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Nicht dazugehören

Der Todestag von Peter Weiss jährt sich zum dreißigsten Mal. Ein auf Youtube verfügbarer Dokumentarfilm beleuchtet sein »Leben in Gegensätzen«.

Von seinem bildnerischen Werk – das wohl zum Großteil immer noch verschollen ist – über seine filmischen Arbeiten – verdienstvoll, dass der Suhrkamp Verlag zumindest eine Auswahl der Filme wieder zugänglich gemacht hat – bis zu den schriftstellerischen und Theaterarbeiten hat Peter Weiss seine künstlerischen Arbeiten stets als solche »auf Widerruf« verstanden wissen wollen und somit ein umfassendes wie unabgeschlossenes Oeuvre hinterlassen, das, durch allen Formwechsel, Phasen des Experiments, der Sprachfindung, der Politisierung hindurch, kontinuierlich der Frage nachgeht, wie angesichts auswegloser Hoffnungslosigkeit doch noch Hoffnung sein könne.

Die Dokumentation »Der Unzugehörige. Peter Weiss – Leben in Gegensätzen« von Ullrich Kasten aus dem Jahr 2003 ist auf Youtube in voller Länge abrufbar. Der Film portraitiert den politischen Künstler Weiss und zeichnet dessen Biographie, die gesellschaftlich vermittelten individuellen Erfahrungen nach, von der Erfahrung des Exils bis zu derjenigen der Nichtidentität sei’s in West‑ oder Ostdeutschland, sei’s im Literaturbetrieb oder in politischen Zusammenhängen. Weiss blieb ein Isolierter, eben ein Unzugehöriger und wurde zwischen kleinen und großen Blöcken beinahe zerrieben, ausgestoßen mal von der einen, mal von der andern Seite und andererseits hier wie dort zerstörerisch umarmt.

Der Titel der Reihe freilich, in welcher der Film gezeigt wurde und der den Lebenslauf von Weiss post mortem zu einem deutschen erklärt, hat etwas von jener anmaßenden Schamlosigkeit, die den Entronnenen und Exilanten im Nachhinein zu einem macht, der dazugehörte. Stattdessen hat wahrscheinlich gerade die Entfremdung Weiss‘ sein auf die Einlösung vergangener Hoffnung zielendes Urteil über die Gegenwart beflügelt.

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