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Von Janette

In Friedrichshain haben sich zwei Künstler dem Character verschrieben und mit ihren Bildern eine eröffnet. war für Johan und Mateo aber nie ein wirkliches Thema um sich aktiv daran zu beteiligen. Johan Potma kommt ursprünglich aus Holland und hat dort Design und Illustration studiert, Mateo kommt aus den USA und auch er hat ein abgeschlossenes Studium in Illustration. Seit ca. drei Jahren leben sie in und seit Dezember des vergangenen Jahres sind die beiden stolze Besitzer der . Was ursprünglich einmal auf einem kleinen Tisch auf dem Flohmarkt begann, soll jetzt eine feste Institution in der Berliner Kunstszene werden. Über zwei Räume erstreckt sich die Ausstellung ihrer Arbeiten. Weil es draußen eh viel zu kalt ist und auch viel zu dunkel, hat sich Janette fürs Beatpunk Webzine in die Welt von Neon Strahlern und Acryl auf Leinwand begeben.

Beatpunk Webzine (Janette): Ihr kommt ja nun nicht grad aus der gleichen Gegend. Wie habt ihr euch kennen gelernt?
Johan: Ich habe in einer Internetfirma gearbeitet, die Künstler zeigt und ich habe Mateos Arbeiten in einer entdeckt, das war vor einem Jahr und dann habe ich ihn eingeladen, wir haben uns gegenseitig unsere Arbeiten gezeigt und ich war hin und weg, denn das was Mateo zeichnete war dem was ich mache so ähnlich!

Wo liegen eure Wurzeln, die Konzentration auf den Character in euren Bildern lässt eine Herkunft aus oder der Comicszene vermuten?
Johan: und Graffiti war immer um mich herum. Es fing mit dem Skateboarden an. Als ich fünfzehn war. Ich habe versucht zu Sprayen, aber das war nichts für mich, das Zeichnen interessierte mich mehr.
Mateo: Ich war immer schon von Kinderbüchern inspiriert, Dinge die fantasievoll und gruselig waren. Schon als Kind, war Kunst immer die Erfahrung, eine Welt zu kreieren, in der ich mich verlieren kann. Also Zeichnen war immer wie eine Schlacht, etwas Dynamisches. Ich zeichne also jemanden, der in einem Eisblock festfriert, ich zeichne einen Eisblock und einen großes Blitz der das Eis zerstört und wenn ich fertig bin, dann gibt es nichts mehr zu zeigen, außer einem großen Loch in einem Stück Papier. Aber ich hatte eine großartige Zeit – es ging für mich schon immer mehr um die Erfahrung des Zeichnen als um das fertige Produkt. Als ich aufgewachsen bin, war Graffiti (auf den ersten Blick) fast nur Taggen, das fand ich wenig kreativ.

Welche Rolle spielt der Character in eurer Arbeit und gibt es welche, die ihr öfter verwendet oder sind es immer andere?
Johan: Nein, dass sind immer andere glaube ich… Wir bauen diese Character oder Welten, die sehr auf dem Character basieren. Wir erzählen Geschichten durch den Character, weil der sich sehr für Identifikationen eignet und einfach viel ausdrücken kann. Ein Werkzeug sozusagen, dass verbindet uns mit und Comics, aber wir machen das hier (). We make Moments.

