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Horror Business

Von Dennis

»Support your local scene« mag man sich im Hause gesagt haben, denn allein deren Päckchen hat unser Postfach, das zugeben über den Füllraum einer Brottasche verfügt, letztens fast platzen lassen. Vollgestopft mit Tonträgern von Bands aus dem Raum Lünen, Dortmund und der näheren Umgebung, zum Eindruck schinden und Meinung machen. Nicht alle Gruppen sind auf Records veröffentlicht, bei manchen Platten handelt es sich um Demos. Im Folgenden ein sicher nicht umfassender und total subjektiver Überblick.


Deren letztes Album hatte unsere Redaktion vor zwei Jahren auch erreicht, fand aber unter der Menge an potentiellen Rezensenten keinen wirklichen Anklang. Ihre Mischung aus Emopunk und präzise eingesetzten Metalelementen inklusive immer wiederkehrender DoubleBass-Angriffen erschien mir dann doch irgendwie zu unausgegoren. Mit ihrem zweiten Album beweisen DIE (cooles Kürzel oder was?) zumindest, dass das so klingen soll. »Utopia Versus Archetype« ist ziemlich gut, denn es lassen sich, mehrmaliges Anhören vorausgesetzt, einige absolute Ohrwurmgaranten ausmachen. Und trotzdem: nie habe ich diese Band live spielen sehen, niemals eines der Mitglieder kennen gelernt, weshalb auch nur die mitgeschickte Promoaufmachung fürs Urteil herhalten kann, aber irgendetwas wirkt abstoßend an DIE. Es ist dieses völlig unnötiges Rock-Poser-Image, das abschreckt, vom Werbewisch aber unerbitterlich eingefordert wird. Beim vermeintlichen Anpreisen der Live-Qualitäten verspricht der depperte Label-Infozettel potentiellen Konzertbesuchern ordentlich was fürs Auge: nämlich »Karate-movie-action« und »guitar high jumping«, dazu unterstützt von »Eastpack« oder der »Volkswagen Soundfoundation«. Geht’s noch? Preist man so heute Punk-Bands an? Irgendwie unattraktiv. (www.distanceinembrace.com)

covern und kriegen dafür mindestens einen Pluspunkt. Für »Tough Guy« von den Beastie Boys noch einen. Die restlichen fünf Eigenkompositionen auf ihrem Demo sind alle schwer in Ordnung und zeichnen sich besonders durch ihre robuste Einfachheit aus. Ungestüme, halsbrecherische HC-Geschosse – deren wahre Qualität sich vermutlich erst auf der Bühne ermitteln lässt – zusammengesetzt aus präzise emphatischen Riffs, in denen hin und wieder sogar nette Gitarrenmelodien auftauchen, die dann sogleich wieder vom Fronter und dessem beruhigend monotonen Gesang zusammengeschissen werden. Wer sich eine Mischung aus No Reason und alten Snapcase vorstellen kann, dem/der sei Killing Chords Demo »Down The Drain« empfohlen. (www.myspace.com/killingchord)

Man könnte zwar feststellen, daß auf s Platte »All About The Losers« noch das avantgardistische Kunstprodukt seine Anwendung findet, was die Erzeuger in ihrer Oppositionsrolle als Künstler in Verachtung aller Regelkunst auch beurkundet haben. Aber das wäre Quatsch, die sind einfach nur Panne. (www.mucky-feet.de)

können leider auch nicht als Satire verstanden werden, wie ich beim ersten Lesen des Namens gehofft hatte. Über die lustigen Klischee-Songtitel auf »Times We Can´t Replace« musste ich schmunzeln, wobei ich auch der einzige in unserer Runde war, der das noch konnte. Sicher nur ein Demo von einer jungen Band, die noch viel vor sich hat und hoffentlich schnell an weiteren Veröffentlichungen bastelt, aber doch kaum eigenständig genug, um auch nur den Hauch einer Chance aufs Hängenbleiben haben. Als musikalische Referenz zerrt die Band die verflossenen Champion geradezu herbei, und das nicht nur weil auch ihre backing shouts prima im Griff haben, sondern weil sie ein ähnlich technisches Niveau bedienen, dass auf mehr hoffen lässt als auf bloße Youth Crew-Diktion. Daran sollten sie weiter arbeiten, denn an Bands die schnellen Old School spielen, mangelt es ja nicht. (www.myspace.com/overheadkick)

Ich mag ja Bands, die sich und das was sie machen nicht zu ernst nehmen. Bei handelt es sich um solch ein Exemplar. Ebenfalls recht traditionelles Old School-Geratter wird serviert, in das sich ein paar sympathische Verse eingeschmuggelt haben. Man nehme nur den bonehead blues oder das feine »I´m Not In Love With Kelly Trump Anymore«, die an dieser Stelle mal eben Pate für meine Behauptung stehen. An ihren besten Stellen erinnern mich an die Kieler Lachsäcke Bonehouse, an ihren schlechtesten auch. Allerdings hat das Trio schon einen gewissen Grad an Selbständigkeit erarbeitet, das ist nicht zu leugnen. Meiner Meinung nach, ist das Raised Fist-Cover ein bisschen in die Hose gegangen, vielleicht nicht spielerisch, aber so ganz haben sie die Stimmung des Songs dann doch nicht getroffen. Das macht aber nichts, denn es finden sich noch 15 andere auf »Wrong Turns Don’t Count«, und die lohnen ohne Ende. (www.disobeyhc.de)

ist eine an sich gefällige, 4-köpfige Bochumer Youth Crew Kapelle, die aber auf »Breakout« mit nicht grade zu außergewöhnlichem Material an den Start geht. Konsequent schnell, konsequent aggressiv und überraschenderweise nicht ganz so posi wie anfänglich vermutet. Textlich labert man in -Manier rum, spricht Probleme an wie ignorantes Verhalten oder nervige tough guy-Weicheier. Das ist alles schon okay, nichtsdestotrotz nervt dieses ganze Unity-Szene-Gedöns natürlich. Außerdem müssen sich PS mindestens den Vorwurf gefallen lassen, sich nicht besonders viel Mühe bei der Auswahl der Namen ihrer Lieder gegeben zu haben. Wie viele HC-Songs namens »Side By Side«, »Stand Strong« oder »No Regrets« kann die Szene wohl noch vertragen? Aber einer mehr schadet da wohl auch nicht. (www.positive-strike.com)

Zusätzlich liefert die Plattenfirma noch einen Labelsampler mit dem amtlichen Titel »« ab, den man ziemlich gut aushalten kann. Mit Samplern ist es ja immer so eine Sache, treffen doch nie alle Bands wirklich den Geschmack des/der HörerIn. Dieser hier ist allerdings gelungen und bietet mehrheitlich gutes Material von einigen interessanten und, sicher stellvertretend für andere, mir unbekannten Bands, die es anzuchecken lohnt. Auch Altbekanntes trifft sich auf dem 47-Song Scheibchen. Neben Yacöpsae, Woof, Tackleberry aus Kiel, Intruder, Nein Nein Nein oder den notorischen Not Enough, lässt sich sogar ein live-Song von Kill Your Idols finden. Gefällt mir gut.


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