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Jet Black »The Dead End«

Von Antonia

Zum Äußeren: The Dead End ist die letzte Veröffentlichung der Band, sie löst sich nämlich auf. Die Platte hat sechs Stücke, schwarzes Klappcover mit, ui, weißem Vinyl drin, dazu gibt es drei coversized Seiten mit Fotocollage, einem Rückblick auf die Bandgeschichte und Statements von einzelnen Mitgliedern. Ein liebevoller Abschied.

Zum Inneren: Dass ich soooo lange gebraucht habe, um mich zu diesem Review aufzuraffen, hat auch mit meinem ambivalenten Verhältnis zu dieser Platte zu tun. Screamo-Emo-Core (»Heartcore«) aus Bremen mit Gitarrenmelodien und einigen Sprechgesangteilen drin – sehr Molltonart-schön, sehr wütend und sehrsehr verletzlich. Zum laut hören gemacht.

Eben die Sprechgesangsequenzen wirken aber auch so entblößend, dass die Grenze zum peinlich-berührt-sein bei mir manchmal überschritten wird, was ich aber wiederum gleichzeitig souverän und mutig finde. »Authentisch«, das schlimme Wort, wäre hier angebracht, um den Effekt zu beschreiben.

Jet Black bewegen sich konsequent auf diesem schmalen Grat zwischen sich-die-eh-schon-dünne-Haut-vom-Leib-reißen und sich-ein-angry-Gitarrenbrett‑ als-Panzer-darüberziehen. Dabei spielen sie mogwaimäßig mit Dynamiken – jene bleiben zwar selbstredend unerreicht, was Weite und Dichte angeht, aber platt oder eintönig wird die Scheibe nie.

In den Texten ist manchmal ein bisschen viel von »ihr« und »sie« versus des zarten »wir« die Rede, Emo eben: wie die omnipräsente Liebe ist vor allem die Sehnsucht nach Identität immer Thema, eingelöst wird sie glücklicherweise jedoch nicht. Es bleibt beim Sehnen und dem Leiden daran: »Die Maske ist Scheiße ohne mich selbst/Und Du bist/ Und Du bleibst/was niemals ich finde« heißt es im Opener »Ich dazwischen«, »Nichts tut mehr weh, als sich selbst zu vermissen/nichts verlockt mehr, als nicht träumen zu müssen« in »Tanzen«.

Mein Lieblingsstück ist allerdings der Titelsong (ganz ohne Sprechgesang, was will das jetzt sagen?) mit einem grandios gehauchten, mittendrin eingespielten Telefonat. Die Eine will, dass der andere möglichst bald nach Hause kommt, und dass er viel an sie denken musste, mehr erfahren wir nicht. »Can you come today?« bittet sie flehend, dann bricht ein Gitarrenbrett die Gelegenheit zum Lauschen ab, und ganze Filmlandschaften dürfen vor dem inneren Auge entstehen. Vielleicht kennen ja sonst alle den Film, aus dem das Sample stammt, aber bitte trotzdem nicht verraten und damit das Zelluloid dieses ganz privaten Film Noir zerreißen. Ich geb’s zu, ich bin doch Fan.


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