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Respect the Clit

Von Waity

Lady Bitch Rays - zwischen misogyner Rezeption und Kulturindustrie

Zugegeben: der Hype um war 2006, nach Maßgabe der Kulturindustrie also gestern, ist alt, vorbei, abgefrühstückt. Aber als Proletarier_in wider Willen gelingt es mir derzeit nicht, beständig den Puls der Zeit zu fühlen, den heißen Scheiß noch dampfen zu sehen bzw. regelmäßig die In/Out-Listen der einschlägigen Magazine zu checken. Machen wir also aus der Zeit-Not eine Tugend und legen unser Ohr auf die Schiene der Zeit-Geschichte, um sie mitsamt des kulturindustriellen Aktualitätsdiktats gegen den Strich zu bürsten.

Zu diesem Zweck seien in aller Kürze einige Basics vorangestellt:
, mit bürgerlichem Namen Reyhan Sahin, ist 26 Jahre alt, aufgewachsen in einer aus der Türkei immigrierten ‚Gastarbeiter’familie, wohnhaft in , ehemalige Studentin der Linguistik und Germanistik, derzeitig Doktorandin mit dem Dissertationsthema »Semiotik der Kleidung«. Wie Millionen juveniler Menschen inszeniert sie sich auf ihrer höchstpersönlichen myspace-Seite. Bis zu ihrem Rauswurf 2006, der sie auf die Titelseiten diverser Boulevardzeitungen hievte, war sie vier Jahre lang beim Radio ‑ und WDR-Ableger ‚Funkhaus Europa’ als Moderatorin tätig. Die Kündigung ging auf einen von ihr releasten Track zurück, der von den Radio-Spießer_innen als »pornographisch« und »zu obszön« eingestuft wurde. Seitdem veröffentlichte diverse Einzeltracks, u.a. die auf myspace nachzuhörenden »Deutschland Siktir Lan«, »Ich hasse dich« (Diss gegen Sarah Connor und MelBeatz) und »Ich trete dir in den Arsch« (Diss gegen Kool Savas) sowie ein Mini-Album. Außerdem tritt sie als TV-Moderatorin der Pay-Per-View-Sendung »Große Fische, kleine Fische« auf, wo sie sich unter anderem D-Flame und Jan Eißfeldt zu Gast geladen hat.

So kleinbürgerlich ihre Entlassung durch das öffentlich-rechtliche Radio auch daherkommt, die zur Begründung herangezogene Einstufung ihrer Songs als »pornographisch« ist durchaus korrekt. In ihrem musikalischen oeuvre wimmelt es nur so von explicit lyrics: Stellungen werden durchdekliniert, die eigene Sexualität ins Groteske überzeichnet, die Gebattleten virtuell depotenziert oder als Sex-Toys imaginiert. Soweit nicht ungewöhnlich, haben wir es hierbei doch mit dem Standardregister des Gangsta‑ und - zu tun. Exekutiert allerdings von einer Frau, einer Frau, die sich nicht in die eindimensionalen Schubladen der lasziven Verführerin oder passiven Begehrten, der unschuldig-attraktiven Lolita oder des blond-dienenden Dummchens pressen lässt. statet »Hinter jeden starken Bitch steckt eine harte Clit«, formuliert also eine Subjektposition, die das Stereotyp der willenlosen, nymphomanen Hure, die mit allen Männern ins Bett geht (»Bitch«), positiv wendet und mit der Inthronisation einer eigenen, spezifisch weiblichen Sexualität (»Clit«) kombiniert. Anstatt sich devot den Wünschen und Gelüsten des Mannes unterzuordnen, fordert sie offensiv die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, z. B. via Cunnilingus, ein. Die Lobpreisung der Klitoris, des Phallischen im (sozial konstruierten) Weiblichen, zielt auf das Tabu einer strukturell misogynen Gesellschaft, in der zwar jeder BüroHengst von Cumshots auf Spermaluder träumen darf, für die jedoch Lady Bitch Rays Ankündigung, »Votzenschleim« auf die Bühne tropfen zu lassen, nicht intelligibel ist. Zwar soll die Frau dem heterosexistischen Mainstream gemäß stets feucht zwischen den Beinen sein, doch soll diese Feuchtigkeit nur als Gleitmittel für die penetrationsfixierte Selbstdarstellung des Mannes fungieren. Klitorale Härte und Andeutungen weiblicher Ejakulation kommen einer symbolischen Kastration des Mannes nahe, der doch das Privileg aktiv-zustoßender Sexualität, wenn nicht eigenständiger Sexualität überhaupt, beansprucht.