Eure Character würden aber ohne weiteres auf der Straße funktionieren, schaut ihr viel auf diese Szene?
Mateo: Ich mag es total, wenn der öffentliche Raum verändert wird, und die Leute merken, dass sich in der Straße Dinge verändern können. Die Realität wird verdreht, wenn du so daran gewöhnt bist, ein und den selben Weg zu gehen und gar nicht aufmerksam deine Umgebung wahrnimmst und Leute sich dann kreativ mit der Umwelt auseinandersetzen und dich zum anhalten zwingen.
Johan: Das mag ich so an der Berliner , hier gibt es eine große Stencil Szene, also ich mag Graffiti, aber ich glaube bei den ganzen Stencil Sachen steckt mehr Überlegung dahinter. Die Leute sitzen zu hause und nehmen sich enorm viel Zeit diese kleinen Sticker oder Poster zu machen und senden dir versteckte Nachrichten damit. Auch die Sachen, mit den riesigen Plakaten aus der Werbung sind super, die herkömmlichen Gesichter werden einfach übermalt oder die Werbe Message wird verändert.
Mateo: Es gibt so viele wahnsinnig kreative Leute, diese Styropor Installationen, die chinesischen Schriftzeichen ähneln (AKIM) oder die Smily Deckel (1cm Artist).
Johan: Ja, der Kerl ist ein schwer beschäftigter Mann.

Und wie läuft das so zwischen euch, inspiriert ihr euch gegenseitig?
Mateo: Inspirieren und Kopieren sind nicht weit von einander entfernt, manchmal zeichne ich etwas um dann festzustellen, dass Johan etwas Ähnliches gestern gemacht hat.

Was war vor und der eigenen ?
Johan: Ich habe als Illustrator gearbeitet, zum Beispiel für den Playboy oder das Money Magazin. Und Mateo hat schon Ausstellungen gemacht.
Mateo: Im Grunde habe ich in San Fransisco viele »Art Shows« gemacht, das sind zwar auch nur Ausstellungen, aber es war immer dynamischer als hier, mehr Mode und Musik simultan zu der eigentlichen Kunst. Ich habe viel gemalt und verkauft, das läuft da ziemlich gut, grade auch für Street Art und Illustrationen. Als ich nach kam, habe ich diese Szene, wie ich sie aus San Franzisko kannte, gesucht aber rein gar nichts gefunden. Es gab hier und da mal Ausstellungen, aber nicht diesen Kreislauf aus Aktionen. Und da habe ich langsam Angst bekommen, dass ich meine Kunst hier nicht verkaufen könnte, die meisten Galerien, zum Beispiel in Mitte haben diesen Fokus auf Avantgarde.
In Friedrichshain habe ich dann auf dem Flohmarkt gesehen, dass dort Leute Kunst verkaufen. Ich bin da hin gegangen und habe gefragt was sie dafür verlangen, es waren etwa 60 Euro für ein kleines Bild. Ich dachte, dass könnte ich auch machen… nur besser. Also fing ich an auf dem Boxhagener Platz Flohmarkt zu stehen.

Nur dort?
Johan: Ja nur dort und es ist immer noch eine guter Ort um zu verkaufen und sich zu zeigen. Das ist jeden Sonntag mein Job… Der Flohmarkt schien mir erst kein guter Ort zum Verkaufen von Kunst zu sein, ich fand die dort gezeigten Sachen schon gut, aber es fehlte die Glaubhaftigkeit der Bilder, wenn sie da so auf einem Plastetisch lagen.
Mateo: Ja es sieht für einige vielleicht verzweifelt aus, ich glaube, dass ist die Konnotation die einige Leute noch immer zu diesen Flohmärkten haben, dass es dort alte, müllige Dinge gibt. Aber das ist definitiv der Ort, zu dem Leute gehen. Jeden Sonntag, es ist unglaublich, wie viele Menschen sich hier versammeln.
Johan: Ich mochte Flohmärkte schon immer um dort alte Sachen zu kaufen und Material zu sammeln. Der Flohmarkt ist der perfekte Platz für mich geworden, weil ich alle Dinge von dort in meinen Bildern recycle. Wir benutzen alte Fenster, Türen und Zeitungen und verarbeiten das dann zu Collagen. Der Flohmarkt ist also auch Teil unserer Arbeit geworden und nur wegen dem Flohmarkt können wir letztendlich hier in der sitzen!
Mateo: Für mich lief es dort immer besser, Johan wollte aus finanziellen Gründen schon zurück nach Holland gehen, da bot ich ihm an, mit mir auf dem Flohmarkt zu stehen. Zuerst bemerkte ich, dass meine Verkäufe zurückgingen, weil wir ähnliche Sachen auf dem gleichen Markt verkauften. Diese Konkurrenz hätte also durchaus wenig konstruktiv sein können, aber wir haben bemerkt, dass es auch eine Chance war, Ideen zu teilen.

