Vor 125 Jahren wurde Georg Lukács geboren
»Der in akademischem Geiste auferzogene Intellektuelle und Geistesspezialist spricht da sein eigenes profundes Gelehrtenlatein, er ergeht sich in einer Begriffs‑ und Problemakrobatik, die der Laie höchstens anstaunen, aber schwer enträtseln kann«, schwadronierte die Rote Fahne im Jahre 1923 über die soeben publizierte Aufsatzsammlung Geschichte und Klassenbewusstsein, Georg Lukács‘ wichtigstem Buch. Ohne das, was die Apologeten des Marxismus-Leninismus von gestern und heute, ihre Zärtlichkeit der Völker, nicht ertragen können: das erneute philosophisch werden marxistischer Theorie, wäre die Entwicklung der Kritischen Gesellschaftstheorie nicht denkbar gewesen. Lukács stellt die Kategorie der Verdinglichung und die dialektische Methode erneut ins Zentrum von Gesellschaftskritik.1 Das machte nicht nur die Parteigenossen rasend, sondern erlaubt auch eine, von marxistischer Mythologie emanzipierte, kritische Anknüpfung an die Theorie von Marx. Freilich erlag der Begründer des Hegel‑ und Webermarxismus selbst ein Stück weit jener Verdinglichung; und das nicht erst nachdem er – im scheußlichen Parteijargon Selbstkritik genannt – seine früheren Einsichten revozierte. Einer der vielen Widersprüche im Oeuvre Lukács‘ bezeichnet seinen Erfahrungshintergrund: den Westen und die Erfahrung der Dialektik der Aufklärung, die Lukács‘ Rekonstruktion der Hegelschen und Marxschen Dialektik provoziert. An welches Glück aber soll man die bürgerliche Gesellschaft erinnern, wenn es sie nicht mehr gibt, wenn sie von ihrem einstigen Versprechen nichts mehr wissen will? Die Ereignisse in Russland und der Parteityp Lenins geraten Lukács als suprahistorisches Vorbild und Gegenmodell. Schwer einzusehen, dass einer, der dem Begriff der Geschichte so viel Bedeutung beimisst, derart ungeschichtlich das eigene Denken fixiert. Was der am Wegesrand liegen gebliebene Lukács in seiner Studie über Lenin bemerkt, dass die Betrachtung seiner theoretischen Arbeiten die Betrachtung von Geschichte – seiner Zeit – miteinschließen müsse, gilt schließlich ebenso für das Werk von Lukács selbst.2
Geboren wurde Georg Lukács vor 125 Jahren, am 13. April 1885 in Budapest, als Sohn des jüdischen Bankiers Josef Löwinger und seiner Frau Adele Wertheimer. Geboren also in eine Zeit, die noch der bürgerlichen zuzuordnen ist und bereits das Menetekel ihres kommenden Untergangs allerorten in sich trägt: das Zeitalter des Positivismus und der totalen Verdinglichung, die Phase des erneuten Umschlags und der Remythologisierung der gesellschaftlichen Welt, die die vorhergehende Epoche der versäumten Augenblicke ablöst. Diese, ihre Entmythologisierung, die Entzweiung von Subjekt und Objekt, schließlich: die doppelte Revolution von industrieller und politischer Revolution, allen voran die Französische Revolution, vermochte die persönliche, willkürliche Herrschaft von Menschen über Menschen zu überwinden. Die Dialektik der Aufklärung, die Transformation von Herrschaft, evozierte bekanntlich das Thema des Kritikers des Liberalismus, Karl Marx: der Fetischcharakter der Ware.
