er von den Beats her eher heftig war. Wir hatten aber auch ein gemeinsames &Uuml;bergangsst&uuml;ck das hie&szlig; One-Man-Disco-Jam. Die Fr&uuml;hjahrstour 2010 hat wieder richtig Laune gemacht und vor allem das Feedback auf dieses gemeinsame &Uuml;bergangsst&uuml;ck war enorm. Und deswegen haben wir angefangen mehr zusammen zu schreiben.<br />
T: Im Fr&uuml;hjahr 2011 kam dann die erste offizielle Psycho&amp;Plastic EP &#8211;&#160;Excessive Exposure&#160;&#8211; auf CD raus. Wir mochten die Tracks weil wir uns da beide einbringen, die aber auch anders waren als das jeweils andere vorher. </p>
<p><strong>Wie lange macht ihr eigentlich schon Musik und welche musikalischen Einfl&uuml;sse habt ihr? </strong><br />
A: Die erste Band in der ich gespielt habe war als Gitarrist einer Punkband, so Punkschrubbel&#160;&#8211; und dann nat&uuml;rlich Grunge. Damals fand ich elektronische Musik voll schei&szlig;e. In den 90ern war das noch eher so: Entweder Techno und House und so was oder Alternativ-Rock. Irgendwann sa&szlig; ich an einem Vormittag stoned bei einem Freund mit dem ich viel Musik machte, der war Schlagzeuger. Sein Bruder war House-DJ in einer riesen Dorf-Disco und wollte uns immer zur elektronischen Musik bringen. Der spielte dann an diesem Vormittag so ein St&uuml;ck und das war Leftfield &bdquo;Original&ldquo; &ndash; die erste elektronische Platte die mich geflasht hat. Das war so kosmisch, also im Sinne von Universum, ich hatte das Gef&uuml;hl: Jetzt fliege ich ganz weit drau&szlig;en. So habe ich angefangen mich f&uuml;r diese Sounds zu interessierten.&#160;1998 habe ich mir dann einen Computer gekauft. Da ich schon immer den Wunsch hatte Musik zu performen, wollte ich das dann auch mit elektronischer Musik tun &ndash; wobei der DJ f&uuml;r mich als Performer nie interessant war. Ich wollte diese Musik die ich so geil fand und von Platten kannte auf die B&uuml;hne bringen. Deshalb hatte ich dann irgendwann eine Band mit einem Bassisten und einem S&auml;nger und ich stand mit so einem riesigen Computer auf der B&uuml;hne. Das erste Konzert mit diesem gro&szlig;en Desktop-Rechner habe ich 1999 gemacht.<br />
T: 1990er Jahre, Space und Bewusstsein&#160;&#8211; ich habe in gewisser Weise eine &auml;hnliche Reise gemacht. Am Anfang habe ich auch eher klassisch in Teenager&#8209; und Sch&uuml;lerbands Gitarre gespielt. Damals habe ich sehr viel Sixties, Psychedelic und Acid-Rock geh&ouml;rt. &Uuml;ber Krautrock kam ich dann zu der Erkenntnis: Moment, in den 70ern ging das aber dass die Leute mit Synthesizer und Elektronik und mit Gitarren und Schlagzeug gearbeitet haben. Und da habe ich dann erst Ende der 1990er, Anfang 2000 gelernt die Ohren wieder f&uuml;r Clubsounds, f&uuml;r tanzbare Musik aufzumachen. &Uuml;ber Can, Kraftwerk und Konsorten wurde bei mir das Interesse an Synthesizern und Elektronik erweckt. Dann war es aber so richtig B&auml;hm: neue Welt, Ohren offen.&#160;1999 habe ich meinen ersten Sampler gekauft. Damals spielte ich in einer psychedelischen Schwurbel-Band ohne Schlagzeuger. Wir waren zu dritt mit Orgel, Gesang, Gitarre und irgendwann Sampler auf der B&uuml;hne. Das klingt im Nachhinein bahnbrechender als es damals tats&auml;chlich war&#160;&#8211; also vom klanglichen Ergebnis. Aber das Konzept war so angelegt.</p>
<p><strong>Ihr habt jetzt im Februar eine neue Platte namens Shibuya Beach auf Eurem eigenen Label GiveUsYourGold herausgebracht. Wie lange habt ihr daran gearbeitet? </strong><br />
A: Die St&uuml;cke haben wir schon 2011 angefangen zu schreiben, direkt nachdem die erste EP drau&szlig;en war.<br />
T: Also so gute eineinhalb Jahre zwischen Beginn der Arbeit und der Ver&ouml;ffentlichung.<br />
A: Kernarbeitszeit war der Februar 2012. Da waren wir zwei Wochen in Leipzig im &bdquo;Greenfields Studio&ldquo;, ein Open-Art-Space von Ben Sassen, und haben da aufgenommen. Damals hatten wir eine Hand voll Skizzen die wir dort ausgearbeitet und aufgenommen haben. Dann ging es noch mal eine zeitlang weil wir auf das Mixing gewartet haben. Ein Bekannter von uns, Giovanni Nicolletta, der auch schon das Album davor gemixt hatte&#8230;<br />
T:&#8230;der steckte in seinem Umzug fest und zog ins Chez Ch&eacute;rie Studio hier in Berlin. Davon waren wir ein bisschen abh&auml;ngig bis die R&auml;umlichkeiten fertig waren und f&uuml;r diesen Mix zur Verf&uuml;gung standen.</p>
<p><strong>Was bedeutet Euch das neue Album? </strong><br />
T: Das bedeutet uns ganz viel! Zum einen weil wir damit unser Label gelauncht haben &ndash; was f&uuml;r uns beide immer ein Traum war ein eigenes Label zu haben. Zum anderen weil wir mit diesen Tracks eine lange Zeit verbracht haben und sie uns ans Herz gewachsen sind. Und wir sind auch sehr stolz drauf. Und nat&uuml;rlich haben wir Vinyl daraus gemacht. Das ist f&uuml;r uns beide eine Pr&auml;miere. Es war ein total &uuml;berw&auml;ltigendes Gef&uuml;hl, das in der Hand zu halten &ndash; viel mehr als wir uns das vorher vorstellen konnten. CDs und Files und das alles haut einen nicht mehr vom Hocker weil man damit seit so vielen Jahren hantiert. Aber tats&auml;chlich dieses Vinyl mit der eigenen Musik in der Hand zu halten, das war&#8230; gro&szlig;artig beschreibt es das gar nicht mal.<br />
A: Genau das ist unbeschreiblich.<br />