Ihr denkt schon, dass die als Ort für Kunst immer noch am besten funktioniert, auch wenn die Dinge sich geändert haben und ihr beispielsweise auf dem Flohmarkt Erfolg haben könnt oder Bilder über das Internet verkaufen könnt. Ihr habt ja zum Beispiel auch beide einen Fotolog.
Johan: Ein Bild auf einem Computer unterscheidet sich erheblich von einem Orginal. Kunst online zu verkaufen, dass geht schon, aber es läuft nicht besonders gut.
Mateo: Galerien sind schon noch der Ort. Galerien müssen sich nur modernisieren und sich mehr für Graffiti und dergleichen öffnen.
Johan: Die meisten Galerien schüchtern die Leute ziemlich ein, wir versuchen sehr offen zu sein, dass hier ist ein Laden und wir verkaufen ein Produkt, um Kunst zu machen und davon leben zu können. Das kann jeder wissen und deshalb ist auch jeder willkommen. Die Leute können uns hier ja auch beim Arbeiten zu sehen.

Wie sieht der Arbeitsprozess aus, braucht ihr Musik während des Zeichens?
Mateo: Musik hilft, es ist immer besser mit Musik zu zeichnen. Ich schau immer nach neuer Musik, weil ich einfach so oft Musik höre…Es ist entscheidend für mich, Musik um mich zu haben, sie dient ganz klar als Inspiration. In Stille zu zeichnen ist einfach nicht das Gleiche.
Johan: Die beiden Sachen sind sich ja auch sehr ähnlich, Stimmungen werden erzeugt und Geschichten erzählt. Ein Zeichenstil kann auch ein Stil in der Musik sein. Du fängst mit einer kleinen Melodie an oder eben mit einer Skizze. Wir machen ja auch so eine Art Jam Session, wenn wir im Cafe sitzen und anfangen Skizzen zu machen und rumblödeln, uns gegenseitig die Entwürfe vollkritzeln und die Leute schon denken, wir hätten einen Schaden.
Mateo: Musik und Zeichnen gehören einfach zusammen, ich habe zum Beispiel auch schon Artwork für Bands gemacht. Zwar nur für kleinere Bands, mit denen ich befreundet bin, zum Beispiel Recliner. CD Artworks zu machen, macht totalen Spaß, Schade das die Tage von Vinyl vorüber sind, weil du da einfach eine große Fläche hast, auf der du dich austoben kannst. Aber das kann sich heute wohl kaum noch jemand leisten.
Johan: Ja das ist echt schade, weil grade bei unbekannten Bands, das Cover mich dann die Platte kaufen lässt. Es ist echt schön, wenn das Visuelle und die Musik sich einander ergänzen können.

Seit ihr noch oft zu hause, also in Holland oder den USA?
Johan: Ja ich habe noch Klienten in Holland und auch in den Staaten und Australien. Das ist das Schöne, dass Kunst so eine weltweite Sache ist und die Leute dich einfach aus dem Netz kennen und dich dann zu einer Ausstellung einladen.

Macht ihr eigentlich auch noch Comics?
Johan: Ab und An. Ich bin immer noch in dieser Gruppe von Comiczeichnern – das Ganze nennt sich S.m.a.c. Wir machen Underground Comics und haben auch schon Fullcolour Releases gemacht. Aber es wird immer schwieriger etwas zusammen zu machen, weil wir ziemlich verstreut in der Welt leben. Nicht, weil wir nicht zusammenkommen, eher weil jeder mit seinem eigenen Kram beschäftigt ist.


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