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Persepolis

Von Ulrike

Eine Biographie von Teheran nach Wien und zurück

ist die Verfilmung der Comics von . Die Geschichte des Films erzählt die seiner Zeichnerin und die des . Gerade diese Verknüpfung der beiden Dimensionen machen es möglich, dass sich dem Werk und der »Story« leicht genähert werden kann, aber dadurch entsteht auch eine Verzerrung der Eindrücke vom , da ein autobiographische Zugang nur einen Blickwinkel zulässt.

Der Film startet mit einer kurzen Einführung in die Historie des und geht weiter über die 70er Jahre und die Kindheit der Künstlerin. Aus einer Familie stammend, die mit der Opposition in Verbindung steht, kommt Marjane mit dem Regime als Sechsjährige in Berührung, als ihr Onkel ermordet wird. Sie wächst in einem Umfeld auf, das sehr kritisch denkt und zur demokratischen Bewegung der 70er Jahre gehört. Der Film verdeutlicht sehr gut die Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Wandel im Jahre 1979, als sich das Ende der Diktatur abzeichnete. Es schien, als hätte sich die Bevölkerung endlich eine Republik erkämpft. Der Schah hatte das Land bereits verlassen, als sich in den Wirren der Veränderungen die Vertreter der Islamischen Revolution durchsetzen. »« zeigt aber auf, dass dies keine Notwendigkeit war, sondern durchaus auch eine andere Gesellschaftsform möglich gewesen wäre. Diese Möglichkeit verkörpert der kommunistische Onkel Marjanes, der das kleine Mädchen menschlich stark prägt, aber doch wie viele andere ermordet wird. Thematisiert wird auch die unschöne Rolle der Engländer, ohne jedoch gleich einen Sündenbock für das Dilemma im zu präsentieren.

Der Film bleibt in der Perspektive der Opposition, die nur noch in den Köpfen existent sein konnte und kann. Das Leben im wird als sehr absurd dargestellt, da es neben Terror, Kontrolle und Unterdrückung auch Alltägliches, wie die Sorge um einen straffen Busen oder die Langeweile mit dem eigenen Ehemann beinhaltet. Diese scheinbare Widersprüchlichkeit deckt sich mit Berichten anderer Exiliraner, wie beispielsweise vom Memri e.V.

Gerade der Versuch in dieser repressiven Umgebung immer wieder Nischen des Vergnügens und der Freude zu suchen, wie das Selbstbrennen von Alkohol oder das heimliche Feiern von Partys, ist das Letzte was den Menschen anscheinend noch geblieben ist. Entweder versuchen sie dem alltäglichen Terror zu entgehen oder aber wieder in die Normalität zurück zu kehren wie es sie einmal gab, bevor die Sittenwächter jeden Winkel des Lebens zu überwachen begannen. Letztere werden im Film gesichtslos bzw. mit einem immer gleichen Gesicht dargestellt. Damit werden sie verwirrend anonymisiert. Für den Betrachter sind alle Bezugspersonen im Film Kritiker und Widerständige. Es wird suggeriert, dass alle Menschen im gegen das Regime, die Religion und den Staat seien. Der Staat erscheint nur als Sittenwächter ohne Gesicht. Lediglich an einer Stelle wird das Ganze gebrochen – als sich sehr junge Staatsdiener als bestechlich und somit als eigenartig menschlich erweisen. Die Frage bleibt im Film offen, wer eigentlich den Laden zusammenhält und wie das politische Kräfteverhältnis zwischen Staat und zustimmender Bevölkerung im ist. Deutlich wird aber gemacht, dass jedes Abweichen von den Vorgaben des Staates auch den Tod mit sich bringen kann.

Marjane beschreibt ihr eigenes Leben im als einen dauerhaften Ausnahmezustand zwischen religiöser Repression und für sie empfundener Normalität. Sie zeigt heute als Erwachsene deutlich, was dieser Zustand aus den Menschen macht. Die Menschen, die sowohl die Jahre des Krieges und als auch die dauernde Radikalisierung des Regimes miterleben, zerbrechen innerlich und auch für die Protagonistin endet es biographisch im Suizidversuch. Dieser resultierte aber auch aus den Erfahrungen des Exils. Marjane wird von ihren Eltern nach Österreich geschickt, wo sie Schulzeit, Pubertät und eine ganz andere Welt erlebt. Dies ist der wahrscheinlich traurigste Moment von »«, weil der Familie keine andere Wahl mehr bleibt, als die Tochter ins Unbekannte mit der Hoffnung zu verbringen, dass es dort besser sein möge. Auch in Europa steckt sie wieder in einer für sie widersprüchlichen Welt. Freunde, politische Diskussionen, erste Liebe, aber auch Kälte und Stigmatisierung zum Exoten sind die Erfahrungen, die sie machen muss. Der Film gibt eine sehr schöne Kritik an der europäischen Sicht auf den arabischen Raum. Die europäische Kultur wird als sehr skurril dargestellt, in der die Probleme der Menschen im Vergleich zum Leben im nichtig erscheinen.

Zentrale Figur in »« ist die Großmutter Marjanes. Für den Betrachter, aber auch für das Mädchen selbst, verkörpert sie die Moral der Geschichte. Sie wird im Film sehr liebevoll gezeichnet und erinnert Marjane immer wieder daran, niemals zu vergessen, wo sie her kommt. Gemeint ist damit kein platter Nationalismus, sondern die Vorstellung, dass sie sich niemals anpassen dürfe und immer integer bleiben müsse. Heimat bedeutet Familie und die Ideale, für die so viele Menschen sterben mussten. Heimat bedeutet, sich einen Funken Menschlichkeit zu bewahren und sich nicht von der Angst und der Ideologie klein machen zu lassen.

In den Kinokritiken wird der Film sehr unpolitisch besprochen. Im Vordergrund steht die Geschichte des kleinen Mädchen, das sich kindlich rebellisch am Leben behauptet. Wie schwer und teilweise schrecklich dies in Verhältnissen wie den iranischen sein kann, verschwindet anscheinend für das breite Publikum. Der Film wird als »bezaubernd« oder auch »erfrischend« beschrieben. Vielleicht macht »« die Realität und die Geschichte des Irans nicht deutlich genug oder bleibt zu verspielt, wenn es um Krieg, Repression und politischen Mord geht. Aber eventuell kann ein Film, besonders ein Trickfilm, solche Themen nicht ernsthaft bearbeiten, aber dann bleibt er nur ein Plädoyer für Menschlichkeit und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Vielleicht genügt das ja manchmal.


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  1. stue 18.12.2007 / 1:40

    »Heimat bedeutet Familie und die Ideale, für die so viele Menschen sterben mussten. Heimat bedeutet, sich einen Funken Menschlichkeit zu bewahren und sich nicht von der Angst und der Ideologie klein machen zu lassen.«

    das aus der rezension entnommene zitat stellt sehr gut das empathische verhältnis des autors zu persepolis dar. so wird im rahmen dieser etwas zu wohlwollenden rezension der iranische kulturnationalismus ausser acht gelassen wie eine reihe antimoderner avancen, die erst im interview mit satrapis voll zu tage treten, wenn diese etwa im stern george w. bush mit ahmadenidschad gleichsetzt oder gegen westliche dekadenz wettert.
    persepolis ist sowohl aus ästhetischer als auch aus gesellschaftskritischer perspektive ein interessanter film, der jedoch eine kritische perspektive erfordert.

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