T:&#160;&#8230;epochal (lacht)<br />
A: Das hat sich wirklich sehr speziell angef&uuml;hlt.</p>
<p><strong>Wo liegt denn eigentlich dieses Shibuya Beach? </strong><br />
A: Momentan auf Thomas Festplatte irgendwo in Berlin, auf dem Rechner der ihm gestern gestohlen wurde (lacht)<br />
T: Vielleicht ist der schon gar nicht mehr in Berlin&#8230; Shibuya Beach entstand auf einer Reise im Zug. Als Konzept ist das f&uuml;r uns ein Sehnsuchtsort, ein projizierter, ein fiktiver, der Sehns&uuml;chte nach diversen, auch zum gro&szlig;en Teil widersprechenden Dinge verbindet. Beach ist ja selbsterkl&auml;rend, das ist das gefl&uuml;gelte Wort des Traumstrandes f&uuml;r viele Leute. Und Shibuya haben wir aus so einer diffusen Faszination f&uuml;r Japan gew&auml;hlt, wo wir beide noch nie waren. Deswegen ist es zum einen tats&auml;chlich wirklich ein bisschen Sehnsuchtsort f&uuml;r uns, zum anderen aber auch eine Umschreibung f&uuml;r alles futuristische, technische, abgespacete. Und dann der Clash mit dem Strand. Eigentlich ist es ein hochtechnologisierter Strand irgendwo in den Weiten des Alls&#8230;<br />
A: Oder auch der Mikrokosmos, innen au&szlig;en. Und so bisschen kam Shibuya&#160;&#8211; also wenn man das so aufdr&ouml;selt wie wir auf das Thema kamen &ndash; durch Shimpei&#8230;<br />
T:&#160;&#8230;ein japanischer Freund von mir der mittlerweile auch tats&auml;chlich in Shibuya wohnt und da im Musikbusiness arbeitet&#8230;<br />
A:&#160;&#8230; so geisterte auch pl&ouml;tzlich dieses Wort in unserem Universum rum. Shibuya Beach und die Platte sind f&uuml;r uns aber auch: Wir wollen diesen Status quo verlassen. Alle finden den Status quo geil und alles soll bewahrt werden&#160;&#8211; sowohl gesellschaftlich als auch musikalisch und so was. Aber der Status quo stinkt und unser k&uuml;nstlerisches Statement ist: nach vorne bewegen, machen, tun&#8230; deswegen auch diese Bewegung auf diesen Shibuya Beach.</p>
<p><strong>Im Track Schizoparty singt ihr von auf Balkan feiernden und Vodka saufenden Prolls und von einer Gesellschaft die glaubt dass das ganze Deutschlandprogramm und Retro-Fashion das einzig Wahre aber auch unab&auml;nderlich ist. Inwieweit kann Eure Musik dazu beitragen, Denkprozesse und Ver&auml;nderung anzusto&szlig;en? </strong><br />
T: Inwiefern die Musik dazu beitragen kann, das wei&szlig; ich gar nicht. Das muss sich ja zeigen, also in den Leuten. Was wir machen k&ouml;nnen ist: Wir stellen uns auf die B&uuml;hne oder ins Studio und performen Dinge oder Texte die uns am Herzen liegen. Und dazu geh&ouml;rt zum Beispiel dass uns der Status quo ankotzt, der ja perverser Weise auch noch sehr stark&#160;&#8211; und auch das hat uns besch&auml;ftigt als wir die Platte machten&#160;&#8211; nicht nur von dem bewahrenden ergo konservativen Geist durchdrungen ist, sondern von so einem Retro-Gedanken. Alles was nicht mehr ist, ist irgendwie Hype, und dadurch ist es wieder, stinkt aber schon zum dritten Mal. Und da ging es uns einfach um das: Wir wollen nach vorne, wir wollen da weg. Und nat&uuml;rlich h&auml;ngen wir da selber auch drin. Wir sind ja Teil dieser Realit&auml;t. Und wir k&ouml;nnen eigentlich nur versuchen das auszudr&uuml;cken&#160;&#8211; ob verbal oder musikalisch. Das ist unsere Art das zu tacklen. Ob das eine gelungene Art ist, ob das eine Art ist die jemand auch tats&auml;chlich so auffasst wie wir sie meinen und irgendwie damit nach Hause geht und sagt: Die Jungs haben ja recht! Das kann ich gar nicht beurteilen. Das liegt nicht an mir und das ist auch nicht unser Anspruch da belehrend oder weltverbessernd im direkten Sinne zu sein. Sondern es geht eher drum, wenn &uuml;berhaupt, durch das was wir machen ein bisschen den Trott aufzubrechen. Das die Leute mal was h&ouml;ren was sie sonst vielleicht nicht h&ouml;ren. Ob das jetzt ein Sound ist, ob das ein Wort ist, ob das ein Zusammenhang ist. Ob das dann jemand annimmt oder mit nach Hause nimmt oder zu Hause gr&uuml;belt oder tanzt oder sowas, das sei jedem selber &uuml;berlassen.<br />
A: Wir k&ouml;nnens halt nur machen und jedes mal wenn wir spielen haben wir den Anspruch zu brennen und andere dadurch anzustecken.</p>
<p><strong>Ihr kritisiert im Track Antigrams Retro-Chic und Nostalgie. Insgesamt sagt ihr, ihr wollt den Status quo verlassen und eure Platte insgesamt soll zukunftsgewand, nach vorne gerichtet sein. Doch selbst verwendet ihr beispielsweise Instrumente wie ein Kinderspielzeug-Keyboard, den Casio-Rapman aus den 1990ern oder auch Software wie Retro-Synth-Sound mit der ihr die Streicher im St&uuml;ck EmmBeeErr produziert habt. Ist das nicht ein Widerspruch? </strong><br />
