Von Chris
Interview mit Nagel über Freunde der Nacht/Ruhe, Muff Potter und so.
Vorhang auf: Nagel von Muff Potter stand dem Beatpunk Webzine auf einem seiner Solo-Konzerte am 09.12.2005 in Ludwigsburg, die er unter dem Label Freunde der Nacht/Ruhe bestreitet, Frage und Antwort. Ein Gespräch kam dabei heraus, das sich entwickelte; eben so, wie sich Muff Potter über die Jahre hinweg entwickelt haben und nun – das bestätigt das neue Album »Von wegen« – da angekommen zu sein scheinen, wo sie hin wollten. Was noch kommt, darf mit Spannung erwartet werden. Warum? Lest selbst…
Beatpunk Webzine (Chris): Wie kommt man als Muff Potter-Sänger dazu, solo auf Tour zu gehen?
Nagel: Was ich immer gerne im Vorfeld erwähne, da ich es wichtig finde, ist, dass ich mir durchaus bewusst bin, dass es keine revolutionäre Idee ist, mit Gitarre und Koffer durch die Gegend zu reisen. Es ist momentan so, dass viele Sänger oder Gitaristen aus Rockbands diesen Singer‑/Songwriter-Kram machen. Die haben Bock das zu tun und ich gehöre da einfach dazu. Dazu kommt, dass wir nach zwölf Jahren Muff Potter das erste Mal eine Plattenfirma haben. Nicht nur eine große, sondern überhaupt zum ersten Mal eine, und dadurch, dass ich vorher den ganzen Huck’s Plattenkiste-Kram gemacht habe, den ich jetzt auch noch mache, wird bei mir sehr viel Energie frei, andere Sachen zu tun, die ich schon immer mal anpeilen wollte. Zum Beispiel auf eine andere Art Musik zu machen. Nicht immer in diesem Rock-Outfit. Das Angenehme an so einer Solo-Tour ist, dass erstmal die Musik auf einem ganz anderen Level funktioniert. Es ist kein Rock-Konzert. Es geht nicht um Lautstärke und um Tanzen. Es geht einfach um eine gemütliche Stunde, die man da zusammen hat und in der man sich auch ein bisschen Mühe mit dem Entertainment geben muss. Ich bin zwar immer noch total gerne auf Tour, aber es hat sich eine gewisse Routine zwangsläufig dabei eingestellt. Das ist auch nicht schlimm, aber ich finde es immer gut, wenn man sich wieder neuen Sachen stellt, um an sich den Spaß an der Sache nicht zu verlieren. Genauso, wie ich mich nach dieser Woche Solo-Tour wieder darauf freue, Amps durch die Gegend zu schleppen und sieben schreiende Leute um mich herum zu haben. Freunde der Nacht/Ruhe ist Abwechslung und keine Konkurrenz zu Muff Potter. Das ist meine eigene kleine Zugabe.
Du hast vorher erwähnt, dass der Unterschied zwischen einer Rock-Show im konventionellen Sinn und einem Akkustik-Solo-Konzert in der Bühnenpräsenz liegt. Findest du, dass du ein intimeres Verhältnis auf Solo-Konzerten zum Publikum hast? Wenn ja, wie versuchst du das dann rüberzubringen?
Ja, die intimere Athmosphäre spürt man ganz eindeutig. Allein schon die Abwesenheit eines Schlagzeugs macht da schon viel aus. Es gibt keinen Beat. Ein Freunde der Nacht/Ruhe-Auftritt funktioniert nicht über den Arsch. Gute Rockmusik funktioniert über Arsch und Beine, das gehört dazu und so muss das auch sein. Solo ist das natürlich nicht so. Ich hoffe aber trotzdem, dass die Leute auch Bock auf die Lieder haben. Ich habe in den letzten Tagen auch gemerkt, dass das Publikum irgendwie mitsingt, aber eben in einem ganz anderen Rahmen. Natürlich sind die Konzerte kleiner, viele Leute sitzen, die Ansagen mache ich meistens ohne Mikro – das Publikum und ich, wir haben uns einfach so ein bisschen unterhalten. Beim ersten Konzert in Nürnberg beispielsweise habe ich gesagt, dass ich jetzt auch eine Homepage habe und da wurde von irgendjemandem nachgefragt, ob da ein Slash zwischen »Nacht« und »Ruhe« ist. Das wollte ich eigentlich gerne einbauen, ging aber nicht und der Typ war irgend ein html-Heini und hat mir dann erklärt, warum das nicht geht. Das fand ich schon ziemlich gut. Das ganze war während des Konzertes und so etwas geht bei Rockmusik immer nur bedingt.