Die unverblümt-fordernde Thematisierung der sogenannten Bikinizone durch ist das Pendant zum sexualisierten Prahlen eines Snoop Dogg oder der 2 Live Crew. LBR bricht jedoch die ungeschriebenen Regeln des Biz, nach denen die jeweilige Schwanzlänge und die Anzahl der Sexualpartner_innen allein im innermännlichen Wörterwettstreit in Frage gestellt und ermittelt werden darf. Entgegen der Norm der großteils homosozial verfassten HipHop-Community, in welcher der Phallus als Entreebillet fungiert und Frauen primär als Referenzobjekte repräsentiert sind, beansprucht sie Waffengleichheit nach dem Motto ‚dein Dick – meine Clit’. Gegen den Konsens des rappenden Männerbundes ermächtigt sie sich somit zum Subjekt des Battle. Den Männern, gewohnt, sich die Frauen zu unterwerfen und lediglich mit den eigenen Geschlechtsgenossen zu konkurrieren, kommt so der vertraute Maßstab, nämlich die Länge des in Frauen zu steckenden Schwanzes, abhanden. Der egalitäre Anspruch Lady Bitch Rays trifft auf eine Leerstelle: aus dem Wegfall des Bezugs auf das gemeinsame Dritte, die ‚gefickte’ Frau, resultieren bei den männlichen Konterparts von LBR Ungläubigkeit, Orientierungslosigkeit und Konfusion. In einigen Folgen von »Große Fische, kleine Fische« gelingt es denn auch, mittels ihres dauerobszönen, zwischen Votze, Titten und Vagina oszillierenden Soundteppich ihre Gäste nachhaltig zu irritieren. Den eingeladenen Rappern, gewohnt, in ihrer lässig-souveränen Mackerhaltung nicht in Frage gestellt zu werden, steht, wie Jan Eißfeldt, die Verunsicherung ins Gesicht geschrieben oder bleibt nur noch, wie D-Flame, die Rettung in großkotzige, hier aber hohl klingende »Ich will DICH mal ficken«-Phrasen.

Die Rezeption von lässt sich jedoch nicht auf die übersexualisiert-dauergeile-aggressiv-verschlingende Frau reduzieren. Die Figur wird vielmehr in einem komplexen Spannungsfeld von gender, race und class diskursiviert, das im Rahmen dieses Textes nur ansatzweise beschrieben werden kann. Gerade von den deutschen Medien immer wieder erörtert wird ihr türkischer Background, ein Feature, das einerseits Anklänge an das Klischee der exotisch-orientalischen Schönheit zulässt, andererseits aber auch Ver‑ und Bewunderung auslöst, wird doch nicht erst seit dem Fall des in der Türkei inhaftierten Marco W. die anatolische Sexualmoral pars pro toto als rückständig, mittelalterlich, schnurrbärtig stereotypisiert. So gesehen, erscheint Lady Bitch Rays Variante der Emanzipation durch die Vagina noch mirakulöser. Zugleich gestaltet sich ihre Inszenierung dadurch auch weniger bedrohlich, da sie sich im Rahmen einer ‚fremden Kultur’ abspielt, deren im Gegensatz zur angeblich hierzulande herrschenden Gleichberechtigung vorgeblicher Geschlechtsextremismus (bärtiger Patriarch vs. bekopftuchte Sklavin) solche ‚Verrücktheiten’ erst provoziert.

