26.06.2007 / 11:22 pm
Von Dennis
Ich gehe nicht mehr so gerne auf HC-Konzerte wie früher. Das liegt daran, dass ich mich oft langweile oder nicht mehr wohl fühle unter Gästen, deren einziger Anspruch es ist gut unterhalten zu werden, koste es was es wolle. Das richtige Band-Shirt zu tragen scheint manchmal wichtiger, als die richtigen Standpunkte zu vertreten. Style, Oberflächlichkeit und MySpace sind der Rahmen, der junge Leute an Hardcore begeistert, nicht die transportierten Ideen oder die Musik. Vielleicht die richtige Zeit also, um aufzuhören mit diesem Szenequatsch?
Hardcore ist, was du draus machst. Und was mitunter draus gemacht wird ist schlecht. Wozu also intervenieren, wenn’s doch keinen interessiert? Warum versuchen etwas zu gestalten und aus dem gesellschaftlichen Pflichtprogramm zu reißen, was eh kein Fundament hat, was es gar nicht wirklich gibt? Warum immer weiter versuchen auf Leute einzuwirken, wenn sich nicht einmal untereinander Einigung darüber finden lässt, ob Nazis von Konzerten ausgeschlossen gehören oder nicht? Weil es einmal besser gewesen sein soll, ist da sicher kein Argument. Aus diesen Auflösungserscheinungen heraus tritt das Leipziger Urgestein Farmer’s Boulevard hervor mit einem Befreiungsschlag gegen diese fortschreitende Gleichgültigkeit und den geistigen Dresscode, der lieber Begriffe verteidigt und eine Identitätsblaupause auflegt, als sich mit Musik zu beschäftigen.
Einzig und allein dem Spaß am Hardcore zuträglich und wider jedwedem Bildungsauftrag hauen die Farmer’s 11 Stücke raus, in denen sich die Wut über die Zustände im Großen und im Kleinen anstaut und in unverkennbar kompromisslosem Soundgewand und klaren Worten entlädt. »Hardcore is fuckin` dead« lautet dann auch die unmissverständliche These und der Name des letzten Songs der Platte. Aber weder Resignation lässt sich auf »Red Carpet« finden, noch dass diese Einschätzung mit einem Satz beweint wird. Denn es ist immer was du draus machst.
Zwar mag es in der musikalischen Punklandschaft eher eine peinliche Ausnahme sein, dass Musiker ihr Schaffen einem übergeordneten Zweck opfern, außerhalb der Reichweite des eigenen Plattenspielers aber bedrängt und nötigt eine/n die übrige Popkultur medial mit Liedern und Lobgesang für die Nation. Dabei nicht mitmachen zu wollen sollte ein natürlicher Reflex sein, jedoch: viel mehr als der national-kulturellen Wertbildung eine Absage zu erteilen und diesen gesellschaftlichen Trend zu verurteilen, bleibt einer/m nicht übrig.
Mit Red Carpet haben Farmer’s Boulevard einen, wenn auch nur kleinen Widerspruch formuliert und Position bezogen und das ist das Mindeste, was man tun kann, um dem Elend den Finger zu zeigen, vor und/oder auf der Bühne.
26.06.2007 / 11:22 pm
[…] folgende Plattenkritik bei Beatpunk kam ich mal wieder auf die Seite der, von mir innig geliebten, HC-Band Farmers […]
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