Wie ist das dann so, wenn du solo unterwegs bist und immer der große Name Muff Potter im Raum steht? Haben die Leute dann irgendwie größere Erwartungen an dich? Spürst du das auf den Konzerten? Oder anders: glaubst du, dass die Leute auf ein Solo-Konzert von dir kommen, weil du der Sänger von Muff Potter bist? Ist es vielleicht gerade auch ein bisschen in auf ein Nagel-Solo-Konzert zu gehen?
Ja, das denke ich schon. Ich habe den Eindruck, dass die Leute es auch interessiert. Ich habe mir mit Freunde der Nacht/Ruhe einen Namen gegeben, weil ich es einfach blöd finde, wenn auf den Ankündigungen überall nur »Nagel von Muff Potter« steht. Es ist aber auch klar, ich habe auf den ersten Solo-Konzerten einfach nur Muff Potter-Songs unplugged gespielt und ein paar Cover-Sachen dazu und vor zwei Wochen habe ich erst eigene Lieder gemacht. Ich wollte unbedingt auf dieser Tour wenigstens ein eigenes Lied haben und da ich immer sehr, sehr lange für einen Text brauche war ich selbst total erstaunt darüber, dass ich an einem Tag diesen Song geschrieben habe und habe mich direkt an das nächste gesetzt. Dadurch, dass ich jetzt eigene Songs habe, denke ich auch einen Schritt weiter. Dann will ich vielleicht irgendwann mal aufnehmen und neue Songs schreiben, damit sich das lohnt. Und dann kann man auch mal an den Punkt kommen, wo Freunde der Nacht/Ruhe dann auch ein eigenes Ding ist und nicht »nur« »Nagel von Muff Potter«. Aber im Moment ist es einfach »Nagel von Muff Potter«. Das kann ich niemandem verübeln. Ich habe mich auch gar nicht in dieser Singer‑/Songwriter-Tradition gesehen. So weit würde ich gar nicht gehen, mich so zu bezeichnen. Erst wenn man eigene Songs spielt kann man das vielleicht machen.
Wie denkst du, ist es für die übrigen Muff Potters? Glaubst du, dass du durch die Solo-Sachen vom Publikum zu einem unantastbaren Frontmann gemacht wirst, sich alles nur auf Nagel fixiert und nicht mehr auf die Band als Ganzes?
Nein das glaube ich nicht, beziehungsweise nicht mehr, als es ohnehin schon ist. Erstens liegt es in der Natur der Sache, dass der Sänger, Gitarrist und Hauptsongwriter einer Band einfach immer ein Stückchen weiter vorne steht. Das ist einfach so und wird man auch nie komplett wieder loskriegen können. Wir haben mit Muff Potter seit fünf, sechs Jahren eine feste Besetzung, aber ich bin der Einzige, der von Anfang an dabei ist, habe das Label und das Booking gemacht. Die meisten Leute wenden sich immer an mich. Das heißt aber nicht, dass es bandintern genauso verteilt ist. Nach außen hin hat sich das so entwickelt, ohne, dass ich das gewollt hätte. Es liegt natürlich auch nahe, dass ich als Sänger und Gitarrist so ein Solo-Ding mache. Brami stellt sich nicht mit seinem Schlagzeug auf die Bühne und spielt Muff Potter-Songs. Außerdem machen alle in der Band unterschiedliche Sachen. Dennis macht zum Beispiel sehr viel Musik zu Hause, sehr viel Theater-Musik, Hörspiele und Filme. Er hat sich ein richtig kleines Studio zusammengebaut. Muff Potter ist aber immer erste Geige.
Wenn du jetzt mal deine musikalische Karriere Revue passieren lässt und alles aus der Position von heute betrachtest, hast du dann ein komisches Gefühl dabei, früher durch Juzes und autonome Schuppen getourt zu sein und mittlerweile ein richtiges Musiker-Leben zu führen?
