17.07.2007 / 4:25 pm
Von Tim
„fuckin´ drunk/in a car/on the way to the next rock´n´roll partyâ€?
Zum Anfang würde ich doch sehr gerne das feeling beschreiben, welches einen beim erstmaligen Anhören des Albums überkommt. Also, das fühlt sich in etwa so an, als würde man in einer runtergekommenen Karre, inklusive korrekter Belegschaft, mit 180 die Autobahn runterbrettern, den CD-Player, teuerstes Ausstattungsteil –inklusive 4 Boxen‑ dieser Rostlaube, voll aufgedreht, die Bässe auf 10. Auf der Rückbank befindet sich eine Kühlbox, die, außer Eiswürfeln, zwei Flaschen billigsten Synthetikwhisky beherbergt, daneben 2 Paletten gutes Karlsquell. Jeder der Insassen, außer dem Fahrer selbstverständlich, hält einen Plastikbecher, gefüllt mit Whisky on the rocks, in der einen und eine leckere Büchse Bier in der anderen Hand, zum Nachspülen. Das ganze betreibe man dann einige Stunden, während derer man die CD in Endlosschleife laufen lässt, und alle, außer vielleicht dem Fahrer, werden eine verdammt gute Zeit haben. Innerhalb von Städten ist diese Prozedur nicht zu empfehlen, aufgrund von schnell aufkommender Pöbellaune, die dazu führen könnte, die Scheiben herunter zu kurbeln, um vorübereilende Passanten zu belästigen. Dies würde dann bestenfalls in einer zünftigen Schlägerei und im schlimmsten in einer Ausnüchterungszelle enden. Ihr seid gewarnt.
Wem dieses Szenario nicht zusagen sollte, der lässt am besten die Finger von dieser Band. Alle gestandenen Trinker und Freunde von rotzigem punk rock sind jedoch herzlich eingeladen, sich mal wieder etwas fernab der mainstreamlastigen Höhrgewohnheiten reinzuziehen. Ich möchte mal sagen, dass der Name ihrer Website Programm ist: www.ablaze-rockt.de ist mehr als nur ein Versprechen. Und seien wir mal ehrlich, wann wurde einem Album aus der Sparte punk rock zuletzt so ein genialer Titel verabreicht? Eben, lange her. Dabei beschränkt man sich nicht einmal auf das übliche Geschrammel, welches hier in keinster Weise gedisst werden soll, sondern hält auch eine Violine bereit, übrigens gespielt von einer äußerst attraktiven jungen Dame. Doch kommen wir zu den Tracks und da ich nicht besonders versiert bin, was Harmonien, Akkorde und den ganzen anderen Musikschulkram angeht, wird sich größtenteils auf die emotionale Verfasstheit der Lieder bezogen, von denen auch nur einige herausgepickt wurden. Der Einspieler „666 drinks till death“ ist ein sehr gelungenes Stück über versoffene Partyabende und das üble Erwachen nach solchen, wenn der „rollercoaster in my head“ seine Runden zieht. „Germany“, das zweite Stück im Bunde, fand natürlich meine besondere Beachtung, vor allem textlich. Na ja, ist halt so ein pubertäres Proteststück gegen Staat, Gesellschaft und all die ganzen Wichser. Relativierend in diesem Zusammenhang ist aber, und das ist dieser Band hoch anzurechnen, dass es sich in erster Linie gegen Deutschland, also das ganz spezielle Land dem man entstammt, richtet und nicht gegen die ach so bösen USA, wie man es von genug anderen deutschen Vollidioten kennt. Der vierte Track ist eine, na sagen wir mal, Ballade, die einen großartigen Übergang zum moshigeren Part des Liedes liefert. Jedes mal, wenn ich diesen vernehme, wäre ich gern Teil der pit, die dazu abgeht. Track 5 „stupid people“ rockt, wie fast alles auf der Platte, und meinem Verstehen nach geht es hier irgendwie gegen Nazis. Somit wäre auch diese Mindestanforderung an eine Punkband erfüllt. Jetzt zum Wermutstropfen der Platte, der achte Track „gigolo“. Trotz seiner schmutzig angenehmen Stimme, sieht der Sänger aus wie ein –sorry‑ Milchbubi und hier leistet er diesem Image alle Ehre. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Abgesang auf einen Freund, der wiederum seine, des Sängers, Freundin verführt hat. Leute, völlig daneben gegriffen, sowohl musikalisch –langweilig‑ als auch textlich –erbärmlich‑. Dieses Desaster fällt doch wohl noch jeder Skiptaste zum Opfer und das zu recht. Doch kommen wir zu Track 9, von dem ich außer „runjumprockburn“ so gut wie nix verstehe, macht aber gar nix, ist dies doch eines der rockigsten Stücke, die ich in den vergangenen Monaten hören durfte. That´s rock´n´roll motherrfucker, as dirty as it should be. Doch nun zum hidden track, angehangen an Lied 10, der einfach nur fantastisch ist. Er ist absolut smooth und dynamisch zugleich, wie ein Vollrausch eben. All dies klingt wie eine jam session in irgendeiner versifften Garage, an der Leute teilnehmen, die entweder breit, besoffen oder aber beides zugleich sind. Das ganze mutet an wie eine einsame Odyssee durch nächtliche Straßen, völlig betrunken, ohne Ziel.
„Das zweite Studioalbum bringt Elemente des Stoner Rock/Wüstenrocks, Punk und Rock´n´Roll zusammen(…)“, schreibts im Bandinfo und klingt lächerlich. Keine Ahnung, was das nun sein soll, die Musikexperten unter euch werden mich schelten, aber in jedem Falle geht es absolut nach vorn. Schade nur, dass dies alles, vor allem textlich, ein wenig angefangen und unfertig wirkt. Leute, macht groovige Lieder übers ficken, saufen und Party machen und vielleicht auch mal über das unbestimmbare Leiden innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft, aber versucht bloß nicht, dieses in zwanghaft politischen Schmonzes zu pressen. Von diesem stupiden Quark gibt es eh schon mehr, als man gewillt ist zu ertragen. Als arroganter Großstädter kommt man schnell zu dem Schluss, dass all dies dem Herkunftsort „Melle (LK Osnabrück)“ geschuldet ist, jedoch steckt in dieser Band einiges an musikalischem Potential und man sollte ein Auge auf sie haben. Ich werde beide offen halten, denn sie haben sich, trotz ihrer Mängel, schon jetzt einen Platz in meinem Plattenregal gesichert und hoffentlich überleben sie mehr als 666 Drinks, zumal das nun wirklich nicht sehr viele sind. Cheers folks.
17.07.2007 / 4:25 pm
mein bruder is der sänger..:)
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