Als Chiffre für Intelligenz und Intellektualität findet ihre akademischen Karriere ebenfalls in sämtlichen einschlägigen Artikeln Erwähnung. Ob dadurch nur einfaches Kopfschütteln über die scheinbar in einer Person unvereinbaren Charakteristiken von sexueller Obszönität und akademischer Intelligenz vertextet oder die Entschärfung ihrer bedrohlich-vorstoßenden Sexualität betrieben wird, indem diese als nur gespielt (nach dem Motto: »in Wahrheit ist LBR ja total clever!«) interpretiert wird, ist mir ehrlich gesagt unklar. Interessant allerdings, dass in den gängigen Foren und myspace-Kommentarspalten ein umgekehrtes Phänomen zu beobachten ist: nicht als sonderlich intellektuell wird wahrgenommen, sondern im Gegenteil als besonders dumm, rein triebgesteuert, maximal noch als durchtrieben, da im Besitz des Wissens um die Verwertbarkeit ihres Körpers. So werden Hinweise bei .de auf Bitch Rays Output mit der an selbige Homepage gerichteten Frage »seid ihr jetzt ne billige pornoseite?« gekontert. Regelmäßig wird Lady Rays Sendung in solchen Kommentaren der Primitivität geziehen und als »Unterschichten-TV« abgetan, offensiv gelebte Sexualität also dem dumpf-rohen HartzIV-RTL2–99Cent-Proletariat zugeschlagen. Vermutlich entstammt solche Ideologisierung Mittelschichtshirnen, die – ob als Schüler_innen, Studierende oder bereits Arbeitende – sich einen distinguiert-abgeklärten Gestus zugelegt haben. Insgeheim werden jedoch die an sich selbst unterdrückten, im Stillen wuchernden Leidenschaften Anderen geneidet und müssen als ‚Primitivitäten’ abgetan werden, weil man die eiserne Disziplin der Lohnarbeit internalisiert hat.

Eine besonders aggressive Form der Abwertung findet sich in dem bei youtube geposteten, mit libanesischen und türkischen Flaggen unterlegten Diss-Video von Gökhabib, »Ich f*** dein Arsch«. Dort wird als Hure, Nutte, Missgeburt, Hund und hässliche Schlampe, die das »Scheiss-Klo putzen [soll, denn] Frauen kann man auch für nichts anderes benutzen«, porträtiert. Gökhabib steigert sich bis hin zu Mordphantasien (»lieber erschieß ich dich, wenn ich dich leid bin«) und konfrontiert die Anspruchshaltung der Bremer Rapperin mit einer Mischung aus Antifeminismus und Nationalismus: »ich fick deine Emanzipation, du bist Blamage für deine ganze Nation«. wird jedoch nicht allein als ‚Verräterin’ am türkischen Kollektiv qua Emanzipation abgestraft, sondern auch von deutscher Seite mit dem kompletten Arsenal nationalistischer Exklusion befeuert. Exemplarisch für diesen von Psychologisierung (»Wegsperren in einer geschlossenen Anstalt«) bis hin zu Gewaltandrohung reichenden Diskurs sei im Folgenden ein Kommentar von rap.de zitiert, wo es heißt: »diese abgefuckte scheiß drecks hure!!! die schlampe hat ein lied gegen deutsche gemacht! wenn ich diese hure sehen würde ich der alle zähne raushauen!!!!!«

Um nicht missverstanden zu werden: taugt trotz Zeilen wie »Deutschland, halt den Rand« sowie der von ihr verabschiedeten »10 Geboten des Vagina-Styles« weder zur antideutschen noch zur feministischen Ikone – wenn es solcher Idole denn überhaupt bedürfte. Neben ihrer leidlich entertainenden Musik ist es vor allem die oben skizzierte, in einer race-gender-class-Matrix positionierte Rezeption des Phänomens , die von Interesse ist. An dieser Stelle soll auch nicht verschwiegen werden, dass der großen Anzahl an Bitch-Hater_innen eine beachtliche Schar an Fans aller Geschlechter gegenübersteht. Während Frauen oft zwischen Ekel und Bewunderung für ihr ‚tollkühnes’ Clit-Representen schwanken, ergehen sich reihenweise Männer in Phantasien widerwärtigster Art, die sich stets darum drehen, zu ‚ficken’. Die relative Autonomie, die sie für ihre Vagina reklamiert, wird nicht ernst‑, sondern allein als luststeigernder Anreiz für die Männer selbst wahrgenommen. Bitch Rays offensiv prononcierte Lust regt die Projektionsschleudern an. Da der Akt des ‚Fickens’ der orthodoxen Männlichkeit schon im Regelfall das Bezwingen des weiblichen Gegenübers bedeutet, impliziert er für sie bei einer solchen, stolz daherkommenden ‚geilen Schlampe’ einen noch größeren Triumph. Als Freundin wünschen sich solche Männer aber selbstverständlich das zu Repräsentationszwecken gut aussehende, ansonsten konträr zu Bitch Ray brav zu Hause sitzende 08/15-Girl. Die Ambivalenz dieser Männerphantasien, die zwischen den Polen Heilige und Hure, braves Mädchen und geiler Stute schwanken, verdeutlicht ein Kommentar bei myvideo: »frauen die rappen sind zwiters. eklig aber ficken gerne egal wo« [soll heißen: der Kommentator diffamiert LBR als Zwitter, würde sie aber gerne ‚ficken’, an jedem Ort].

