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Kalte Krieger/Gauneri »Split«

Von Lehni

Wiedermal ein besonderes Ärgernis im Briefkasten. Diesmal von nix-gut unglücklicherweise losgeschickt und leider auch noch von der Post zugestellt. Eine Split-CD mit und der tschechischen Punk-Band , deren Texte ich leider nicht übersetzen kann. Deshalb belasse ich es auch dabei, sie vorläufig unter Kollaborationsverdacht zu stellen, da die beiden Bands offensichtlich befreundet und die geistigen Abgründe der Kalten Krieger allzu offensichtlich sind. Man fragt sich ja schon manchmal, was die Leute sich dabei denken, uns solch einen Scheiss zu schicken. Ok, ich meine, klar: Ich verreisse diesen Schund gerne, aber wenn das so weiter geht, müssen wir im Keller anbauen, um die Schublade »regressiver deutscher Punkmist« unter zu kriegen.

Wenn sich die lieben Deutschpunker aus dem Frankenland die Iros abschneiden würden, könnten sie das Teil jedenfalls problemlos bei Rock Nord einschicken und sich über Absatzsteigerung im nationalen Lager freuen. Denkt mal drüber nach, ihr Deppen!

Wäre es nur bei den belanglosen, unglaublich schlechten Texten über Bier, Stau auf der Autobahn und Ähnlichem, geblieben, man könnte euch einfach ignorieren. Ich frage mich jedenfalls, wieso eine Punk-Band noch irgendwo einen Auftritt in linken Läden bekommt, die einen Song namens »Made in Germany« verbrochen hat. Oder hab ich den Text nur falsch verstanden? »Nach einem halben Jahrhundert noch immer gehaßt und verkannt, wir leben hier wir leben jetzt in diesem Land. In Polen, England, Italien habt ihr mich beschimpft, ihr nanntet mich Nazi nur weil ich Deutscher bin.«

So kurz und blöd eure Texte auch sind, schafft ihr es zumindest, in nur einem Song fast die komplette Bandbreite eures beschissenes Deutschtums zu präsentieren, für die ich euch in Polen und England nicht nur Beschimpfungen wünsche. So ein faschistischer Schulterschluss einer Punkband mit Vaterland, Volksgemeinschaft (»wir haben zusammen so manchen Traum geträumt. Auch in schweren Zeiten waren wir immer füreinander da, wir sind hier. Wir sind Made in Germany«), einschliesslich deutschem Arbeits‑ und Züchtigungswahn (»Auch in der Arbeit gab es so manch schweren Tag und zuhause bei den Eltern auch mal einen deftigen Schlag«) hab ich in seiner lächerlicher Plumpheit und Offenheit noch nicht erlebt.

Fehlt eigentlich nur noch die Ode auf die Fruchtbarkeit der mittelfränkischen Ackerlandschaft oder die Betonung der kulturellen Vorzüge der deutschen Zuckerrübe. Nachgeliefert wird wenigstens noch der ultimative Party-Saufsong, für den netten Abend, wenn die Kameraden vom nationalen Widerstand mal wieder auf ein paar Bierchen vorbeischauen. Zeilen wie »Mädchen Partys Deutsches Bier da erwacht in jedem Mann das Tier«, haben die Onkelz vor hundert Jahren zwar schon besser gereimt, sollten aber dennoch auch die letzten Hemmungen eines guten deutschen Männerabends brechen.

Und wenn ihr dann so richtig zu seid, euch gegenseitig aufgeilt, dass zu viele Ausländer beim 1.FC Nürnberg spielen, dann könnt ihr ja gemeinsam losziehen und eurem großen Vernichtungstraum ausleben: »Mit dem Benzinkanister marschieren wir zum Haus vom Minister… im nu brennt das ganze Haus… weiter ziehen wir durch das Land Richter und Kläger abgebrannt, die Kohle ist sehr schnell vernichtet. Keiner mehr der über uns richtet.«

Beruhigend nur, dass man davon ausgehen kann, dass ihr euch auf dem Weg dorthin verlauft, oder schlimmer noch: euch das Bier ausgeht.


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