T: Nein, das ist kein Widerspruch. Zum einen k&ouml;nnen und wollen wir nicht so eine Stunde Null Legende schaffen, wie das im Punk versucht wurde. Uns ist klar wir haben eine pers&ouml;nliche Geschichte, wir haben diese popmusikalische Geschichte von der wir beeinflusst sind. Wir haben ja vorhin von Sachen geredet die uns sehr viel bedeuten, die auch alle &auml;lter sind. Das ist das eine und alles was wir machen sind gewachsene Strukturen und gewachsene Gedanken. Wir schneiden das nicht ab und sagen irgendwann: Jetzt alles neu und wir haben neues Equipment. Das f&auml;nde ich auch nicht zielf&uuml;hrend. Sondern es geht darum, was man mit den Dingen tut, wie man sie verwendet. Das ist Werkzeug. Ein Hammer wird dadurch kein schlechtes Werkzeug nur weil er schon seit Jahrhunderten existiert. Ein Hammer wird zu einem schlechten Werkzeug wenn ich damit schlechtes Handwerk mache. Meistens war es so in der Musikgeschichte, dass zwischen der Zeit in der eine Erfindung get&auml;tigt wurde oder ein neues Instrument erschien und in der Zeit in der es dann tats&auml;chlich zukunftsweisend eingesetzt wurde durchaus einige Jahre ins Land gegangen sind. Also selbst die Innovationen, um jetzt auf vorhin zur&uuml;ckzugreifen, mit denen Kraftwerk ihren zukunftsweisenden Sound gemacht haben, waren zum Teil Erfindungen der 50er wenn nicht sogar der Vorkriegszeit.<br />
A: Das ist aber auch eine Haltung: arbeite mit dem, was Du hast. Es geht ja nicht nur um den neusten, hei&szlig;esten Schei&szlig;. Das ist ein Konsumgedanke den wir beide nicht pflegen. Es geht eher darum was jetzt gerade verf&uuml;gbar ist und sich damit dann inhaltlich auszudr&uuml;cken &ndash; und zu brennen.</p>
<p><strong>Und wie geht ihr mit der Standardisierung und Stereotypen bez&uuml;glich Technik oder tradierten Tonsystemen um? Also diese schon im Voraus kalkulierbaren und ewiggleichen wiederkehrenden Muster die ja f&uuml;r die Kulturindustrie kennzeichnend sind? </strong><br />
T: Ich glaube teilweise versuchen wir es zu vermeiden, teilweise ist es uns fast in Fleisch und Blut &uuml;bergegangen damit zu brechen. Wenn man sich die neue Platte anh&ouml;rt dann ist glaube ich sehr klar dass alleine die Auswahl der f&uuml;nf Tracks, diese auf eine Platte zu packen, mit einer Standardisierung bricht. Das sind sehr unterschiedliche Tracks, dieser Klassiker: &sbquo;Mach eine Sache die alle geil finden und dann mach sie noch f&uuml;nf mal und verkaufs als Platte&rsquo; trifft bei uns gar nicht zu. Nicht aus weltanschaulichen Gr&uuml;nden &#8211;&#160;oder vielleicht auch&#160;&#8211; aber eher aus diesem tats&auml;chlich pers&ouml;nlichen Antrieb. Wir wollen uns dem nicht beugen, sondern machen worauf wir Lust haben und was wir gerade gut finden. Und das f&uuml;hrte zu dieser Platte, auf der schon die Songauswahl mit einer gewissen Standardisierung bricht. Und dann noch wie die Songs oder die Tracks strukturiert oder geschrieben sind: Da sind diverse fast schon Sollbruchstellen eingebaut. Wenn man es aus dem Blickwinkel betrachtet den Du gerade angerissen hast.</p>
<p><strong>Ja, diese Bruchstellen sind mir auch aufgefallen. Denn beim H&ouml;ren Eurer Platte Shibuya Beach scheint alles sehr rhythmisch und sehr groovig zu sein, gleichzeitig aber auch total stockend und sperrig. Ebenso wirkt Eure Musik sehr harmonisch, und gleichzeitig sehr atonal. Bei manchen St&uuml;cken passiert das alles sogar gleichzeitig und trotzdem so dass es zun&auml;chst nicht auff&auml;llt. Wie schafft ihr es trotz dieser paradoxen Spannungen am Ende ein solch explosives, &auml;sthetisches Sinn-Gef&uuml;ge entstehen zu lassen?  </strong><br />
A: Ich denke das ist so weil wir so sind wie wir sind.</p>
<p><strong>Wie seid ihr denn? </strong><br />
T: Genius (lacht)<br />
A: Wir sind einfach so in unserer Pluralit&auml;t.<br />
T: Und es ist Ausdruck unserer pers&ouml;nlichen Komplexit&auml;t. Die Realit&auml;t ist auch so unglaublich komplex und es passiert so unglaublich viel gleichzeitig, es passieren die widerspr&uuml;chlichsten Dinge gleichzeitig und die Kulturindustrie ist oft nur singul&auml;r interessiert. Es geht dann um ein bestimmtes Thema und nur darum &ndash; darauf wird dann fokussiert. Wir wollen aber dieser Gleichzeitigkeit Rechnung tragen&#160;&#8211; in unseren Gedanken, in unserer Musik. Gleichzeitig m&uuml;ssen wir es aber auch, weil es anders zu machen uns sonst selber langweilen w&uuml;rde.</p>
<p><strong>Wie reagieren dann die Leute auf Eure Musik? </strong><br />
A: Von &sbquo;extatisch&rsquo; &uuml;ber &sbquo;gar nicht&rsquo; bis &sbquo;abweisend&rsquo; (lachen)</p>
<p><strong>Ich war gestern bei Eurem Auftritt hier in Berlin. Auffallend finde ich, dass bei Euch kein Gig wie der andere ist. Es macht sogar den Anschein als w&uuml;rdet ihr die Tracks immer wieder neu erfinden, wodurch jede Show f&uuml;r sich auch ein neues, tolles Erlebnis ist. Inwieweit existiert eine basale Struktur, eine Art Basisset mit dem ihr spielt und wie viel Improvisation steckt dahinter? </strong><br />
A: Kommt auf das St&uuml;ck drauf an. Also manche St&uuml;cke sind wirklich super klar strukturiert und haben klare Abl&auml;ufe wo wir genau wissen wer wann was tut. Aber weil viele Elemente aus den Fingern kommen oder live gespielt werden haben die immer wieder ein anderes feel. In der Struktur haben sie zwar ihre vorgegebenen Abl&auml;ufe, aber da wir sie spielen klingen sie anders.<br />
T: Weil wir sozusagen der menschliche Unsicherheitsfaktor sind, der performativ eingreift und das ist jedes mal ein bisschen anders. Manchmal ist es im mikroskopischen Bereich anders und manchmal wird es schon eher Makro.<br />
A: Und manchmal muss man kompensieren weil man vielleicht etwas verbockt hat oder die Technik spinnt. Dann wird improvisiert, weil dann der Track nicht so l&auml;uft wie geplant und dann passieren Fehler und mit denen spielen wir auch gerne.</p>
<p><strong>Geht dann also auch manchmal etwas schief? </strong><br />