An diesen, die Marxsche Fetischkritik, erinnert Lukács mit Nachdruck. »Man könnte sagen«, überlegt er, »daß das Kapitel über den Fetischcharakter der Ware den ganzen historischen Materialismus in sich verbirgt«. Den ersten 100 Seiten des Kapital, die der Marxismus gerne überblättert, gilt Lukács‘ vorrangiges Interesse. »Denn es gibt kein Problem«, so die zentrale Aussage von Geschichte und Klassenbewusstsein, »dessen Lösung nicht in der Lösung des Rätsels der Warenstruktur gesucht werden müßte«. Das freilich gilt nicht ahistorisch, sondern einzig in der »ganz rein durchkapitalisierten« Gesellschaft der Moderne, noch formuliert Lukács eine simple Apologie Marxens, die materialen Aussagen des Kritikers der politischen Ökonomie interessieren ihn ohne hin nur beiläufig. Lukács fragt vielmehr: inwieweit der Warenverkehr und seine Folgen in der modernen Gesellschaft das äußere und innere Leben der Gesellschaft beeinflusst. Eindrucksvoll legt Lukács dar, dass die universell gewordene Warenform die »universelle Form der Gestaltung der Gesellschaft« heißen kann, dass sie sämtliche Beziehungen der Menschen strukturiert, dass schließlich die Moderne systematisch verdinglichtes Bewusstsein erzeugt. Der Gedanke ist einfach wie evident: mit der universellen Warenform ward Verdinglichung total. Diese, theoretische wie praktische, Verselbständigung menschlicher Tätigkeit zeitigt subjektiv eine Entfremdung der eigenen Tätigkeitsformen sowie ein kontemplatives Verhalten, objektiv steht den Menschen eine ihnen fremde Welt von Dingen gegenüber – die selbsterzeugte gesellschaftliche Welt erscheint unerkennbar und unveränderlich, die soziale Welt der Moderne, die »Welt der Kontingenz« als Welt vereinzelter Tatsachen. Der Begriff des Fetisch bezeichnet das prägnant: das Produzierte hat Macht über den Produzenten, mit Müh und Not hat die Menschheit den Naturzustand hinter sich gelassen und sich sogleich neue Ketten angelegt. Hierin freilich liegt der kritische Stachel, auf den es Lukács ankommt: dass die zweite Natur als erste eben nur erscheint.
Anhand des Begriffs der Verdinglichung rekonstruiert Lukács Teile der Philosophiegeschichte. Verdinglichung in diesem Kontext heißt: Verabsolutierung der Unmittelbarkeit, identifizierendes Denken, so dass die Totalität der Gesellschaft nicht erfasst werden kann. Er würdigt die »kopernikanische Wende« Kants: dass die Welt nicht mehr als Gegebenheit hingenommen werden soll, sondern als »eigenes Produkt«, als »von uns selbst erzeugt«, aus den Leistungen der Subjektivität konstituierbar. Der Identifikation von »formell-mathematischer, rationaler Erkenntnis« mit »Erkenntnis überhaupt« ist es nach Lukács geschuldet, dass auch Kant im Bann der Verdinglichung verbleibt. Hegel schließlich habe zwar die Auflösung der, wie Lukács es nennt, Antinomien des bürgerlichen Denkens vorangetrieben – durch die Suche nach einem neuen Subjekt, dem Produzenten der Totalität – habe aber schließlich doch eine Remythologisierung betrieben, in Form der »List der Vernunft« oder der Rede von dem Weltgeist. Es liegt auf der Hand, dass Lukács für sich beansprucht, jenen Produzenten aufgezeigt zu haben, das Proletariat nämlich, und dass materialistische Kritik, die im Interesse der praktischen Veränderung ihres Erkenntnisgegenstands sich formuliert, einzig als »dialektische Totalitätsbetrachtung« möglich und wünschenswert sei, dass schließlich vermittels dieser eine vernünftige und rationale Begründung der Revolution erneut möglich scheint. Dialektik bezeichnet Lukács einmal als »Vehikel der Revolution«.
Marx musste nur, so einfach stellt es sich jedenfalls retrospektiv dar, die vorherrschenden bürgerlichen Theorien beim Wort nehmen, im Hegelschen Sinn: immanent kritisieren, und ihnen die Rechnung ihrer Selbsttäuschung präsentieren. Und die Verhältnisse beginnen zu tanzen, die Krise paukt den deutschen Glückspilzen Dialektik ein – nicht, jedenfalls nicht im erhofften Sinn. Der positiv gewordene Liberalismus, jeglichen kritischen wie revolutionären Gehalt abgeschüttelt, setzte vielmehr die Gewalt erneut frei, terminierte im Ersten Weltkrieg und gebar die Barbarei. Dieser doppelte Fortschritt,3 ein Fortschritt der Naturbeherrschung und der Produktivkraftentwicklung, ein Fortschritt zugleich der Destruktivkräfte, des Zerfalls der bürgerlichen Welt und der Konstitution der Volksgemeinschaft, schien die Verdinglichung zu vollenden.
