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Dimitrij »Words – Objects«

Von Sebastian

Der Unterschied zwischen Sprache und Stimme, auf den nicht unbeträchtliche Teile der Sprachwissenschaften bestehen, findet sich auf dem Full-Length-Erstling der Wiener Band Dimitrij aufs Schönste bebildert. Ihre nachdenklichen Texte werden durch gutturale oder noch tiefer sitzende Anstrengungen ins Freie befördert und dem Genießer schwungvoll in die Visage geschlagen. Es klingt ein klein wenig so, als hielte sich die Band ein dunkles Vieh im modrigen Keller, das zum Singen von der Leine respektive ans Mikro gelassen wird. Es schnauft und brüllt, es keift und zetert in tiefsten Tiefen, während ein Tierpfleger beruhigend ein paar Sätze dazwischen spricht.

Doch jeden Anflug von Beruhigung zerstückeln die Restinstrumente gekonnt. Entspannung steht nicht auf der Agenda. Wie ein nervöses Zucken umarmen sie den Gesang, zappeln um ihn herum und peitschen ihn hoch. Nicht so auf‑ und abgedreht, wie beim Plot To Blow Up The Eifel Tower oder bei The Locust, aber doch verwinkelt genug, um auf Goldenen Hochzeiten dafür zu sorgen, dass die Besteck-Haltevorrichtungen des menschlichen Körpers vom Wurstteller zu den Ohren hinauf wandern, um sie vor dem empfundenen Missklang zu schützen.

Schmerzverzerrte 40plus-Gesichter müsste es aber eigentlich gar nicht geben, denn Dimitrij haben durchaus etwas für Melodik übrig – die nur eben von den Gitarren, statt vom sonor fauchenden Sänger beigebracht wird. Letzterer wäre auch der alleinige Grund, warum die Waschanleitung zur »Words-Objects« am Ende doch stimmen könnte: »Dimitrij vereinen die Intensität der späten At The Drive-In, die Beklemmung der Eaves, die Energie von Portraits Of Past und die Experimentierfreudigkeit von Drive Like Jehu in einem eigenständigen, unverwechselbaren Sound.« Richtig darin sind das Referenzquadrat und die Auffälligkeit der etwas eintönigen Stimme. Zweifeln darf man hingegen an der behaupteten Eigenständigkeit. Dafür hängen Dimitrij einfach zu sehr an ihrer Spät-90er-‑Ästhetik.


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