ist so gesehen beliebte Projektionsfläche einer in den beiden aufgeführten Varianten existierenden Misogynie, allerdings nicht alleine missverstandenes Opfer männlichen ’. Schließlich wendet sie sich in ihren Lyrics gegen »Schwuchteln« und konstruiert ein Ideal harter, potenter Männlichkeit – mit der Differenz zum Mainstream, dass diese gängige Form der Männlichkeit eben auch der weiblichen Lust dienstbar gemacht werden soll. In ihrer sexuellen Performance verbleibt sie zur Gänze auf der Ebene der sog. primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, prioritisiert das Genitale über sämtliche Partialtriebe. Die spektakuläre, scheinbar kaum mehr steigerbare Sexualisierung ist zugleich realiter eine Enterotisierung des Körpers, dessen potentiell grenzenlose Möglichkeiten der Lusterzeugung und –befriedigung nicht wahrgenommen werden. Die Dauerrotation von Vagina, Titten, Schwanz schiebt sich wie eine Sichtblende vor diese Möglichkeiten. Zwar taucht immerhin die Option nasaler Penetration auf – jedoch nicht zwecks eigener Luststeigerung, sondern nur im Zuge einer rhetorischen Erniedrigung der verhassten, langbenasten Sarah Connor. Andere Körperteile wie Arme, Hände, Füße, Köpfe oder alternative Sextechniken sind in Bitch Rays Inszenierung ebenso wie Streicheln, Kuscheln, Knutschen gar nicht erst der Erwähnung wert.

Gerade die kulturindustrielle Vermittlung der Figur ermöglicht das beschriebene Fantum von Mackern wie auch die Entschärfung der in ihrer Performance angelegten Sprengkraft – bietet ihr Dasein als Bühnen‑ und TV-Star doch die Option, sich ihr rein visuell, ohne dem Geruch ihrer Vagina oder dem Geschmack ihres Votzenschleims ausgesetzt zu sein, zu nähern. Ihr 90–60–90-Körper, die langen Haare und blendend weißen Zähne wie ihr Auftreten im Krankenschwester-Kostüm sind die idealen Voraussetzungen, um zum cleanen PamelaAnderson-mäßigen Playmate zugerichtet zu werden. Zudem kann sie, darin dem Standard- gleich, über portionierte Rezeption – mittags mal ein Video, wenn die Arbeitskollegen gerade Mittagspause machen, abends eine TV-Sendung vom heimischen Laptop aus – wunderbar in die kapitalistisch-patriarchal präformierte Raum-Zeit-Ordnung integriert werden, in der jedes Bedürfnis nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten in einer bestimmten Länge und mit bestimmten Personen ausgelebt wird. Eine revolutionäre Entfaltung erotischen Begehrens, das die mit Gewalt gesetzten Grenzen zwischen Geschlechtern, Klassen und ‚Rassen’ transzendiert und den Eros im Alltag lebbar macht, muss über hinausgehen. Eine solche universale Erotisierung wäre verbunden mit einer Aufhebung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung – Intellektuelle hier, Proletariat da, Produktion hier, Reproduktion dort, Bühne vorne, Publikum hinten, Kulturindustrie einerseits, Alltag andererseits – und somit mit der Einrichtung einer Gesellschaft, für die wir heute lediglich den Signifikanten Communismus zur Verfügung stehen haben.

Der/Die AutorIn betreibt das Weblog http://waiting.blogsport.de.