Nein, ich finde das geil. Ich bin sehr sehr dankbar, wie das alles für uns gerade läuft. Wir waren als Band noch nie freier. Viele Leute denken, dass das ja ein Paradoxon sein muss. Denn wir sind ja auf einem Majorlabel und die unterdrücken uns. Aber das ist nicht so. Wir haben jetzt endlich die Möglichkeiten, das zu machen, was wir schon immer machen wollten. Nämlich Musik. Das würden wir auch ohne großes Label natürlich machen, haben wir die letzten Jahre ja auch gemacht. In den letzten drei bis vier Jahren sind wir konstant getourt, haben fünfmal die Woche geprobt, Songs geschrieben. Das, was jetzt am Start ist, ist gar nicht so konträr zu dem wie Muff Potter vor fünf Jahren funktioniert hat. Es hat ich einfach nur weiterentwickelt. Und dafür bin ich dankbar. Ich habe Abi gemacht und nie irgendwas Seriöses angefangen. Keine Lehre, kein Studium – ich war zwar eingeschrieben, aber nur pro forma – habe immer irgendwelche beschissenen Nebejobs gemacht und ich wusste immer: ich will Musik machen. Von daher bin ich dankbar, dass ich nicht irgendeinen Scheiß-Job machen muss, sondern immer irgendwie unterwegs bin. Das wird die nächsten Monate auch so sein. Vielleicht werde ich mir irgendwann wieder einen Job suchen müssen, aber dann habe ich wenigstens das Gefühl, das zu tun, worauf ich Bock habe und irgendwie selbstbestimmt zu leben.
Ist es dabei aber auch nicht so, dass als Privatperson wenn ihr ständig unterwegs seid, gewisse Dinge auf der Strecke bleiben?
Ja, alles. Es gibt einfach kein großes Privatleben mehr. Wenn man irgendein Interesse an Sicherheit hat, an finanzieller Sicherheit oder familiärer Sicherheit, wenn man Familie plant, ein festes Einkommen will, dann kann man das nicht machen, was wir tun. Bei uns kann man nie zwei Monate im Voraus wissen, was kommt. Es kann immer was dazwischen kommen. Wenn die nächste Tour scheiße wird, dann stehen wir alle blöd da und haben kein Geld. Mir persönlich kommt dieses Ding sehr entgegen, weil mir dieses Sicherheits-Ding eigentlich immer mehr Angst gemacht hat. Ich bin mit der Gabe gesegnet, mir nicht so viel Sorgen um solche Sachen zu machen. Das ist gut, sonst würde ich wahrscheinlich oft nächtelang wach liegen. Ich habe immer gedacht, dass es irgendwie schon laufen wird und seit etwas mehr als 10 Jahren läuft es auch. Ich lebe noch, mir geht es gut und ich habe alles, was ich brauche. Damit bin ich zufrieden. Wenn es bei Muff Potter Besetzungswechsel gab, waren es aber immer diese Gründe. Wir sind nie im Streit auseinander gegangen, sondern es waren immer irgendwie so Privat-Geschichten, wie Familie etc. im Spiel..
Im Bezug auf die Frage, ob Muff Potter eine politische Band sei, hast du mal geantwortet, dass ihr politische Menschen seid, aber eine menschliche Band. Was bedeutet es für dich ein politischer Mensch zu sein? Funktioniert dieser gestreckte Mittelfinger gegen alle noch?