A: Ja sicher, das Risiko gibt es, muss es geben. Wir spielen mit diesem Risiko, die Show ist auch auf Risiko angelegt. Deswegen bauen wir auch Dinge ein, die man eigentlich automatisieren k&ouml;nnte, die dann aber von Hand bedient werden. Da bauen wir uns Fallen ein &ndash; jetzt nicht absichtlich. Wir bauen einfach Unsicherheiten ein wo ich und Thomas bestimmte Aufgaben haben, die auch schief gehen k&ouml;nnen.<br />
T: Ja, weil Risiko reizvoll ist. Und Risiko ist auch gleichzeitig das, was einen anspornt. Im Idealfall f&uuml;hrt es dazu dass man wirklich ab und zu Dinge tut &uuml;ber die man selbst im positiven Sinne &uuml;berrascht ist. Bei manchen Tracks sind  mehr solcher Stellen eingebaut oder ist generell von vornherein mehr Freiraum f&uuml;r Improvisation einger&auml;umt, wo wir uns auch tats&auml;chlich gegenseitig bei den Gigs &uuml;berraschen. Bei  manchen Tracks passiert es dann weil einer von uns was macht oder weil mal an der Technik was hakt, das kann ja auch vorkommen. Und dann wird das anderweitig kompensiert. Ein anderes Ph&auml;nomen ist glaube ich auch, dass manche Leute im Publikum unsere Gigs in einem Ma&szlig;e unterschiedlich wahrnehmen in dem wir das gar nicht tun. Diese Reaktion kriegen wir tats&auml;chlich &ouml;fter zu h&ouml;ren. Das kann am Raum, am Vibe, an der Anlage, an sonst was liegen. Aber auch dadurch dass die Musik so vielschichtig ist wie Du es auch vorhin angesprochen hast, und dass so viele Dinge gleichzeitig passieren. Und dann je nach Tagesform des Publikums oder des Individuums im Publikum einfach der Fokus auf anderen Dingen liegt. Dadurch entsteht vielleicht der Eindruck: Das war ja ein neuer Track. Und dabei spielen wir den vielleicht immer. Es passiert uns &ouml;fter, dass Leute drei Gigs nacheinander sehen und nach dem dritten sagen: Ja Mensch, heute habt ihr ja ganz viele neue Sachen gespielt.</p>
<p><strong>Ihr hattet vor kurzem Eure erste Ver&ouml;ffentlichung auf einem Major-Label, ein Remix des Tracks The Jig is up der norwegischen Band Heroes and Zeros, es existiert ein erstes Video von Euch und die Platte Shibuya Beach scheint im Gegensatz zu Eurer letzten EP vielf&auml;ltiger, elaborierter und ideenreicher zu sein. Wird es so exponentiell weitergehen, oder was kann man in Zukunft von Euch erwarten? </strong><br />
T: Ja, also die n&auml;herliegenden Pl&auml;ne und der Fokus liegen f&uuml;r dieses Jahr vor allem auf Live-Aktivit&auml;ten. Wir werden spielen, spielen, spielen im ganzen Land und dar&uuml;ber hinaus &ndash; hoffentlich &ndash; um m&ouml;glichst viele Leute &uuml;berhaupt erst mit unserer Musik in Kontakt zu bringen. Wir werden weiterhin ab und zu kleinere &Uuml;berraschungen pr&auml;sentieren, so wie wir es mit den Remixen auch gemacht haben. Und nat&uuml;rlich ist der mittel&#8209; oder l&auml;ngerfristige Plan immer die n&auml;chste Platte. Nach dem Spiel ist ja vor dem Spiel und die schwebt uns nat&uuml;rlich schon im Kopf herum und wird auch irgendwann konkret angegangen. Aber daf&uuml;r gibt es noch keinen Ver&ouml;ffentlichungszeitplan oder so was.<br />
A: Was wir aber gerade auch machen: wir experimentieren viel. Wir schicken uns gerade Sachen hin und her, wir machen uns viele Gedanken dar&uuml;ber wie wir diesen experimentellen Geist den wir haben noch weiter puschen k&ouml;nnen.<br />
T: Diese ganzen tollen Punkte die Du an der aktuellen Platte schon gelobt hast, die wollen wir alle noch auf die Spitze treiben f&uuml;r die kommende.<br />
A: Destillieren, immer weiter destillieren&#8230;(lacht)</p>
<p><strong>Dann freuen wir uns nat&uuml;rlich darauf. Ich danke Euch herzlich f&uuml;r das Interview.</strong></p>
<p><strong>Wer Psycho &amp; Plastic einmal live sehen will, hat dazu in den n&auml;chsten Tagen die Gelegenheit. Am 18.04.2013 in der ZMF in Berlin und am 19.04.2013 im Hamburger G&auml;ngeviertel.</strong></p>
 <p><a href="http://www.beatpunk.org/?flattrss_redirect&amp;id=4462&amp;md5=e1fd09e506cc4963feeeac31246da1f9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.beatpunk.org/wp-content/themes/btpnkbyaaki09/images/flattr.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Spotify Playlist 04/2013</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Apr 2013 10:40:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ZK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Mixtape]]></category>
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		<description><![CDATA[Am 16.04.2013 ist Jason Molina im Alter von nur 39 Jahren gestorben. Ihm sind bleibende und großartige Platten seiner Bands Songs:Ohia und Magnolia Electric Co. zu verdanken.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Am 16.04.2013 ist der Musiker Jason Molina im Alter von nur 39 Jahren gestorben. Er hat sich tot gesoffen. Molina sind bleibende und gro&szlig;artige Platten seiner Bands Songs:Ohia und Magnolia Electric Co. zu verdanken. Im letzten Jahr erschien sein letztes Soloalbum <em>&raquo;Autumn Bird Songs&laquo;</em> auf Graveface Records(!), dessen St&uuml;ck <em>&raquo;The Harvest Law&laquo;</em> wir f&uuml;r unsere aktuelle Playlist ausgew&auml;hlt haben. </p>
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		<title>Candelilla &#187;Heart, Mutter&#171;</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Apr 2013 10:35:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hendrik Otremba</dc:creator>