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  1. […] Phase dieser neo-kolonialistischen Strategie ist mit der Veröffentlichung meines Textes «Respect the Clit – Lady Bitch Rays Porno-Rap zwischen misogyner Rezeption und Kulturindustrie«* auf der beatpunk-Homepage eingeläutet. Weitere Schritte werden […]

  2. unkultur 05.10.2007 / 11:38 am

    Mit der Aussage »(g)erade die kulturindustrielle Vermittlung der Figur Lady Bitch Ray …Entschärfung der in ihrer Performance angelegten Sprengkraft.« gehe ich nicht d´accord. Als wäre Kulturindustrie wie der Kapitalismus aus Sicht der Globalisierungskritiker eine außenstehende Angelegenheit, die sich erst im nachhinein die Welt einverleiben würde. Unsinn – Lady Bitch Ray ist so durch und durch Kulturindustrie und was, wenn nicht kulturindustrielles Produkt? Da gibt es nichts zu entschärfen.
    Wenn ich einen Kritikpunkt an dem ansonsten guten Text habe, so ist er die Verkennung dieses Faktums. Schon die Überrschrift suggeriert ein dialektisches Spannungsfeld zwischen 2 Polen, die es so m.E. nicht gibt. Was der Text nämlich ausblendet ist die Tatsache, dass den meisten Beteiligten die Inszenierung des Skandals klar sein dürfte. Schon die Bild-Zeitung berichtete über den Rauswurf bei Radio Bremen mehr als augenzwickernd und nutzt den Pseudoskandal für eigene Schlagzeilen. In der Kulturindustrie sind eben alle Amigos. Nee, hier ist allen klar, dass die Maschine am Laufen gehalten werden muss und ständig Geschichten und Skandälchen produziert werden müssen, um die Aufmerksamkeitsökonomie am Laufen zu halten. Es verdienen schließlich alle gut daran durch Steigerung von Popularität und Verkaufsfähigkeit und außerdem sind Tabus zum Brechen da.
    Ob in einer durchpornographisierten Gesellschaft überhaupt noch gefickt, geschweige denn erotische Liebe gemacht wird, wäre die andere Frage. Wie kann man Aussagen wie die Folgende aus dem taz Artikel über Reyhan Sahin ignorieren: »Wenn sie einmal selbst Kinder haben sollte, sagt sie, dann will sie die gemäß türkischen Moral‑ und Wertvorstellungen erziehen: »Ich werde auch zu meiner Tochter sagen: ’Ich will nicht, dass du mit 16 einen Freund hast.’ « Warum? Weil sie die grenzenlose Freiheit der Deutschen falsch findet: »Glück definiert sich nicht über immer mehr Beziehungen.««
    Da passt dann die Analyse von Günther Jacob aus der Jungle World zu den Phänomenen des Arschlochraps und Bushido wie die Faust auf´s Auge: »Junge Leute hören Bushido und wollen zugleich in Weiß heiraten. Offensichtlich passt das zusammen. Die repressive Sexualität in Bushido-Texten geht einher mit einem »Ich lass auf Mutter nichts kommen, heirate in Weiß und geh’ zum Papstbesuch«. Junge Mädchen rufen auf Bushido-Konzerten: »Fick mich, mach mir ein Kind.« Bemerkenswert daran ist ja der zweite Teil, denn den ersten haben schon Groupies der Sixties-Bands gerufen. Jetzt soll’s gleich ein Kind sein. Natürlich ist das auch ein Spiel, aber eines, das zeigt, dass ein erotischer Lebensentwurf nicht im Mittelpunkt steht. Sex wird gleich im Zusammenhang mit Verpflichtungen gesehen. Auch Jungs sollen wissen, dass es nichts umsonst gibt.«
    Diesen Widerspruch sollte man ins Visier nehmen: die repressive Sexualmoral der Gesellschaft, wo in der Kulturindustrie die Bilder von hemmungsloser Fickerei zirkulieren. So gesehen sagt die Kunstfigur Lady Bitch Ray zunächst weniger etwas über gesellschaftliche Normen, als über die Bildproduktion der Kulturindustrie aus.

  3. […] dem Phänomen Pornorap Aufmerksamkeit schenkt und noch nicht genug von Lady Bitch Ray hat, sei der kompetente Beitrag von Waity auf Beatpunk zur Lektüre empfohlen. Verfasst von besserscheitern Eingeordnet unter all day […]

  4. […] respect the clit (beatpunk.org) spiegel-artikel zur maischberger-show (mit hausbesuch bei lady bitch ray als video) […]

  5. classless Kulla 23.12.2007 / 8:46 pm

    Postfeministische Etymologie…

    >>Ich benutze ja verschiedene Wörter, sei es Hure, Fotze oder Bitch. Das Wort Schlampe mag ich nicht, denn es stammt etymologisch von dem Begriff unordentliches Frauenzimmer ab. Der Kontext ist entscheidend. Bitch ist etwas Luxuriöses und Edles und m…

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