Von Abel vB
Herzlich willkommen zur Teletextabstimmung. Heute die Frage: »Was halten sie von Entwicklungen?«
A) »Ist super, sollte es immer und überall geben, am besten aus Automaten!«
B) »Bin ich skeptisch. Was haben die Römer uns denn gebracht?« oder
C) »Weiß nicht.«
(Nur mal am Rande, wie witzig ist das eigentlich, das bei solcherlei Telefonfragen wirklich Leute mit der Meinung »Weiß nicht.« anrufen?)
Aber zurück zu den Entwicklungen. Kommt ja ganz drauf an, wer, was, wann, wo. Musikstile zum Beispiel müssen sich ja nicht entwickeln. Das wäre ja auch Quatsch; wüsste man ja gar nicht mehr was das ist. Und die Musikpresse erfindet doch so gerne neue Genres. Ich möchte nur kurz »No-Rave« erwähnen.
Zurück zur Musik. Merke: Musikstilveränderung ist suboptimal. Wenn man aber eine tolle Band kennen lernt und die Chance hat, sie ab dem ersten Release zu beobachten, kann Entwicklung etwas wunderbares sein. Vor allem wenn sich die Band eh schon in einem Bereich tummelt, der der eigenen Plattensammlung sehr nahe steht und man auditiv miterlebt wie sich die immer neuen Aufnahmen langsam emanzipieren, sich von Vorbildern lösen und ein eigener Stil entsteht.
Bei den ersten Culm Demos war es immer so eine Sache. Potential wie NRW-A-Jugend-Auswahl, aber die Torausbeute, die Chancenverwertung. Leider blieben die meisten Melodien dann doch nicht hängen und es fehlte immer so der letzte Dreh. Bekanntlich ein Problem der meisten Bands. Wenn das 2. Demo dann schon wesentlich tighter an der Hitbaustelle liegt, runder klingt und einfach soviel Sympathie ausstrahlt, dass man es hören muss; dann, ja dann lohnt sich ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft.
Mittlerweile ist der erste Longplayer via Miyagi Records erschienen und kommt wahlweise als Vinyl oder CD auch in dein Wohnzimmer. Der Vinylversion liegt zudem das Album zusätzlich als CD bei, was ganz großartig ist für Leute wie zum Beispiel mich, die zu Hause am liebsten Vinyl hören, aber ja auch mal vor die Tür müssen. Super, dass man die Songs dann auch als Zahlencode in die Tasche stecken kann.
Rein Musikalisch hat sich eigentlich nicht viel verändert, die Songs sind halt stimmiger, runder geworden, es ist eine grade Linie erkennbar. Unterdessen diktiert der Albumtitel die Sinnrichtung der Texte, immer ein Schritt hinter der Abrisskante von dem was man glückliches Leben nennt. Doch zum Glück auch immer 2 Schritte vor dämlichen Klischees und seltsamen Liebesleiden, Grossstadtneurosen oder zerbrochenen Freundschaften. Diskreter, genereller, intelligenter wird festgestellt »life in a steel cage is no life at all«.
Endlich hat Culm es geschafft ihre Möglichkeiten voll auszunutzen und die Musik zu machen die man ab dem ersten Release raushören konnte. Viel Bass, viel Rhythmus, super Schlagzeug, cleane Gitarre und Christophs Gesang hat sich ebenfalls eindeutig entwickelt. Die Frage ob das nun eher Hardcore, Emocore, Mathrock, Postcore, DC-Sound oder einfach Rheine ist, kann man getrost den Musikjournalisten überlassen. Sicher ist, Culm haben es mit »Live In A Steal Cage Is No Life At All« wirklich geschafft Songs zu schreiben, die im Ohr bleiben, die einen ohne große Effekthascherei einfach mitnehmen. Super Sache, gefällt zumindest mir sehr gut.
XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Keine Kommentare
Zum Kommentar - Formular | Kommentare als RSS-Feed [?] | trackback uri [?]