				<category><![CDATA[Platten]]></category>
		<category><![CDATA[Candelilla]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Albini]]></category>
		<category><![CDATA[Zick Zack]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Cover verhei&#223;t nichts Gutes. Es wirkt gezwungen; so, als wolle man unbedingt unterstreichen, wie D.I.Y. diese Platte doch ist. So Post-Irgendwas, 90er Jahre, heimlich umsonst kopiert im Asta. Ist ja auch in...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Cover verhei&szlig;t nichts Gutes. Es wirkt gezwungen; so, als wolle man unbedingt unterstreichen, wie D.I.Y. diese Platte doch ist. So Post-Irgendwas, 90er Jahre, heimlich umsonst kopiert im Asta. Ist ja auch in Ordnung. Aber D.I.Y. als Kriterium im heutigen &Uuml;ber-den-Tellerand-der-Szene-Kulturbetrieb, wo candelilla gerade irgendwie ankommen? Ein bisschen erweckt es auch den Anschein, das vielseitige Booklet habe es dann nicht mehr erlaubt, nochmal neu gemacht zu werden &ndash; einfach, weil viel M&uuml;he und Leidenschaft darin steckt. Aber wie gesagt, das mag auch an meinem etwas konservativ gef&auml;rbten Geschmack bei der Verpackung einer Schallplatte liegen.</p>
<p>Unter Umst&auml;nden ist es vielleicht ja auch einfach so. Vielleicht sind die auch einfach so: still D.I.Y in besagtem Kulturbetrieb. Ganz egal. Das sei direkt angef&uuml;hrt, um in dieser Besprechung wenigstens etwas Negatives sagen zu k&ouml;nnen. Um nicht zu euphorisch durchzugehen. Denn candelillas m&uuml;hevoll (denn das ist sie) verpackte Scheibe haut mich doch aus den Socken. Das liegt zu irgendeinem sp&auml;teren Zeitpunkt in der Genusskurve auch mit Sicherheit an der Produktion von Steve Albini, vor allem aber an denen: candelilla. </p>
<p>Diese ganzen Konzepte, St&uuml;cke nicht mit programmatischen(?) Begriffstiteln oder gef&uuml;hlt passenden Worten zu versehen, sondern mit Zahlen, dieser ganze Background &ndash; die Artschool-Ebene: <em>&raquo;Hey, wir schreiben alle, und malen, Performanz, Video, Kabel, Frischhaltefolie, THEATER!&laquo;</em> &ndash; das ist alles interessant, wichtig, Teil des Ganzen, ABER: die Musik reicht mir schon f&uuml;r mein Urteil. Eine Wahnsinnsplatte! Vielleicht die ersehnte Erneuerung des Hamburger ZickZacks. Aber r&uuml;cken wir mal die Musik ins Zentrum, schlie&szlig;lich ist es in diesem Fall ja auch das &ouml;ffentlichkeitswirksamste Medium. Au&szlig;erdem haben diese starken Songs es mehr als verdient!  </p>
<p><em>&raquo;28&laquo;</em>: Schlagzeug und Gitarre, in den ersten Takten bis zum Gesang, k&ouml;nnten auch von einer der verschiedenen Albini-Bands kommen, fr&uuml;he Shellac am ehesten, dann aber die sch&ouml;nen Ges&auml;nge, sich in unterschiedlicher Stimmung verschachtelnd, kryptisch, in zeitloser Sprache, deutsch-englisch, kunstsprachelnd: eine Aufregung, innerliche Unruhe, der intelligente Versuch, hochkomplexe Situationen zu verhandeln. So das Prinzip. Diese Textur zeigt sich immer wieder auf <em>&raquo;Heart, Mutter&laquo;</em>, dem Drittling der M&uuml;nchner Vierlinge. </p>
<p>So wird die Platte zum sich klanglich aufschichtenden Werk einer intellektuell ganz heterogenen Gruppe. Stimmen und Intensit&auml;ten &uuml;berlagern sich. Dann der deutlichste Bruch: das Tasteninstrument. Die Melancholie kehrt ein, deutlicher als in der Stimme. Dann ist der Auftakt auch schon vorbei, es folgt (<em>&raquo;ZickZack, mind your luck? &laquo;</em> &ndash; ein Zufall? Humor?) das perfekte zweite St&uuml;ck. H&auml;rter nach vorne, manifest, steile Spannungskurve, einbrechender Wahnsinn, Ekstase, Alkohol. <em>&raquo;Und neu sagen wir schon gar nicht, das spucken wir aus&laquo;</em>, ein magischer Satz, so viel Selbstbewusstsein, etwas von oben herab, dabei in sich gekehrt. Das kippt dann aber auch direkt wieder, die <em>&raquo;30&ldquo;</em> wird am Ende ganz zart. <em>&raquo;Heart Mutter&laquo;</em> ist schon nach diesen wenigen Minuten ein Wechselbad der Gef&uuml;hle, wie ein Leben. So warten noch viele weitere &Uuml;berraschungen, direkt im Anschluss zum Beispiel (<em>&raquo;27&laquo;</em>), Synthesizer mit hookschen Bassl&auml;ufen im &Uuml;bergang zu Sonic Youth. Die durchweg starke Eigenst&auml;ndigkeit der St&uuml;cke im Vergleich zueinander verbietet es dabei, ein Highlight zu markieren: alles leuchtet! Dabei klingen candelilla so intensiv wie schon lange keine Noiserock-Band mehr, sind ganz vorne, nah an den Ohren, weiter noch in Hirn und Herz. </p>
<p>Obwohl&#160;&#8230; doch, ein St&uuml;ck sticht f&uuml;r mich hervor, auch wenn das schwer ist: <em>&raquo;29&laquo;</em> (haben die eigentlich daran gedacht, wie sich das mit den Zahlen f&uuml;r Rezensenten anf&uuml;hlt) schnellt sehr tanzbar nach vorne, der 90er-Emogesang nimmt einen mit, die Tasten verdeutlichen, dass es sich hier nicht um den X-ten Synthie f&uuml;r die Fl&auml;che und Dichte handelt, sondern um ein Instrument, das die Verbindung von Coolness mit Intelligenz, den Tanz von Revolte und Traurigkeit vertont. Und wie schon erw&auml;hnt, hat auch der Online-Scrabble-Profi Albini hier ganze Arbeit geleistet, dem Schlagzeug viel Raum geschenkt, den es auch zu nutzen wei&szlig;. </p>