»Damals erblickte ich im Weltkrieg«, erinnert sich Lukács, »eine Krise der gesamten europäischen Kultur; die Gegenwart betrachtete ich – mit den Worten Fichtes – als Welt der vollendeten Sündhaftigkeit, als eine Krise der Kultur, aus der nur ein revolutionärer Ausweg möglich ist«. Lukács war, anders als die meisten seiner Zeitgenossen, von Anfang an entschiedener Gegner des Ersten Weltkriegs, brach mit dem Max Weber Kreis, dem er angehörte, und mit seinem ehemaligen Lehrer Georg Simmel. In jener Rede von der vollendeten Sündhaftigkeit, die Lukács denunziert, klingt noch sein erstes großes Buch, die 1916 erschienene Theorie des Romans mit, Lukács‘ Übergang von Kant zu Hegel. Erst mit der Revolution in Russland sollte der Übergang von Hegel zu Marx, der in Geschichte und Klassenbewusstsein seinen Niederschlag findet, manifest werden. 1918 trat Lukács der Kommunistischen Partei bei. 1919 war er stellvertretender Volkskommissar für Erziehung in der ungarischen Räterepublik und emigrierte, nach dessen Zusammenbruch, nach Wien, wo er bis 1930 blieb. 1922 nahm Lukács, zusammen mit Karl Korsch, an der »Ersten Marxistischen Arbeitswoche« teil, aus der das Frankfurter Institut für Sozialforschung hervorging. Er beflügelte Autoren wie Theodor W. Adorno und Walter Benjamin, war mit Ernst Bloch eng befreundet.
Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges formuliert Lukács: Revolution oder Katastrophe, Sozialismus oder Barbarei. Und diese Alternative schien damals noch denk‑ und entscheidbar. Obwohl Lukács hat mit ansehen müssen, wie der Kriegstaumel den Satz Marxens: der Proletarier kennt kein Vaterland, drastisch der Unwahrheit überführte, setzte er ein – zumindest potentiell – revolutionäres Subjekt stets voraus. Warum Lukács trotz allem von einer objektiv revolutionären Situation spricht, kann nur begriffen werden vor dem Hintergrund seines Verständnisses von Krise und Kritik bzw. Krise und Revolution und dem angeblichen Erkenntnisvorteil des Proletariats, der Rede von dem »Selbstbewusstsein der Ware«. Die Universalität der Warenform, lautet in etwa der fragliche Gedankengang, bedingt die Einheit der bürgerlichen Gesellschaft, die sich so als Totalität konstituiert; und mit der Verallgemeinerung der Warenform wird das Schicksal des Arbeiters zum Schicksal der ganzen Gesellschaft – Verdinglichung als Chance und Verhängnis zugleich. In diesem Prozess, das Proletariat als Nichtidentität einerseits, als das identische Subjekt-Objekt der Geschichte andererseits, vermag das Proletariat – und zwar qua Proletariat – sich selbst als Ware zu erkennen. Diese Erkenntnis denkt Lukács, und er sagt es später ja selber: er habe Hegel »überhegelt«, unmittelbar praktisch in dem Sinne, dass, weil die Ware zuvorderst verhandelt wird im Kontext ihres Fetischcharakters, der Erkenntnisvorgang im Gegensatz dazu aber ein wesentlich bewusster ist, dadurch das Unbewusste im Zusammenhang der Ware fallen muss, mittels der Erkenntnis die Waren ihren Charakter als Waren verlieren. Kurzum, die Krise ist streng genommen bereits die Kritik und die Kritik eigentlich schon Revolution. Beides, Revolution wie Katastrophe, denkt Lukács als ökonomische Notwendigkeiten: diese als Konsequenz eines unbewussten und naturwüchsigen Verlaufs, jene als ihre bewusste Anwendung. Sozialismus als die bewusste Anwendung des Wertgesetzes? Stalin lässt bereits grüßen.
In summa kommt’s auf das Bewusstsein an. Weil das empirische Bewusstsein aber offensichtlich schwer zu wünschen übrig lässt, weil es, so Lukács, der allgemeinen Krisensituation sozusagen hinterherhinkt und das »richtige« Bewusstsein nur in Form gesellschaftstheoretischer Reflexion als Bewusstsein der – positiven – Totalität bestimmt werden kann, muss sich Lukács recht undialektisch mit der der Soziologie Max Webers entliehenen Kategorie des »zugerechneten Bewusstseins« aushelfen. Hätte klappen können. Am Schluss indes dann doch wieder: Kautsky oder Lenin und das Hineintragen des Bewusstseins. Freilich muss die Partei sodann a priori revolutionär gedacht werden, als die Instanz des Klassenbewusstseins. Lukács formuliert auch eine »spekulative Begründung des Satzes die Partei hat immer recht«4 – und wurde trotz seiner autoritären Rechtfertigung der Partei von ihr als »Linksabweichler« scharf attackiert. Hierin, in der Frage nach dem Bewusstsein der Massen, liegt sogleich der Rechtsgrund für eine gänzlich anders gelagerte Fragestellung: die Frage, warum revolutionäre Subjektivität schlicht ausbleibt; formuliert durch die kritische Sozialforschung Frankfurter Provenienz.