Bedingt. Natürlich ist alles nicht mehr so so schwarz-weiß wie früher. Als wir Muff Potter gegründet haben war ich sechzehn. Man kann mir jetzt Texte der ersten Muff Potter-Platten um die Ohren hauen, was aber einfach total unfair ist, weil Menschen mit sechzehn, siebzehn, achtzehn die gleichen Sachen rausgehauen haben. Nur haben die nicht seit zwölf Jahren die selbe Band, sondern sind mittlerweile bei der Sparkasse und tun das als Jugendsünden ab. Ich stehe immer noch hinter allen Sachen, die wir gemacht haben, wobei eben manches für mich einfach nicht mehr aktuell ist. So ein Text wie »Gefangen« vom Demo, den würde ich nicht mehr schreiben. Damals war alles einfach und irgendwie auch schön und dann merkt man irgendwann, dass das doch gar nicht so ist. Politisch sehe ich mich eher als sehr wachsamen Menschen. Ich interessiere mich dafür, was passiert. Ich habe an Muff Potter nicht den Anspruch, Propaganda zu machen oder unbedingt politisch aufzutreten. Ich denke, dass die Individuen bei Muff Potter ihre jeweiligen Vorstellungen schon mit einfließen lassen und dadurch eben bestimmte Dinge auch verarbeitet werden. Zum Beispiel »Punkt 9«, das ist ja der erste explizit politische Muff Potter-Text seit Jahren, bei dem wir einfach mal Bock hatten, uns zu äußern. Ich habe aber nicht den Anspruch, mich zu jedem Thema äußern zu müssen. Es geht um Musik, Muff Potter sind in erster Linie eine Band.
Vorher hast du die Huck´s Plattenkiste erwähnt. Gibt’s die noch? Soll da eventuell mal was nach kommen?
Huck´s Plattenkiste war immer nur für Muff Potter-Releases bestimmt. Abgesehen davon ist Labelarbeit der absolute Horror, die letzte Scheiße, die man machen kann. Für mich ging es immer nur darum Muff Potter-Platten rauszubringen und zwar so, wie wir die machen wollten. Dann haben wir uns überlegt, da ich den ganzen Tag mit Muff Potter beschäftigt war, dass wir ein anderes Label brauchen. Entweder wir machen alles allein oder wir nehmen uns ein großes Label. Was anderes stand nicht zur Debatte. Mit Huck´s Plattenkiste ist es ja so, dass die »Von wegen«-Platte ja immer noch irgendwie darauf erscheint. Der Name steht auf dem Cover. Wir haben die Platte fertig aufgenommen und dann erst kamen die Labels, also hätten wir die Platte auch selber rausbringen können. Huck´s Plattenkiste gibt es weiterhin, aber ich werde keine Platten von anderen Bands machen.
Das Wasted Paper ist auch so ein altes Projekt. Acht Jahre, acht Ausgaben zynische Punkrock-Poesie. Warum habt ihr aufgehört?
Wiesmann und ich haben uns so ein bisschen an der Szene abgearbeitet. Das war ja immer ein ziemlicher Rundumschlag gegen eine beschissene Punkrock-Szene und gerade mit der Nummer 8 war das nicht mehr zu toppen. Das war unser Schlusspunkt, das letzte Wort und da haben wir uns zwar nicht aus der Szene, aber von diesem Klüngel verabschiedet. Wenn wir eine Nummer 9 gemacht hätten, wäre das sicherlich ganz anders geworden. Wir wussten nicht genau, dass wir aufhören werden, haben uns aber gefragt, ob wir diesen Leuten noch irgendetwas zu sagen haben und das war nicht mehr der Fall. Aber ich schreibe trotzdem noch viel, mache Lesungen. Gerade schreibe ich wieder ziemlich viel und irgendwie habe ich auch vor, das mal zu publizieren. Aber nicht mehr in Punkrock-Fanzines.
Hast du Bock, mal ein Buch zu machen?
Ja. Ich fange da gerade erst an. Mit vierzehn habe ich begonnen Tagebuch zu schreiben, fast täglich. Von daher muss ich mich zum Schreiben gar nicht so sehr zwingen. Das, was ich im Moment schreibe, hat sehr viel mit Musik zu tun. Aber ich versuche schon einen Ansatz zu finden, der über dieses Tourtagebuch-Ding hinausgeht. Ich kann das aber noch nicht so richtig konkretisieren. Das finde ich aber auch gut momentan. Ich schaue einfach mal – wie bei Freunde der Nacht/Ruhe – wohin es mich treibt. Kann auch sein, dass das alles nichts wird, aber dann lasse ich es eben wieder. Man sollte sich immer trauen, auch Fehler zu machen. Sonst würde es ja nie was Neues geben. Man darf sich dann auch getrost Fehler eingestehen. Weiter geht es immer irgendwie. Und was mich gerade in der Punkrock-Szene ärgert, ist, dass es so unheimlich spießig ist, weil einem kein Fehler verziehen wird, alles 100 % genau und korrekt sein muss. Das ist so ein spießiger, langweiliger Mist. Eben das, was wir im Wasted Paper immer kritisiert haben. Das sehe ich immer noch so und ich habe keine Lust mehr mich in dem, was ich mache bremsen zu lassen.