<p>Bis zur <em>&raquo;22&laquo;</em>, dem 12. und letzten St&uuml;ck auf <em>&raquo;Heart, Mutter&laquo;</em>, passiert ganz sch&ouml;n viel, das Spektrum der Stimmungen ist breit, der Groove verpflichtet einen im Zusammenspiel der vier Instrumente und drei Ges&auml;nge, aufmerksam dabeizubleiben. Und bis zum Schluss sind die F&uuml;&szlig;e in Bewegung. <em>&raquo;Heart, Mutter&laquo;</em>, das Gegenteil der Langeweile, intelligent und irgendwie auch ziemlich sinnlich. Die mitschwingende Riot Grrrl-Attit&uuml;de von candellila bleibt dabei ein Aspekt von vielen und wirkt niemals wie der Zweck, der sich seine Mittel gesucht hat. Ohne es zu wissen, habe ich wohl auf so etwas gewartet! Kleine Kerze? Gro&szlig;es Feuer!</p>
 <p><a href="http://www.beatpunk.org/?flattrss_redirect&amp;id=4450&amp;md5=84521976debde9fa6533613ac223cf72" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.beatpunk.org/wp-content/themes/btpnkbyaaki09/images/flattr.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Spotify Playlist 03/2013</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Mar 2013 10:36:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ZK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Mixtape]]></category>
		<category><![CDATA[Spotify]]></category>

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		<description><![CDATA[Johnny Marrs neues Album klingt ein wenig wie die melancholische Verarbeitung der eigenen Biografie. Der ehemalige The Smiths Gitarrist besingt in seinem Song »New town velocity« die eigene Entscheidung für die Musik.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Johnny Marrs neues Album <em>&raquo;The Messenger&laquo;</em> klingt ein wenig wie die melancholische Verarbeitung der eigenen Biografie. Der ehemalige The Smiths Gitarrist besingt in seinem Song <em>&raquo;New town velocity&laquo;</em> die eigene Entscheidung f&uuml;r die Musik und gegen einen b&uuml;rgerlichen Beruf: <em>&raquo;Left home a mistery. Leave school to poetry.&#160;I say goodbye to them and me. Mission velocity.&laquo;</em> F&uuml;r Marr ist das aufgegangen. Der in Detroit lebende Sixto Rodriguez, der 1970 und 1971 auf der Motown Tochter Sussex zwei Alben ver&ouml;ffentlichte, blieb in den USA erfolglos. Er schlug sich als Gelegenheits&#8209; und Abbrucharbeiter auf dem Bau durch. Der Dokumentarfilm <em>&raquo;Searching for Sugarman&laquo;</em> erz&auml;hlt seine Geschichte. Es ist die absurde Story eines Folk-Musikers, der zur Popikone in S&uuml;dafrika aufstieg, davon aber jahrzehntelang nichts wusste. Dass <em>&raquo;Searching for Sugarman&laquo;</em> nur die halbe Wahrheit erz&auml;hlt &ndash; dem angeblich gescheiterten Rodriguez n&auml;mlich zumindest sein Status in einem anderen Winkel der Welt (in Australien) bekannt war, spart der sehenswerte Film bewusst aus. Es h&auml;tte wohl das Narrativ versaut. </p>
<p>Sowohl Johnny Marr als auch Sixto Rodriguez sind mit jeweils einem St&uuml;ck auf unserem aktuellen Mixtape zu finden.</p>
<p><iframe src="https://embed.spotify.com/?uri=spotify:user:1125464144:playlist:7GgOpVNaprUnb3yGS7JcrW&#038;theme=white" width="500" height="580" frameborder="0" allowtransparency="true"></iframe></p>
 <p><a href="http://www.beatpunk.org/?flattrss_redirect&amp;id=4480&amp;md5=cf71834b8791761e3270596df9e00cdf" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.beatpunk.org/wp-content/themes/btpnkbyaaki09/images/flattr.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>New York City Evolution</title>
		<link>http://www.beatpunk.org/stories/new-york-city-evolution/</link>
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		<pubDate>Sun, 24 Feb 2013 13:16:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mara Zierot</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stories]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Hölle Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Mode]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach einem Artikel übers Putzen gehen folgt nun in unserer Artikelserie »Hölle Arbeit« ein Ausflug in den absurd-bekloppten Modebetrieb. Unsere Autorin hat sich für einen »Onetimewalk« casten, fönen und neu anziehen lassen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach einem Artikel &uuml;bers Putzen gehen folgt nun in unserer Artikelserie &raquo;H&ouml;lle Arbeit&laquo; ein Ausflug in den absurd-bekloppten Modebetrieb. Unsere Autorin hat sich f&uuml;r einen &raquo;Onetimewalk&laquo; casten, f&ouml;nen und neu anziehen lassen.</strong></p>
<p>Snowmageddon peitscht seine Schneepferdchen &uuml;ber den Hudson. Der Himmel gl&auml;nzt frisch geteert, New Jersey ist von barocken Wolken verschluckt. Der Mast einer Jacht schaukelt hektisch im Wind. Ich habe mich in eine Ecke hinter zwei berollte Kleiderst&auml;nder verzogen und kippe mir den letzten Schluck Codeinsaft in meinen geschundenen Rachen. Gestatten: Mara, # 7. Das ist mein Name, f&uuml;r heute.</p>
<p>Vor einer Woche bin ich nach New York gezogen, und vor f&uuml;nf Tagen hat mich ein wei&szlig;es Kaninchen in eine andere Welt gelockt. Ein wei&szlig;es Kaninchen in der Haut einer blondierten Castingagentin namens Chrissie. Ich stand gerade in der Subway und war &ndash; noch im Schlafanzug &ndash; auf dem Weg zur n&auml;chsten Apotheke.</p>