Nach der Zeit im Moskauer Exil, von 1933 bis 1945, war Lukács wieder in Budapest: dort Professor, dann Kultusminister der Revolutionsregierung. Nach dem gescheiterten Ungarn-Aufstand wurde Lukács nach Rumänien gebracht, kehrte aber ein Jahr darauf nach Budapest zurück. In den fünfziger Jahren erschien sein Werk Die Zerstörung der Vernunft, jene Untersuchung des Weges Deutschlands in den Nationalsozialismus, der Adorno vorrangig die Zerstörung von Lukács‘ eigener Vernunft attestierte. In jener Schrift gelten ihm sämtliche Strömungen des Irrationalismus als faschistisch, »ohne sich viel dabei aufzuhalten«, lautet die treffliche Kritik Adornos, »daß in diesen Strömungen der Gedanke auch gegen eben jene Verdinglichung von Dasein und Denken sich sträubte, deren Kritik Lukács‘ eigene Sache war«. Der methodischen Fragwürdigkeit, die hier Adornos Kritik motiviert, steht freilich ein Material gegenüber, das Schriften der Kritischen Theorie zum Teil vermissen lässt. War in Geschichte und Klassenbewusstsein Lukács‘ Ideologiebegriff noch ambivalent, mal kritisch, mal positiv, scheint es nunmehr eindeutig: dass es sich im schlechtesten Sozialismus noch besser leben lasse als im besten Kapitalismus, ist einer seiner Verlautbarungen, die das bezeugen. Und wer das nicht so sieht, der muss sich wohl eingerichtet haben, im »Grand Hotel Abgrund«. Billiger geht’s kaum.5
Lukács blieb die Einsicht in die Dialektik der Aufklärung letztlich verwehrt. Dabei kam seine dialektische Kritik dieser recht nahe. Die totale Verdinglichung beschrieb Lukács nämlich nicht allein im Bereich des Alltagsverstandes und ihrer Rationalisierung: der Wissenschaft, sondern auch anhand des »wissenschaftlichen Sozialismus« (Engels) und dem Marxismus der II. Internationale, dem »orthodoxen Marxismus«, der den Verein freier Menschen als großangelegte Arbeitsgesellschaft phantasierte. Dementsprechend ist sein Methodenverständnis positivistisch: Tatsachen-Marxismus. Orthodoxie in Fragen des Marxismus, so Lukács, bezieht sich indes nicht darauf, einzelne Punkte von Marx kritiklos zu übernehmen, auch geht es nicht darum, aus der Kritik der politischen Ökonomie eine heilige Schrift zu machen; Orthodoxie in diesem Kontext bezieht sich vielmehr einzig auf die Methode. Folglich lautet Lukács‘ Kritik: der Marxismus erliegt methodisch der Bewusstlosigkeit und der Verdinglichung. Auch diese Vernunft, so scheint’s, ist zerstört. Gegen den »Götzendienst mit diesen sogenannten Tatsachen« erinnert Lukács das Gewordensein jener Tatsachen, eben die darin aufgehobene Geschichte. So ist Erkenntnis möglich nicht unmittelbar, sondern vermittels der Kritik des verdinglichten Bewusstseins, das die Realität konstituiert. In einer derart verstandenen Methode der Theorie-Kritik werde »die Problemgeschichte tatsächlich zu einer Geschichte der Probleme« und »die Geschichte der Philosophie zur Philosophie der Geschichte«.
Das Oeuvre Lukács‘ wird seit 1962 im Luchterhand-Verlag publiziert. Eine kurze Renaissance, vor allem von Geschichte und Klassenbewusstsein, erlebte Lukács um 1968.6 1970 wurde ihrem Autor der Goethepreis verliehen. Georg Lukács starb im Alter von 86 Jahren am 4. Juni 1971 in Budapest.
