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Mein Führer

Von Igor

Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf

Dank des Regisseurs erfahren wir nun endlich »die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf «. Er hat damit einen jener Filme geschaffen, bei denen hierzulande alle ihr bestes Josephfischergesicht aufsetzen und sich fragen: darf man eine Komödie über machen? Ich denke, man darf, es fragt sich allerdings, was das bringen soll. Eine Erklärung des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen, eine fundierte Analyse gar, kann eine Komödie nicht leisten. Sie kann jedoch besonders auffällige Aspekte aufgreifen und die handelnden Personen durch eine überspitzte Darstellung demaskieren. Chaplin hat das im »Großen Diktator« eindrücklich gezeigt, eine Gratwanderung ist dies bei dem vorliegenden Sujet jedoch allemal (wie auch Chaplin einsehen musste).

Die Handlung von »Mein Führer« ist jedenfalls, da es sich ja nicht um einen Dokumentarfilm handelt, sehr realitätsfern und vergleichsweise simpel: Der Führer () verliert gegen Ende des Krieges seine Form, neigt zu Depressionen und ist nicht in der Lage, die Volksgenossen mit einer flammenden Rede zum letzten Widerstand gegen den übermächtigen Feind aufzustacheln. Deshalb besinnt sich Goebbels () des jüdischen Schauspiel-Professors Adolf Grünbaums (Ulrich Mühe), den er samt Familie aus dem KZ-Sachsenhausen nach Berlin verfrachten lässt, um mit »zu arbeiten«. Dabei entpuppt sich der Führer als ein durch den gewalttätigen Vater traumatisierter Bettnässer, der weder in der Reichskanzlei noch beim Beischlaf mit Eva Braun (Katja Riemann) Herr der Lage ist.

Levy’s Darstellung des Nationalsozialismus ist sicherlich angreifbar, man kann ihm seine völlige Verharmlosung jedoch nur bedingt vorwerfen, da immer wieder deutlich wird, dass er trotz aller Lächerlichkeit für als »Volksfeinde« halluzinierte Menschen tödliche Folgen zeitigt. Letztlich gibt es auch für den Protagonisten Grünbaum kein Entrinnen und es bleibt die Einsicht, dass auch ein Schauspielprofessor mit Nazis nicht einfach »spielen« kann. Im Unterschied zu Eichingers »Der Untergang« lässt Dany Levy auch nicht als gebrochenen alten (und tendenziell mitleiderregenden) Mann darstellen, sondern gestaltet die Rolle in der Tradition von Chaplin bis Moers – der Führer tritt explizit als Witzfigur auf.

Die Popularität der wirklich wahrsten Wahrheit über Adolf wird sich bei dessen Verehrern deshalb wohl in Grenzen halten, was an sich eine positive Sache ist. Der Regisseur bemüht sich redlich, auffällige Verhaltensweisen der kleinen und großen Nazis (z.B. das dämliche »Heil «-Gebrülle, sobald jemand den Raum betritt) zu persiflieren, driftet dabei jedoch allzu oft ins Slapstickhafte und Banale ab. Einige Gags wirken sehr bemüht, wie beispielsweise Himmlers (Ulrich Noethen) verletzter Arm, der ausgestreckt vom Körper bandagiert ist, so dass er wie ein permanent präsentierter »Deutscher Gruß« wirkt.

Letztlich scheitert der Film an der Tatsache, dass der Nationalsozialismus samt seiner Protagonisten zwar in hohem Maße lächerlich, aber eben nicht lustig ist.

Die benannte Grundthese – als ungeliebtes, vom Vater gedemütigtes armes Würstchen – kommt arg eindimensional daher und reduziert den Nazi-Wahn auf entwicklungspsychologische Ursachen. Es mag schon sein, dass der Vater, wie sein Sohn, ein Arschloch gewesen ist, nur erklärt das allein die ganze Geschichte nicht. So berechtigt die Frage nach der Rolle der Erziehung bei der Entstehung eines Volkes ist, das in seiner Gesamtheit elementare menschliche und zivilisatorische Werte komplett negiert, so naiv ist die Reduzierung des Ursachengeflechts auf eine »schwarze Pädagogik« (Levy). Schließlich war die Erziehung des Nachwuchses auch in allen anderen Ländern zur damaligen Zeit nicht gerade von Einfühlsamkeit, Toleranz und dem unbedingten Streben nach dem Wohl des Kindes geprägt.

Vielleicht erweist sich »Mein Führer« aber als passend für ein Land, in dem ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung bis heute nicht wirklich begriffen hat, was das Irre an zwölf Jahren Nazi-Herrschaft gewesen ist. Schließlich wird sehr wohl deutlich, dass die gesamte nationalsozialistische Führungsclique eben nicht aus Verführten bestand, die sich um einen dämonischen Übermenschen scharten, wie es Historiker à la Guido Knopp seit Jahren durchaus in Einklang mit gängigen Erklärungsmustern der Tätergeneration suggerieren. Es handelte sich wohl eher um größenwahnsinnig gewordene Durchschnittsdeutsche bzw. –österreicher mit enormen psychischen und intellektuellen Problemen, die innerhalb Ihrer verqueren Logik durchaus eigenständig und rational handelten, was der Regisseur versucht zu zeigen. Das erklärt wenig, entschuldigt erst recht nichts, zeigt aber die ganze Lächerlichkeit und Erbärmlichkeit von Millionen für sie und mit ihnen mordender Kleingeister.


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