<p>Es tue ihr sehr leid, mich so einfach anzusprechen, raunt Chrissie Kaninchen in mein Ohr, sie arbeite f&uuml;r eine Castingagentur und am kommenden Freitag sei eine Fashionshow, f&uuml;r die ich perfekt geeignet w&auml;re. Ja genau, denke ich, und tarne meinen Lachkrampf hinter kl&auml;ffendem Husten. Tess Giberson sei der Name der Designerin und in der Show w&uuml;rden auch K&uuml;nstlerinnen wie Caroline Polachek und Elizabeth Hart Kleider pr&auml;sentieren.</p>
<p>Tut mir leid, noch nie geh&ouml;rt. So sorry!<br />
Ob ich Zeit h&auml;tte? Ob ich gleich jetzt die Designerin treffen k&ouml;nne?<br />
Hoho, Blondie, immer ruhig! It&#8217;s way too early to end chopped up in a trash can!</p>
<p>Meine E-mail Adresse r&uuml;cke ich trotzdem raus. Schlie&szlig;lich bin ich in New York und dann doch irgendwie gewillt, mich weniger zu zieren. You go, girl! Also kaufe ich nebst Hustensaft noch ein neues Prepaid-Telefon (mein altes liegt auf einem Rastplatz begraben, hallo Basti!) und recherchiere die Namen der Damen und die Adresse, wo ich vorsprechen soll. Alles koscher. Die n&auml;chsten Tage verbringe ich mit Vorlaufen und Anprobe. Zum Gl&uuml;ck hat mich meine Abschlusstournee durch Berlin und Hamburg mit Whisky und Kippen in Form gebracht, sodass ich auf dem Weg in die Skinny Jeans nur ein klein bisschen die Luft anhalten muss, und zum Gl&uuml;ck schlurfe ich nicht nur in 14-Loch Dr. Martens durch die Gegend, sondern auch auf 8cm Abs&auml;tzen. So wird mein Laufen mit einem <em>&raquo;You have a great walk!&laquo;</em> quittiert. Schwein gehabt! &Uuml;berhaupt sind alle furchtbar nett, wirklich nett, nicht nur amerikanisch. Glaube ich zumindest. Tess erkl&auml;rt mir die Idee hinter ihrer Kollektion, die den Namen <em>&raquo;Evolution&laquo;</em> tr&auml;gt: ihre Eltern sind K&uuml;nstler; es geht um die Prozesshaftigkeit von Kunst und Kunsthandwerk allgemein und konkret um die &auml;sthetische Kombination eines Quilts aus den H&auml;nden ihrer Mutter mit Tess’ pers&ouml;nlicher Vorliebe f&uuml;r schwarz. Die Mitarbeiter nennen mich <em>&raquo;such a good sport&laquo;</em>. Kein schleimiges Brillengeschwader, keine Heidi Klum weit und breit. Und  schwarze Klamotten sind ohnehin immer ein Knaller.</p>
<p>Jetzt hocke ich also hinter den Kleiderst&auml;ndern und warte auf meinen Auftritt. Es ist 9:30&#160;Uhr, vor zwei Stunden bin ich im Chelsea Pier 59 angekommen. Fr&uuml;her liefen hier Schiffe ein, heute Models auf und ab. Mag nach einem dramatischen Wandel klingeln, tats&auml;chlich k&ouml;nnte der Duft von Schwer&ouml;l ferner nicht sein. Aber das sind oberfl&auml;chliche Spitzfindigkeiten. Hei&szlig;t ja nicht umsonst Mode i n d u s t r i e. In der wei&szlig; lackierten Halle wuselt es wie in einem Ameisenhaufen. Jede Ameise hat eine Aufgabe. Es gibt Ameisen mit Headsets und Klemmbrettern, die haben den &Uuml;berblick. Es gibt Ameisen mit F&ouml;n und Nagellack und Pudern und Pinseln, die machen Haut und Haare sch&ouml;n. Es gibt Ameisen, die helfen beim Anziehen, Security-Ameisen und Catering-Ameisen. Ich bin keine Ameise. Ich bin  # 7. Weniger ein Model, als eine bestimmte Ausstattung innerhalb einer Flotte. Eine Anziehpuppe aus einem Kleiderbogen, die ausstaffiert wird, bis sie bereit ist auszulaufen. Es muss hart sein f&uuml;r M&auml;dchen, die bestreben, sich in dieser Branche mit ihrem Namen zu etablieren. Der Bedarf an Prototypen aka Supermodels ist limitiert. Doch bar dieser Bestrebungen bietet die Welt der Mode ein ganz pr&auml;chtiges Spektakel, von dessen Glitzern ich mir einen Vormittag lang nur allzu gern den Kopf verdrehen lasse. Und was es nicht alles zu bestaunen gibt! </p>
<p>Kaum habe ich die Schwelle &uuml;bertreten, nimmt mich ein strahlendes Wesen mit Headset an die Hand: <em>&raquo;You are Mara? Great! Come with me, I would love to get you into hair!&laquo;</em> <em>Into hair! </em> Wie wundervoll! Ich werde zu einer mit unz&auml;hligen Gl&uuml;hbirnen verzierten Spiegelbar bugsiert und sofort wird mein Haupt mit diversen W&auml;sserchen und Elixieren benetzt, glatt gef&ouml;hnt und wieder strubbelig gelockt. Ich soll genauso aussehen, wie der Zottel, der ich morgens bin &ndash; nur in sch&ouml;n. Meine Metamorphose von Zottel A in Zottel A’ dauert eine geschlagene Stunde. Halleluja! Und weil der Look so unglaublich nat&uuml;rlich ist, werden mir am Ende der Verwandlung Pappkarten an die Schl&auml;fen geheftet &ndash; nicht, dass ich aus Versehen ein zweites Mal <em>into hair</em> man&ouml;vriert werde. Nach <em>hair</em> geht es zwei Meter weiter into make-up. Auch hier das gleiche Spiel. Mein von Natur aus frisches Wangenrot wird unter Grundierung, Concealer und Make-up versteckt, nur um dann mit Blush wieder nachgeahmt zu werden. <em>&raquo;It&#8217;s all about showing the natural beauty!&laquo;</em> Allrighty allmighty! Nebenbei werden meine Fingern&auml;gel von dutzenden Manicurists gesalbt, gefeilt, ent&ouml;lt, poliert und mit vier Schichten Lack mitternachtsblau gef&auml;rbt. Nach diesen Veredelungen geht es das erste Mal <em>into dressing</em>. Auf zehn hufeisenf&ouml;rmig angeordneten Kleiderw&auml;gen h&auml;ngt die Garderobe von insgesamt zwanzig Models. Jeder Wagen wird von einem <em>fitting assistant</em> betreut. Meine Anziehhelferin hei&szlig;t Caroline, kommt aus Texas und tr&auml;gt einen Westernhut. Caroline passt auf, dass sich meine Piercings nicht im feinen Geschmeide verfangen und bietet mir ihre Schulter zum Abst&uuml;tzen, als ich in die 5 inch Heels Manolo Blahniks schl&uuml;pfe. Wie durch ein Wunder passt mein Outfit noch, und ich darf bis zur Show wieder in meiner eigenen Kleidung herumlungern. </p>