Diejenigen, die beim Namen Georg Lukács an den ungarischen Kommunisten denken und nicht etwa an Star Wars, sind freilich rar geworden. Auch das gehört zur Signatur der Moderne: dass alles unterm Diktat des Vergessens steht. Und die, die es noch wissen, lassen entweder, wie die Rosa Luxemburg Stiftung, eine Konferenz fragen, ob mit Lukács der Sozialismus noch zu retten sei,7 oder machen, wie die Frankfurter Rundschau, aus Lukács gleich einen engagierten Intellektuellen.8 Dass Journalismus eines der Paradebeispiele für Verdinglichung heißen kann, wusste der Autor der Studien über marxistische Dialektik freilich nur allzu gut, dass der Sozialismus nicht zu retten ist, eher weniger. Aber da waren die Weichen für eine »negative Dialektik« (Adorno) auch bereits gestellt – mit und gegen Georg Lukács, dessen radikale Erneuerung materialistischer Kritik die Einsicht, Totalität als negative, das Wesen als das Unwesen zu bestimmen,9 nicht formulierte, mithin aber ermöglichte.
Anmerkungen
- Rüdiger Dannemann, Das Prinzip Verdinglichung. Studie zur Philosophie Georg Lukács‘. Frankfurt am Main 1987; Michael Koltan, Marxistische Dialektik im 20. Jahrhundert: Georg Lukács, in: Bahamas, 23/1997.(↩)
- Detlev Claussen, Blick zurück auf Lenin. Georg Lukács, die Oktoberrevolution und Perestroika. Frankfurt am Main 1990.(↩)
- Gerhard Stapelfeldt, Der Imperialismus. Krise und Krieg 1870/73 bis 1918/29. 2 Bde. Hamburg 2008; Eric J. Hobsbawm, Das imperiale Zeitalter: 1875–1914. Frankfurt am Main 1989.(↩)
- Hans-Jürgen Krahl, Aus einer Diskussion über Lukács, in: Konstitution und Klassenkampf. Frankfurt am Main 1971. Nach dem versäumten Augenblick muss die gegenwärtige Rede vom Proletariat und vom Klassenkampf beschrieben werden als das, was sie ist: ein moderner Mythos des Marxismus, eine kollektive Selbsttäuschung. Auch die ›Freunde der klassenlosen Gesellschaft‹ etwa, ihre »28 Thesen zur Klassengesellschaft« (Berlin 2007) kommen nicht aus ohne Lukács‘ Über-Hegelei und seinen kruden Materialismus; ansonsten macht es überhaupt keinen Sinn, von einem Proletariat zu reden, »das für seine Selbstaufhebung bereits weltweit kämpft«. Ähnlich Felix Baum, der in der Phase 2 (11/2004) am Rande der Zitierfähigkeit diktiert, was »unkritische Theorie« sei: wer nicht an den »Klassenantagonismus« und dem »Proletariat als Kraft der Negation« glaube und daher »Kulturpessimismus« betreibe.(↩)
- Sollte man zumindest denken. Aber schlimmer: das geht bekanntlich immer. Von einem »antideutschen Neokonservatismus als Klassenkampf von oben«, so der Titel einer Veranstaltung in der verstaubten Parteizentrale der Hamburger DKP (12.06.2010), weiß die prodeutsche Gegenaufklärung zu berichten: die Abschaffer der Tierquälerei und einer ihrer Ökonomisten, der Kapitalnacherzähler von der Marxistischen Abendschule.(↩)
- Geschichte und Klassenbewusstsein heute. Eine Diskussion zwischen Furio Cerrutti, Detlev Claussen, Hans-Jürgen Krahl, Oskar Negt und Alfred Schmidt, in: Schwarze Reihe, Bd. 12. Amsterdam 1971.(↩)
- Rosa Luxemburg Stiftung, Ist der Sozialismus (Marxismus) noch zu retten? Über die Aktualität eines linken Marxisten – Georg Lukács zum 125. Geburtstag, Konferenz vom 23.04. bis 24.04.2010 in Berlin.(↩)
- Hans-Martin Lohmann, Georg Lukács‘ 125. Geburtstag. Gelebtes Denken ohne Kompromiss, in: Frankfurter Rundschau, 12.04.2010.(↩)
- Joachim Bruhn, Adorno: Die Konstellation des Materialismus, in: Risse. Analyse und Subversion, 5/2003.(↩)



