27.08.2008 / 1:05 am
Von Janette
Der Lack ist ab.
Der Mangel bzw. das Nichtvorhandensein, das das Kopenhagener Quartett Lack mit ihrem Bandnamen einräumt, hängt ihr auch auf dem nunmehr dritten Album »Saturate Every Atom« faulig nach. Als hätte man zu wenig von diesem und zu viel von jenem zu sich genommen, lagert sich ihre Haltung zur Welt in der Rezeption wie Gift im Körper ab. Und egal was man unternimmt, es bleibt da. Dummheit begegnet einem an jeder Straßenecke, Aufregung oder gar Wut lohnen sich bei schlecht gekleideten Jugendlichen mit Paliwedel oder BWL Studenten mit Army Parker und Deutschlandfahne überhaupt nicht mehr.
Bei Lack verhielt es sich immer so ähnlich. Das Zweitwerk »Be There Pulse« hatte nur wenige musikalische Highlights zu bieten und kam bei weitem nicht an den Erstling »Blues Moderne: Danois Explosifs« heran. Der war 2001 in heavy rotation. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an den Nachfolger. Da sollte nun alles ganz anders sein, Pop statt Screamo, Englische Texte statt Dänisch. Theoretisch kein Merkmal für Qualitätsverlust. Aber die Masse muss erreicht werden, denn Lack haben Botschaften zu übermitteln. Leider.
Es ist das ewig gleiche Dilemma, in dem sich Musik befindet, sobald sie zu einer politischen attributiert wird. Wenn die musikalische Form vernachlässigt und der Trägerstoff für Inhalt, Kritik und Radikalität in die Texte verschoben wird, dann schallt dem Hörer lediglich ein klanglich unterlegtes Flugblatt, eine Positionsansage nicht von linken Musikern, sondern von musizierenden Linken entgegen. Das finden musikaffine Gesinnungsgenossen gut, solange es ihre eigenen Flugblätter und Positionen sind, die sie lediglich in anderem Gewand noch einmal vorgetragen bekommen. Über den Song »Ritornello« wurde an anderer Stelle bereits gutes geschrieben, und dass die Kumpels von Children of Fall antizionistisch unterwegs sind ist auch längst kein Gerücht mehr.
Das Cover von »Saturate Every Atom« ist ästhetisch erste Sahne, ein nur in Unterhosen bekleidetes Pärchen steht Händchen haltend mit Papiertüten auf dem Kopf in einem Fotostudio. Die Typo ist schön schlicht, befördert aber leider viel Dreck ans Tageslicht. Wurde auf dem Vorgänger Album etwas explizierter die israelische Bevölkerung zu den Tätern von heute geheult oder entrüstet festgestellt, dass aus Auschwitz angesichts der Leiden der palästinensischen Bevölkerung nichts gelernt wurde, kommt diesmal mit »Indie Kids Wear the Keffiyeh But Can’t Spell PLO« ein Song daher, nach dessen Textlektüre man die ganze Band zum group hug einladen möchte, tröstend den Kopf striegeln und sagen will, »Sorry Alter, das ist wohl echt verdammt hart für dich!« Vielleicht gibt’s dann auf der nächsten Scheibe eine Art Anleitung für den bewaffneten Häuserkampf oder Bauanleitung für Sprengstoffgürtel. Wem auch nicht genügt, dass da tausende Styloarschlöcher mit dem Symbol des palästinensischen Widerstandes durch die Gegend irren, ohne überhaupt zu wissen, was es heißt zu kämpfen, der hat in dieser Scheibe vielleicht den Soundtrack für die nächste Montagsdemo gefunden. Das sülzt und trieft alles eh so gewaltig daher, dass direkt Revolutionsromantik entstehen könnte.
Songpassagen wie »Ayayayayay« und »Lalalala« sind einfach verboten. Der Drive ist draußen und Lack klingen wie jede langweilige Indieband. Also kein Grund die Platte heimlich zu hören, Tonträger weg und das Cover vielleicht ins IKEA Regal stellen, den Bandnamen vielleicht noch mit Gaffa überkleben. Mehr ist nicht drin.
Übrigens kursiert derzeit noch eine Platte, deren Cover dem von »Saturate Every Atom« verdammt ähnlich sieht. Irmin Schmidt (früher bei CAN) & Kumos »Axolotl Eyes« ziert ebenfalls Händchen haltendes Pärchen, das ist ganz nackt, hat dafür aber irgendwelchen merkwürdigen Sachen auf dem Kopf.

Für die Lack Tour im Frühjahr gab es Poster mit dem Plattencover, auf denen PassantInnen unter anderem im Hamburger Schanzenviertel in islamistischer Manier die Titten unkenntlich gemacht haben. Passt scho’….
27.08.2008 / 1:05 am
[…] Mehr Enthüllungen über langweilige Musik und politische Armutszeugnisse gibts bei Beatpunk: klick […]
27.08.2008 / 9:17 pm
daumen hoch.
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2 Kommentare
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