<p>9:45&#160;Uhr. Die Musik aus dem Showroom wird lauter. <em>&raquo;Cathedral&laquo;</em>, so hat Tess den Soundtrack beschrieben. Abstrakte Laute, die wie ein Choral durch nicht vorhandenes Gew&ouml;lbe wabern. Ich  h&auml;tte Also Sprach Zarathustra gew&auml;hlt, aber mich hat ja niemand gefragt. Pl&ouml;tzlich Tumult. Caroline winkt mich aus meiner Ecke hervor, schnell auf die Toilette, dann rein ins Dress. Der letzte Knopf ist noch nicht geschlossen, da st&uuml;rmt ein Heer von Fotografen auf mich zu. Die Leute von Getty Images. Kinn runter, Kinn h&ouml;her, Finger vors Gesicht, H&auml;nde weg, l&auml;cheln, nicht l&auml;cheln, du meine G&uuml;te! Dann: Aufgestellt zur Generalprobe! Eine Ameise mit Klemmbrett erkl&auml;rt uns den Lauf. Die B&uuml;hne besteht aus vier diagonal ausgerichteten Holzpodesten. Einzeln m&uuml;ssen wir die Podeste umrunden, dann der Reihe nach die Podeste auff&uuml;llen. Vier Models auf einem Podest. Drei Minuten still stehen, auf keinen Fall ins Publikum gucken! Danach in umgekehrter Reihenfolge wieder runter vom Holz, diesmal gemeinsam eine Runde drehen, und ab hinter die B&uuml;hne. Das ganze vier Mal. Vier Mal?! Hinter mir st&ouml;hnt Indre #8. <em>&raquo;I can&#8217;t walk in these shoes!&laquo;</em> Eine andere Nummer bekommt einen h&ouml;llischen Hustenanfall. Panik in ihren Augen. Ich haste aus der Reihe und dr&uuml;cke ihr Bonbons in die Hand. </p>
<p>10:55&#160;Uhr. Jetzt ist es ernst. Noch f&uuml;nf Minuten bis die Show beginnt. Wir stehen in einer Reihe, neben uns eine Armada von Mechanikern. Die Showmanagerin zieht die Kleider gerade und entfernt unsichtbare Fusseln. Ein Hairstylist zupft Str&auml;hnen zurecht, eine Make-up Artistin kaschiert vermeintliche Hektikflecken. #1 ist drau&szlig;en. Ich r&uuml;cke vor. Ein J&uuml;ngling wirft sich mit einer Taschenlampe bewaffnet vor meine F&uuml;&szlig;e und z&uuml;ckt seinen Pinsel. Das gibt es hier also auch, eine Ameise, die F&uuml;&szlig;e schminkt. <em>Assembly Line</em>, schie&szlig;t mir verwundert durch den Kopf, da stehe ich  schon ganz vorne. Ein Mitglied der Abteilung Headset umschlingt meine Taille und schenkt mir das bezauberndste L&auml;cheln der Welt. <em>&raquo;You look amazing,&laquo;</em> macht sie mir Mut, und mit einem <em>&raquo;Good luck!&laquo;</em> schubst sie mich sanft auf die B&uuml;hne. Ich stolziere raus ins Blitzlichtgewitter und wundere mich nur, wo meine Aufregung bleibt. Die Fotografen sind P&ouml;bel an der Stra&szlig;enecke, ich bin das <em>Cool Girl</em>, das eiskalt an ihnen vor&uuml;berzieht. Ohne zu stolpern schaffe ich es aufs Podest und  wieder herunter. Hinter der B&uuml;hne sofort wieder Einreihung in die <em>Assembly Line</em>. Caroline eilt herbei und reicht mir Wasser. Haare werden gerichtet, ein Schritt vor, Nase wird gepinselt, ein Schritt vor, Hose wird entflust, ein Schritt vor, raus f&uuml;r Runde 2. Laufen, stehen, laufen, <em>Assembly Line</em>, Runde 3. </p>
<p>Ich stehe auf dem Podest und konzentriere mich auf einen Punkt im Himmel. Meine F&uuml;&szlig;e funken SOS. Einfach ignorieren. Der Himmel langweilt mich. Ich schiele auf die Models vor mir. Bei manchen zittern die Waden bedenklich. Oh mein Gott, blo&szlig; schnell weggucken. Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Ob jemand merkt, dass ich mit den Zehen wackele? Die Musik nervt. Konzentration! Die Scheinwerfer blenden. Rei&szlig; Dich zusammen! Schwei&szlig;tropfen perlen zwischen meinen Schultern herab. Vielleicht sollte ich bis 100 z&auml;hlen? Ich bin #7, meine Koordinaten: Podest 2/Position 3. Die Kollektion hei&szlig;t <em>Evolution</em>. Modisch stehe ich auf der Schwelle vom Jungpal&auml;olithikum zur Mittelsteinzeit. Ein ausgedientes Fischernetz dient mir als Kleid, der dicke Pelz ist ein Relikt der letzten Eiszeit. #5 tr&auml;gt auch Fell, #8 kennt keine K&auml;lte und steckt in einem klima-adequaten Mini. Ich w&uuml;rde jetzt gerne gehen. Warum fuchtelt da eine Ameise im Publikum mit den Armen herum? Meint die mich? Endlich, #4 stakst vom Podest. Aber warum kann ich #1 &ndash; #3 nicht sehen? Schei&szlig;e, #4 ist anscheinend nur umgeklappt, nur umgeklappt, haha! Wie hei&szlig;t doch gleich die K&uuml;nstlerin, die nackte Models in Museen herumstehen l&auml;sst, bis diese vor Ersch&ouml;pfung zusammenbrechen? Beecroft, Vanessa Beecroft. Vielleicht ist diese Show erst dann zu Ende, wenn die letzte von uns am Boden liegt? <em>Survival of the fittest</em>? Immerhin bin ich nicht nackt und in Fischabf&auml;llen muss ich auch nicht baden. Also alles halb so wild. Sind die drei Minuten immer noch nicht um? Doch, jetzt, anscheinend wirklich. Das erste Podest ist bereits im Abmarsch, #5 rechts neben mir setzt sich auch in Bewegung. Ich glaube, wir torkeln. Backstage empf&auml;ngt uns brausender Applaus. Der vierte Akt ist spontan gestrichen worden, daf&uuml;r mussten wir eben l&auml;nger stehen. Erleichterte Entt&auml;uschung. Und jetzt? Nichts. </p>
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