Von Wauz
Muss sich Musik immer weiterentwickeln? Sollte jede Platte innovativ sein? Wünschenswert wäre mehr Experimentierfreude bei manchen Genres sicherlich, doch manchmal freut sich der kleine konservative Purist in mir, wenn ich eine neue Platte in die Anlage stecke und ein Album ganz nach den gängigen Stilregeln serviert bekomme und sogar davon begeistert werde. »Never change a winning team«, das gilt wohl auch manchmal bei Musik. Der ein oder andere Hobby-Musikwissenschaftler mag nun bemängeln, dass das so oft zitierte »Rad« nicht neu erfunden wird und dass man das schon tausende Male vorher gehört hat, aber Musik ist immer noch Herzenssache und wenn ich raushöre, dass in Songs Herzblut steckt, dann scheiß ich doch auf all die Lästermäuler die Musik scheinbar nur noch nach Formeln bewerten.
Wie schon zu vermuten, wird bei dieser EP, die das frisch wiedervereinigte Quintett aus Santa Cruz kürzlich veröffentlichte, das Rad wirklich nicht neu erfunden. Melodic-Core wie er im Buche steht, mit schnellen Drumbeats, zuckersüßen Gitarrenmelodien und Chören, die vor Harmonien nur so strotzen. Ab und an werden auch leise Töne nicht gescheut und man begibt sich fast in die fremden Gefilde namens Pop oder Emo. Aber eigenständig ist das trotzdem allemal, was wohl hauptsächlich am Sänger und Songwriter Ted Bond liegt, dessen quäkender Gesang sicher für viele gewöhnungsbedürftig ist, der Band aber erst ihren Wiedererkennungswert und ihren Charme verleiht. Eben auch sein Songwriting ist es, dass die Qualität der EP ausmacht. Das Gespür für eingängige Melodien, sowie leicht eigenwillige Gesangslinien und außergewöhnliche Songstrukturen bescheinigen den Lieder ihr hohes musikalisches Niveau. Die Texte sind intelligent und durchdacht, harmonieren bestens mit der Musik. Sprich: das Gefühl, das die Musik vermittelt ist auch der Inhalt des Textes. Einzig das Lied »e.p.issdumbology« fällt aus der Reihe. Zu klischeegetränkt, zu vereinfacht und für meinen Geschmack auch zu friedensbewegt. Das ist sicherlich gut gemeint und immerhin ist er um Längen besser als manch anderer politischer Quotensong, aber unnötig und deshalb ärgerlich. Da das Lied musikalisch aber kein Ausfall ist, lässt man sich aber auch über diesen lyrischen Faux-Pas hinwegtrösten und das Gesamtbild wird kaum getrübt.
Diese EP ist sicherlich nicht eine Platte die es auf Anhieb in die persönlichen Top 5 schafft, aber zu verzaubern weiß sie allemal und da das Ganze eher als Vorgeschmack auf die bald kommende Full Length ist, verbleibt man in freudiger Erwartung auf eben diese und natürlich auch auf die Europatour 2005.
P.S.: Wer sich nicht daran stört, dass wohl einige Mitglieder der Band Christen sind und dies auch in den Texten durchscheint (aber zum Glück nicht in irgendwelchen »Praise Jesus«-Attacken sondern eher persönlich und kritisch, dass es sogar wieder interessant wird), sollte auch mal den Backkatalog der Band antesten, weil da auch der ein oder andere Hit lauert.
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