Du hast gerade angesprochen, dass beim Wasted Paper irgendwann so ein Punkt erreicht war, an dem ihr nicht mehr weiter machen konntet. Hast du dich während der Zeit über sehr verändert? Gehst du mehr Kompromisse ein oder hat es doch irgendwie immer funktioniert zu sagen: »Wir machen unser eigenes Ding«?
Ja, das ging erstaunlich gut. Gerade jetzt beim Major. Wenn man das richtig nutzt, für sich nutzt, kann man sich viel mehr auf andere Sachen konzentrieren. Ich bin viel kreativer. Klar verändert man sich. Ich finde uns immer noch ziemlich kompromisslos, wobei wir nicht mehr so blauäugig schwarz-weiß sind – so ein Majorlabel ist für mich nicht der Feind, da geht die Welt nicht davon unter, wenn man dort veröffentlicht. Das habe ich früher anders gesehen. Kompromiss ist immer so ein konnotiertes Wort, bei dem Gut und Böse immer mitschwingen, deswegen finde ich es irgendwie falsch, das so zu belabeln. Was ich dazu gelernt habe, ist Vorschläge von anderen überhaupt anzunehmen. Da habe ich lange dafür gebraucht. Früher dachte ich immer, dass ich genau weiß, was ich mache und nur so, wie ich mir irgendetwas vorstelle muss es auch sein. Jetzt haben wir einen ziemlich großen kreativen Pool von Freunden, die nach und nach dazu gekommen sind und das finde ich schon eine Bereicherung. Ich habe gelernt, nicht mehr allzu starrsinnig zu sein.
War denn dann früher alles einfacher?
Im gewissen Sinne schon. Wir waren die Guten, die anderen waren alles Lehrer, Nazis, Spießer und Majorlabels. Wir waren Punker und dachten, das wäre per se cool. Und irgendwann merkt man dann, dass Punker zu einem genauso großen Prozentsatz Hohlbirnen und Spießer sein können, wie die Feindbilder von nebenan. Ich genieße es ein realistischer Mensch zu sein, weil es gar nicht anders funktionieren kann. Man merkt das an so Leuten, die ewig dabei sind und vielleicht immer noch in irgendeiner Ideologie hängen geblieben sind. Die werden irgendwann so verbittert und das möchte ich einfach nicht. Dazu gibt es dann doch zuviel Interessantes zu entdecken, um immer gleich zu bleiben.
Hast du manchmal Angst davor, so ein bisschen als deutsches Aushängeschild angepriesen zu werden?
Nein, überhaupt nicht. Als wir damals angefangen haben, da hatten wir einen Proberaum mit Bands zusammen, die alle klangen wie Dog Eat Dog, Neurosis, Suicidal Tendencies oder Nirvana. Punkrock und deutsche Texte waren sowas von out. Dieser Deutsch-Sing-Hype ist relativ neu, den gibt es ja erst seit ein paar Jahren. Wir haben uns nie darüber definiert, dass wir eine deutschsprachige Band sind. Eigentlich hören wir kaum deutschsprachige Musik. Für diesen Deutsch-Hype hat uns auch Universal nie instrumentalisiert. Das wurde von uns vertraglich auch so festgelegt, dass wir auf so »Heimat«-Sampler einfach nicht drauf kommen wollen. Damit wollen wir nichts zu tun haben. Wir definieren uns nicht über Nationalität.
Wo soll es denn mit Freunde der Nacht/Ruhe hingehen? Gibt es schon Perspektiven?
Seit zwei Wochen habe ich meine ersten beiden Songs und natürlich ging der Gedanke gleich in die Richtung, wie man das aufnehmen kann. Aber ich sehe das alles sehr locker. Das ist erst mal Spaß und alles weitere wird schon kommen.
Dabei wünschen wir viel Glück und alles Gute.
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