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Bedlight For Blue Eyes »Life On Life’s Terms«

Von Sebastian

Wer hört denn bitte so etwas freiwillig? Man ist nach den zwölf Songs geneigt zu sagen: hoffentlich niemand. Aber noch während sich die vage Hoffnung im Mund zu Worten formt, wird man sich ihrer Enttäuschung gewahr. So etwas hören leider viele Menschen. Jungen und Mädchen, die sich traurig ausschauend in einem spitzen Winkel von oben herab für ihr Myspace-Profil fotografieren, die sich hübsch scheiteln, Tunnel in die Ohren jagen, Röhrenhosen und gestreifte Pullover anziehen. Das sollen sie von mir aus ruhig – nur fühlen sie sich dabei von denen unverstanden, mit denen sie musikalisch einiges vereint.

Denn wie schon die Lieblingsinterpreten der Eltern, tönen auch reichlich scheiße. Ihr Handwerk bildet pathetischer Emorock, der nicht nur mit einfallslosen Melodien und einer grauenhaft frischen Stimme nervt, sondern auch noch dämliche Gitarrensoli und ein mistiges Artwork dazu packt. Ein pubertierender Junge ist darauf zu sehen, wie er barfuß und trottelig auf irgendeiner amerikanischen Kleinstadt-Straße steht und drei Paar Schuhe anstarrt, die über die Telefonleitungen geworfen wurden. Wahrscheinlich haben ihn die Football-Spießer aus der Highschool vermöbelt und ihm aus lauter Boshaftigkeit das Schuhwerk entwendet. So gemein ist das Leben als Underdog. Fies, nicht wahr?

Linderung, wenn nicht Erlösung verspricht allein der Himmel und der See, in den unser Antiheld auf den Booklet-Fotos guckt bzw. vor dem er steht. Mit Naturprojektion, einer Runde Borderline‑ oder Inline-Skaten und natürlich im Ohr, wirft man sich der Welt leidend entgegen.

Aber sind wir mal ehrlich und kommen zum Grauenhaftesten, das eingangs bereits Erwähnung fand. Die vorliegende Platte – wie unzählige andere übrigens auch – funktioniert für die derzeitigen Generationen von Heranwachsenden so, wie bei ihren Vätern und Müttern eine Jukebox in einem Raststätten-Diner. In zittriger Ergriffenheit hört man jemandem dabei zu, wie er Dinge singt, die man selber sagen, gesagt bekommen oder erfahren möchte. Spätkapitalistische Romantik hat dabei nichts, aber auch gar nichts mit einem brüchigen Verhältnis zur gesellschaftlichen Totalität zu tun, dafür aber viel mit bürgerlicher Ideologieproduktion. Die Beschwörung der wahren Liebe, des Zaubers einer Frau, von Vorsehung und Schicksalsschlägen, von Melancholie und Nachdenklichkeit modelliert die Vorstellungswelt der Subjekte. Was den Alten der Schlager war, ist ihren Kindern der Empfindsamkeitspop. Oder anders herum: dass selbst Musiker, die aus dem Punk oder Hardcore kommen, ihren Gefühlshaushalt nur im reaktionären Jagon der Schmonzette, des Journals, des Hollywood-Schinkens reflektieren können, weiß hinreichend zu erschrecken. Aus dem vorliegenden Album, nur eine Zeile pro Song als Anschauungsmaterial:

»You’re better than this … But honey all the wrong things feel so right … Hey, you know, love how your body flows … All my live I’ve searched for something to make me whole again … She may not be mine, but I’m all hers … I know, we’re not like them … now I know it all happens for a reason, like every passing season we all have to change … Every day it feels more like the magic’s behind me … You need to understand, that this is not a game … The promise holds true … I can’t stand to watch a mother and father cry.«

Dabei sei keine Lanze für Gefühllosigkeit und innerer Abgestumpftheit gebrochen. Im Gegenteil. Nur darf es wirklich ein wenig mehr sein, als die matschige Fühligkeit, die einem die Kulturindustrie gewöhnlich als Emotion verkauft.


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